Zoe Saldana und Ryan Reynolds in „The Adam Project“ Foto: Netflix/Doane Gregory

In Shawn Levys Science-Fiction-Dramödie „The Adam Project“ versucht Ryan Reynolds als Zeitreisender, die Zukunft zu retten – und seine zerrissene Familie.

Von wegen „Raum-Zeit-Kontinuum“: Wenn ein Notfall vorliegt, muss man auch mal zu sich selbst zurückreisen, um die Zukunft in Ordnung zu bringen. Das tut Adam (Ryan Reynolds) in Shawn Levys Science-Fiction-Dramödie „The Adam Project“. Während sein jüngeres Ich (Walker Scobell) sich über eine Art großen Bruder freut, ist Adams Vater entsetzt – eine seiner Erfindungen hat Zeitreisen ermöglicht, nun befürchtet er ein chronologisches Chaos.

 

Levy, Regisseur diverser Episoden der Mystery-Serie „Stranger Things“, hat mit Reynolds auch die Komödie „Free Guy“ (2021) gedreht über eine nicht spielergesteuerte Figur in einem Videogame, die ausbricht. In „The Adam Project“ nun geht es etwas ernster zur Sache, immerhin steht die Zukunft der Menschheit auf dem Spiel. Der Grundton bleibt dennoch komödiantisch, und der Film findet eine gute Balance.

Reynolds kann auch schweigend Charakter entwickeln

Das gilt gerade auch für Reynolds, der sich mit seinem ersten Auftritt als Anti-Superheld in „Deadpool“ (2016) als schlagfertiger Ironiker etabliert hat. Zuletzt raubte er als Kunstdieb in „Red Notice“ Dwayne Johnson den letzten Nerv als urkomische Standup-Quasselstrippe. Adam nun zügelt sich in entscheidenden Momenten und bringt zum Vorschein, wie viel Charakter Reynolds auch schweigend entwickeln kann.

Adam kommt aus dem Jahr 2050 und landet zunächst versehentlich im Jahr 2022, wo er sich selbst als Zwölfjährigen aufgabelt, um dann im Jahr 2018 Schlimmeres zu verhindern – immer die korrumpierte Herrscherin über die Zeitreisetechnologie auf den Fersen (Catherine Keener), die diese Adams Vater entrissen hat.

Die Zukunft wird nur angedeutet. Sie existiert vor allem in hübsch animierten Blinke-Raumschiffen, die künstliche Wurmlöcher für Zeitsprünge nutzen und in einem futuristischen Labor der Gegenwart landen. Den Sinn für Wissenschaft verkörpern die beiden Adams und ihr Vater – und sie werden zu dem Schluss kommen, dass es in Ordnung ist, ein Nerd zu sein.

Zwischen Reynolds und Saldana sprühen die Funken

Überhaupt sind die innerfamiliären Verwerfungen der entscheidende Handlungsstrang, ausgelöst durch einen Unglücksfall. Einfühlsam widmet sich das Drehbuch dem Konflikt zwischen dem doppelten Sohn und seinem Vater, der auf keinen Fall Informationen über sein Schicksal möchte – „Zurück in die Zukunft“ lässt grüßen.

Reynolds, der ebenfalls komödiantisch begabte Ruffalo und Scobell spielen sich wunderbar die Bälle zu, der Junge empfiehlt sich als knuffiger Schlaumeier-Bengel. Jennifer Garner leuchtet als Mutter in schwieriger Lage, in einer Szene mit Ruffalo klären die Eheleute liebevoll, wo sie stehen. Herrlich überdreht, mit einem Hauch von putineskem Cäsarinnenwahn gibt Catherine Keener die Bösewichtin, die mit sich selbst ihren inneren Konflikt ausdiskutiert. Und in den Szenen, in denen Adam seiner Frau Laura begegnet, sprühen nur so die die Funken – Zoe Saldana („Guardians of the Galaxy“) und Reynolds hatten offensichtlich Spaß beim Spielen.

Der Teil des Genre-Publikums, der mehr Sci-Fi-Action bevorzugt, muss also ein wenig Geduld mitbringen, aber nicht allzu viel: Dialoge, Regie und Darsteller kommen auch beim Familiendrama wirklich gut auf den Punkt. „Wenn eine schlechte Idee die einzige Idee ist“, sagt Adam, „dann wird sie zu einer großartigen Idee!“

The Adam Project. Auf Netflix.