Coach Pellegrino Matarazzo will mit dem VfB Stuttgart im DFB-Pokal bei Bayer Leverkusen überraschen. Foto: Pressefoto Baumann/Cathrin Müller

Der VfB Stuttgart gastiert an diesem Mittwoch im Rahmen des DFB-Pokals bei Bayer Leverkusen. In unserer Taktikanalyse nehmen wir den Bundesligisten unter die Lupe – und zeigen, wo die Chancen des VfB liegen.

Stuttgart - Bayer Leverkusen gehört seit Jahren zum oberen Drittel der Bundesliga – und trotzdem hat man oft den Eindruck, dass die Werkself ihre Möglichkeiten nicht ganz ausschöpft. Für den VfB Stuttgart ist das Aufeinandertreffen im DFB-Pokal am Mittwoch (18.30 Uhr/Liveticker) gleichwohl eine knifflige Aufgabe.

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Peter Bosz hat in Leverkusen seinen typischen laufintensiven Ballbesitz-Stil etabliert: Das Spiel seiner Elf ist geprägt von hohem Pressing und langen Ballbesitzphasen. Verlieren sie den Ball, erobern sie ihn sofort in höchster Intensität zurück. Dadurch lassen sie ihren Gegnern wenig Luft zum Atmen. Folglich hat Leverkusen in der Bundesliga durchschnittlich knapp 60 Prozent Ballbesitz – den zweitmeisten hinter Bayern München.

Tief stehen oder Angriffspressing?

Eine große Frage des Spiels wird sein, wie der VfB dieses Ballbesitzspiel anlaufen will. Entscheidet sich Pellegrino Matarazzo für ein Angriffspressing, fordert er Leverkusens mutiges Aufbauspiel heraus. Hier kann man zwar wertvolle Ballgewinne für Konter erzielen, aber auch empfindlich überspielt werden.

Von Leverkusen überspielt zu werden ist deshalb besonders riskant, weil Bayer über zahlreiche Offensivspieler verfügt, die Geschwindigkeit und Technik auf hohem Niveau vereinen. Daran hat auch der Abgang von Julian Brandt im Sommer nichts geändert. Spieler wie Kevin Volland, Karim Bellarabi oder Moussa Diaby sind schwer zu kontrollieren, da man gegen sie sowohl den Pass in den Fuß als auch den in den Lauf verteidigen muss. Wenn man nun aber im Angriffspressing ins Leere läuft, steht man hinten so offen, dass beides gleichzeitig nicht mehr möglich ist. Und dann knallt es normalerweise.

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Die stabilere Lösung besteht für den VfB also darin, etwas zurückhaltender zu verteidigen, um Leverkusen kein schnelles Offensivspiel zu ermöglichen. Gegen tief stehende Gegner tut sich die Werkself oft schwer. Allerdings macht es diese Strategie auch schwierig, selbst Akzente nach vorne zu setzen. Leverkusen ist nicht mehr so anfällig für Konter, wie sie es unter Bosz mal waren. Die Außenverteidiger halten sich offensiv eher zurück und bilden mit einem oder beiden Sechsern des 4-2-3-1 eine kompakte Fünf-bis-Sechs-Mann-Absicherung. Gegen Bayers Kombination aus Absicherung und Gegenpressing kommt man nach Ballgewinn nur schwer aus der eigenen Hälfte heraus.

Die taktischen Werkzeuge sind da

Deshalb sollte sich der VfB nicht nur auf Konter verlassen, sondern auch eine eigene Ballbesitzstrategie auf die Beine stellen. Der auffälligste Schwachpunkt ist unter Bosz nach wie vor das Verhalten der Abwehrkette. Die orientiert sich aggressiv nach vorne und rückt eng an das Mittelfeld heran. Also ist es wichtig, dass die VfB-Spieler immer wieder die Räume hinter der Abwehr anlaufen und schneller den Pass in die Tiefe spielen als Leverkusen abseits stellen kann. Pässe hinter die Abwehr waren bislang durchaus eine Stärke des VfB. Ein Spielzug wie beim Treffer zum 3:0 gegen den 1. FC Heidenheim könnte zum Beispiel auch gegen Leverkusen funktionieren.

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Die taktischen Werkzeuge sind also da, um die Pokalüberraschung zu schaffen. Doch das kann nur klappen, wenn der VfB sich nicht von Leverkusens individueller Klasse und Dominanz erdrücken lässt. Mal sehen, wie Matarazzos System diesen Härtetest übersteht.

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