Wie viel Tim Walter steck noch in Holstein Kiel? Dieses Thema analysiert Taktikexperte Jonas Bischofberger exklusiv für unsere Redaktion. Foto: StN/Baumann/dpa

Am kommenden Sonntag kommt es zum Aufeinandertreffen zwischen dem VfB Stuttgart und Holstein Kiel. Unser Taktikexperte analysiert, wie viel Tim Walter noch im Kieler Fußball steckt.

Stuttgart - Tim Walter freut sich. Schließlicht steht am kommenden Sonntag (13.30 Uhr, Liveticker) das Wiedersehen mit seinem Ex-Club Holstein Kiel an. Im Sommer wechselte Walter von der Förde an den Neckar. Bei den „Störchen“ arbeitete Walter zwar nur eine Saison lang – doch viele Experten waren sich einig, dass Kiel unter ihm mit den aufregendsten und attraktivsten der letzten Zweitligasaison spielte. Keine Frage, der aktuelle VfB-Trainer hat dort enorme Fußstapfen hinterlassen. Unser Taktikexperte Jonas Bischofberger hat sich die Kieler genau angeschaut und analysiert, wie viel Walter noch in Holstein steckt.

Das Walter-Gen ist noch präsent

Mit seiner außergewöhnlichen Spielidee hat Walter nicht nur den Verein, sondern auch die Spieler bei Holstein Kiel geprägt. Trotz schwerwiegender Abgänge sind den Störchen eine Reihe von Walters damaligen Schlüsselspielern erhalten geblieben. Zwar verzichtet Kiel im Spielaufbau mittlerweile auf ausgiebige Rotationen, doch das Walter-Gen wohnt diesen Spielern noch sichtlich inne.

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Das trifft insbesondere auf die Kieler Innenverteidiger zu. Dominik Schmidt und Kapitän Hauke Wahl bilden unverändert das Pärchen im Defensivzentrum. Wenn die Situation stimmt, lassen sie es sich nicht nehmen, auch mal in den Sechserraum aufzurücken. Möchte Kiel etwa gegen ein hohes Pressing flach aufbauen, rückt einer der Innenverteidiger auf, während sich der benachbarte Außenverteidiger weit fallen lässt. Dadurch entsteht eine Raute, bestehend aus dem Torwart, den beiden Innenverteidigern und dem Außenverteidiger. Diese Rochade ist auch für Tim Walters Fußball typisch.

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Von André Schubert zu Ole Werner

Vor allem unter André Schubert waren gewisse Parallelen zur Walter-Ära erkennbar. Bei seinem Amtsantritt hatte Schubert betont, den typischen Kieler Offensivfußball fortführen zu wollen. Doch im Spiel nach vorne entwickelte die Mannschaft unter Schubert nicht die Schlagkraft, die man von seinen Vorgängern kannte. Auch im Pressing gab es Probleme mit der Kompaktheit und dem Zweikampfverhalten. So wurde Schubert nach einem dürftigen Saisonstart freigestellt.

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Unter Interimscoach Ole Werner ist bislang eine Raute oder ein 4-3-3 das System der Wahl. Gegen den VfB Stuttgart wird für Kiel vor allem das Pressing und ein schnelles Umschaltspiel im Vordergrund stehen. Dazu passt, dass Kiel unter Werner schnellen, tororientierten Fußball spielt. Mit Makana Baku hat sich zuletzt ein Spieler hervorgetan, der von links immer wieder in die Mitte dribbelt. Ein weiterer Schlüsselspieler ist der koreanische Nationalspieler Jae-sung Lee, der die Angreifer durch sein feines Kombinationsspiel miteinander verknüpft.

Ein besonderes Spiel

Offen ist, wie Ole Werner in Stuttgart das Pressing organisieren wird. Gegen das schnelle Vertikalspiel von Jahn Regensburg wollte er den Gegner auf eine Seite lenken und dort aggressiv zuschieben. Als zusätzliche Absicherung gegen Regensburgs lange Bälle bleib einer der Sechser besonders tief. Gut möglich, dass es von Kieler Seite auch gegen den VfB eine spezielle Anpassung geben wird. Für den VfB dürfte es also nicht nur aufgrund Tim Walters Vergangenheit ein besonderes Spiel werden.

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