Mit einem Teilabriss haben Bauarbeiter der Firma Rommel den Platz für den neuen Teilhabe-Campus der Diakonie Stetten im Waiblinger Ameisenbühl freigeräumt. Foto: STZN/Diakonie

Mit einer Grundsteinlegung hat die Diakonie Stetten jetzt den Baufortschritt auf dem geplanten Teilhabe-Campus im Waiblinger Gewerbegebiet Ameisenbühl gefeiert. Bis Anfang 2025 soll es hier für fast 350 Menschen mit Behinderungen einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz geben – und eine Mensa für externe Besucher.

Wo einst Gasmuffen und Druckluft-Tüllen produziert worden sind, soll jungen Menschen mit einem Handicap künftig der Weg in den ersten Arbeitsmarkt geebnet werden. Auf einem ehemals von der Firma Eisele genutzten Areal im Herzen des Waiblinger Gewerbegebiets Ameisenbühl wächst derzeit der neue Teilhabe-Campus der Diakonie Stetten aus dem Boden. Hinter dem sperrig klingenden Begriff verbirgt sich der Versuch, zwei bisher getrennte Arbeitsbereiche des Sozialträgers unter einem Dach zusammenzuführen – und mit dem neuen Standort bewusst die Nähe zur realen Arbeitswelt zu suchen.

 

Entstehen soll in den kommenden Monaten eine Produktion mit annähernd 180 Arbeitsplätzen für Menschen mit einer Behinderung oder einer psychischen Erkrankung. Erklärtes Ziel der von der Diakonie getragenen Remstal-Werkstätten ist, die Aufgabenfelder Metall und Montage im Ameisenbühl zu bündeln. Außerdem werden auf dem 8000 Quadratmeter großen Areal in der Hermann-Hess-Straße annähernd 160 betriebsorientierte Ausbildungsplätze für junge Leute mit einem besonderen Förderbedarf geschaffen.

Nach dem Teilabriss im Januar schreiten die Arbeiten planmäßig voran

Als Termin für den Umzug, ursprünglich bereits im Sommer kommenden Jahres vorgesehen, wird mittlerweile der Februar 2025 genannt. Laut Diakonie-Sprecher Steffen Wilhelm kommen die im Januar mit einem Teilabriss der früheren Bestandsgebäude gestarteten Arbeiten für den neuen Teilhabe-Campus allerdings planmäßig voran. Mit der symbolischen Grundsteinlegung konnte in dieser Woche auch ein baulicher Meilenstein für das millionenschwere Vorhaben gefeiert werden. Neben Bauleuten und den Nachbarn nahmen an der Feierstunde auch Vertreter der Agentur für Arbeit und bisherige Geschäftspartner der Remstal-Werkstätten teil.

Schließlich soll sich die Nähe zur realen Arbeitswelt auch im Bereich Metall und Montage in vollen Auftragsbüchern spiegeln. Als Vorbild für das Konzept gilt die Kooperation der Diakonie mit dem Fahrradhandel „Bikes’nBoards“. In dem Waiblinger Geschäftsgebäude hat auch das Berufsbildungswerk eine Fläche für eine Ausbildungswerkstatt angemietet – und will tüchtigen Lehrlingen mit dem Modell auch den Weg in den ersten Arbeitsmarkt erleichtern. Rudolf Leonhardt, Leiter des Sozialamts im Rems-Murr-Kreis, sprach bei der Grundsteinlegung denn auch von einem „lebens- und betriebsnahen“ Angebot. Durch die räumliche Nähe sei es für Menschen mit Behinderung bedeutend leichter, etwa ein Betriebspraktikum antreten zu können.

Auch für die Diakonie war die Planungsphase ein Lernprozess

Pfarrer Rainer Hinzen, als geistiger Vater des Projekts geltender Vorstandsvorsitzender der Diakonie Stetten, sprach bei der Grundsteinlegung ausdrücklich von einem Lernprozess in der Planungsphase. Statt das didaktische Konzept der Berufsausbildung dem Gebäude in der Hermann-Hess-Straße anzupassen, sei die Diakonie den umgekehrten Weg gegangen – und habe durch den Teilabriss die baulichen Voraussetzungen an der geplanten Konzeption ausgerichtet. Waiblingens Oberbürgermeister Sebastian Wolf freute sich bei der Feierstunde nicht nur über die Verankerung der Diakonie in der Stauferstadt, die mit dem neuen Projekt ihre Fortsetzung finde. Der Neubau sei auch ein Zeichen für die Standortvorteile, die Waiblingen durch kurze Wege, gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und direkte Drähte zwischen Unternehmen und der Wirtschaftsförderung der Stadt biete.

Fest eingemauert wurde bei der Grundsteinlegung eine sogenannte Zeitkapsel. In den in der Metallwerkstatt des Berufsbildungswerks gefertigten Zylinder sind neben einer Tageszeitung auch Mitarbeiterfotos und das Diakonie-Leitbild „Für eine Welt, in der niemand mehr ausgegrenzt wird“ gelegt.