Die Test-Angebote werden nach wie vor rege in Anspruch genommen. Foto: dpa/Michel Spingler

Immer mehr Menschen sind geimpft und geboostert. Wer lässt sich eigentlich zurzeit testen? Wir haben uns an der Teststation im Zentrum von Stuttgart-Degerloch umgehört.

Degerloch - Vermutlich freut man sich zurzeit nirgends so sehr über ein negatives Ergebnis wie bei einem Coronatest. Egal ob ungeimpft, genesen oder doppelt und dreifach mit einem Impfstoff geschützt – eine regelmäßige Kontrolle, ob man sich mit einer der Varianten des Virus infiziert hat, kann nie schaden. Getestet wird seit Ende November beispielsweise in der Alten Scheuer am Agnes-Kneher-Platz in Stuttgart-Degerloch.

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Die Betreiber der Teststation, die ihre Namen aufgrund des heiklen Themas nicht in der Zeitung lesen möchten, haben sich zusammen mit dem Degerlocher Bezirksvorsteher, Marco-Oliver Luz, und dem Förderverein Alte Scheuer ein Konzept überlegt, wie die festlichen Räumlichkeiten zur Coronabekämpfung genutzt werden können. Neben Antigen-, Spuck- und Lollitests, die für die Kleinsten in der Bevölkerung geeignet sind, sollen hier in Zukunft auch die aufwendigen, aber dafür aussagekräftigeren PCR-Tests angeboten werden.

Der Vorteil der PCR-Tests

„Wir sind gerade noch in der Planungsphase und hoffen, dass wir diese zeitnah durchführen können“, sagen die Betreiber. Extra ausgebildetes Personal sei dafür nötig, denn anders als bei den Schnelltests nimmt man hierfür Abstriche von Nase und Rachen, die dann extra in ein Labor geschickt und untersucht werden. Allerdings bekommt man das Ergebnis dann meist erst in den nächsten 24 Stunden mitgeteilt. „Dafür sind diese Tests einfach unschlagbar in ihrer Aussagekraft“, so die Betreiber.

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Ein Antigenschnelltest reagiert nämlich auf Eiweiße auf der Virushülle, PCR-Tests weisen das Erbmaterial des Virus in kleinsten Mengen nach – und sind deswegen auch bei der Omikron-Variante sehr viel treffgenauer. Allerdings kosten solche Tests zwischen 50 und 150 Euro, und nur in Ausnahmefällen übernimmt die Krankenkasse die entstehenden Kosten. „Wer einen positiven Schnelltest hat, dem wird auch ein kostenloser PCR-Test zugesprochen“, klären die Betreiber auf.

Wenn man sich vor der Alten Scheuer in Degerloch umhört, weshalb sich die Leute an jenem Tag zu einer kostenlose Testung entschlossen haben, bekommt man Unterschiedliches zu hören. Eine Dame, die ebenfalls ihren Namen nicht preisgeben möchte, ist bereits geimpft und geboostert. Dennoch muss sie sich regelmäßig testen lassen, da sie sich noch ehrenamtlich in einem Hospiz engagiert. „Wie in vielen anderen gesundheitlichen Einrichtungen muss man bei uns auch immer einen tagesaktuellen Test vorlegen“, sagt sie. Damit sollen vor allem diejenigen geschützt werden, die ein schwaches Immunsystem vorweisen.

Lieber täglichen Test als Impfung

Ein anderes Beispiel zeigt aber auch, dass die Angebote von Testzentren genutzt werden, um seiner eigentlichen Arbeit nachgehen zu können. So wie der Werkzeugfertiger Nils Aulebach. Er ist weder genesen noch hat er sich impfen lassen – und lehnt dies auch kategorisch ab. „Seit Anbeginn der Pandemie habe ich mich noch nie infiziert, und auch das Masketragen verstehe ich nicht“, gibt er offen zu. Dafür nimmt er in Kauf, dass sein Arbeitgeber jeden Tag einen tagesaktuellen negativen Test vorliegen haben möchte. Zweimal in der Woche kann er sich auf der Arbeit testen lassen, die restlichen Tage kommt er an die Alte Scheuer. Für ihn scheint das kein Problem zu sein.

Ob die Betreiber des Impfzentrums solchen Menschen nicht am liebsten gut zureden möchten, damit sie sich doch noch für eine schützende Impfung entscheiden, die übrigens keine 50 Meter Luftlinie im Bezirksrathaus erhältlich ist? „Darüber wollen wir nicht urteilen. Jeder sollte das für sich selbst entscheiden dürfen“, sagen sie. „Wenn man sich dann aber regelmäßig testen lässt, was auch schon zur Coronabekämpfung beiträgt, finden wir das in Ordnung.“

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