In der Taxibranche knirscht es mal wieder gewaltig. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Seit über einem Jahr wollen die Taxiverbände höhere Preise erreichen. Jetzt soll es im Mai so weit sein. Doch der Ärger in der Branche dürfte damit nicht abebben.

Stuttgart - Taxikunden müssen in Stuttgart sowie im Kreis Esslingen bald tiefer in die Tasche greifen. Die Tarife sollen voraussichtlich vom 1. Mai an um durchschnittlich knapp sieben Prozent steigen. Die Behörden in der Landeshauptstadt und im benachbarten Esslingen, die sich wegen des gemeinsamen Flughafens regelmäßig über die Preise abstimmen, haben sich jetzt auf diese Erhöhung geeinigt. Sie fällt moderater aus, als im Antrag der verschiedenen Taxiverbände gefordert. Ursprünglich standen dort bis zu 20 Prozent mehr zur Debatte, zuletzt noch zwölf Prozent.

Über die Forderungen im Antrag hinaus geht die Stadt beim Grundtarif. Der steigt von bisher drei auf künftig 3,50 Euro. Dafür bleibt die Erhöhung für die Fahrtstrecke unter den Wünschen der Verbände. Für den ersten bis vierten Kilometer sind künftig jeweils 2,50 statt 2,40 Euro fällig, für jeden Kilometer danach zwei statt 1,90 Euro. Der Zeittarif steigt von 30 auf 33 Euro pro Stunde. Der Zuschlag für ein Großraumtaxi erhöht sich nicht und bleibt bei sieben Euro. Der von Anfang an umstrittene Zuschlag für speziell umgerüstete Rollstuhltaxis kommt nicht – die Stadt will dafür den Umbau von solchen Fahrzeugen fördern.

Unmut über die Stadt

„Wir können damit leben“, sagt Murat Arslan. Der Vorstandsvorsitzende der Taxi-Auto-Zentrale Stuttgart (Taz), die die meisten Fahrten in der Landeshauptstadt vermittelt und als Genossenschaft den Großteil der Taxiunternehmen vertritt, berichtet aber dennoch von schlechter Stimmung bei den Taxlern. Grund sei der Versuch der Stadt, die Zahl der Fahrzeuge zu reduzieren, wie es ein Gutachten vor einigen Jahren eingefordert hat. In diesem Zuge werden auslaufende Konzessionen genau überprüft. Eine zähe Angelegenheit, weil bei Nichtverlängerung in der Regel geklagt wird. Die Zahl der Fahrzeuge ist deshalb in den vergangenen Jahren kaum gesunken.

„Wir wehren uns mit Händen und Füßen gegen jedes Unrecht dabei“, sagt Arslan. Der Unmut rührt aber nicht nur vom zähen Ringen um die Konzessionsverlängerungen her. Was die Branche enorm stört, ist der ständige Kampf gegen neue Konkurrenten – und die angebliche Inkonsequenz der Stadt beim Umgang damit.

Speziell die Daimler-Tochter Moovel, gegen die die Taz in der Vergangenheit schon erfolgreich gerichtlich zu Felde gezogen ist, löst erneut Ärger aus. Die testet in Stuttgart derzeit den Mitfahrdienst Flex Pilot, bei dem über eine Handy-App Fahrgemeinschaften für eigene Sammeltaxis gebildet werden können. An dem Versuch ist über die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) auch die Stadt beteiligt.

Moovel und Clever Shuttle als Konkurrenten

Zudem drängt offenbar der Mitfahr-Anbieter Clever Shuttle auf den Stuttgarter Markt. Der ist bisher in Berlin, Hamburg , München und Leipzig unterwegs, kündigt auf seiner Internetseite aber bereits eine Ausdehnung nach Stuttgart, Frankfurt und Dresden an. Offenbar sollen in der Landeshauptstadt zunächst 15 Fahrzeuge eingesetzt werden, die ebenfalls per App bestellt und mit anderen Fahrgästen geteilt werden können.

„Wir haben ein Gutachten mit der Aussage, dass das für das örtliche Taxigewerbe existenzgefährdend sein kann“, sagt Arslan. Man habe deshalb gegen beide Modelle Widerspruch eingelegt – wobei offenbar noch unklar ist, ob das in beiden Fällen geht. „Die Stadt macht sich unglaubwürdig, wenn sie einerseits die Zahl der Taxis reduzieren will und gleichzeitig ständig neue Mitbewerber zulässt“, so Arslan.

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