Blogger Jonas Bischofberger analysiert die Partien des VfB Stuttgart. Foto: Shutterstock/STZN

Taktikblogger Jonas Bischofberger analysiert die VfB-Partie gegen die SpVgg Greuther Fürth und erklärt, warum es bei den Schwaben alles andere als rund lief.

Stuttgart - Es war ein Spiel der Systemwechsel. Nicht nur ging der VfB mit der ungewohnten Fünferkette in die Partie gegen die SpVgg Greuther Fürth, sondern auch während des Spiels wechselten beide Mannschaften gleich mehrmals die Formation. Wie sich herausstellen sollte, kamen die Gastgeber aus Fürth mit ihren Umstellungen deutlich besser zurecht als der VfB: Sie gewannen das Spiel 1:0. Aber der Reihe nach.

– Zu wenig Kollektivität beim VfB

– Stuttgart findet nicht ins neue System

– Fürth mit guten Überladungen

– Kurioser Umstellungswahn in den ersten 20 Minuten

– Fürth bleibt mutig und übersteht so die Schlussphase

Die Fürther unter János Radoki sind aktuell eine der formstärksten Mannschaften der Liga. In den vergangenen Wochen konnten sie unter anderem mit offensivem Kombinationsspiel, aber auch mit der einen oder anderen Pressingvariante auf sich aufmerksam machen. Dazu nutzten sie gerne Formationen mit Fünferkette. Es war also durchaus nachvollziehbar, dass sich Hannes Wolf etwas einfallen lassen wollte, nicht zuletzt weil das übliche 4-1-4-1 gegen Fünferketten nicht ganz so gut funktioniert wie gegen normale Viererketten. Die Wahl fiel schließlich auf ein 3-4-3 oder 5-2-3, wenn man die Flügelverteidiger zur Abwehr dazuzählt. Diese Formation hatte Wolf in der Hinrunde bereits erfolgreich gegen Union Berlin eingesetzt.

Fürths Pressingplan geht auf

Fürth hingegen startete überraschend mit einem klaren 4-2-3-1. Im Pressing bekamen sie damit zunächst eine gute Zuordnung: Die Flügelspieler rückten aufmerksam auf die Stuttgarter Halbverteidiger heraus und blockierten gleichzeitig die Passwege auf Insua und Zimmer. Der Stürmer deckte den zentralen Innenverteidiger, während der Zehner die Doppelsechs zustellte und gelegentlich auf einen der Innenverteidiger durchschob. Hofmann oder Pintér, sowie der ballferne Flügelspieler halfen dann dabei, den Druck auf Stuttgarts Sechser aufrecht zu erhalten.

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Der VfB musste daher früh zu langen Bällen greifen und versuchte, anschließend über das Dreieck Ginczek-Terodde-Mané hinter die Abwehr zu kommen. Terodde und Ginczek konnten mit ihrer körperlichen Präsenz auch den einen oder anderen Ball festmachen, allerdings fehlte es im Anschluss massiv an Aufrückbewegungen von den anderen Positionen. Wohin die Pässe von Mané und Ginczek gehen sollten, war damit entsprechend vorhersehbar. Außerdem führte das fehlende Nachrücken dazu, dass der VfB nach Ballverlust keinen Zugriff auf den Gegner herstellen konnte. Auch auf individueller Ebene lief das Gegenpressing eher träge ab.

Stuttgart unrund

Das geordnete Pressing funktionierte ebenfalls nicht optimal. An vielen Stellen merkte man schlicht, dass die Mechanismen in der neuen Formation noch nicht so flüssig abliefen. Das Herausrücken der Stuttgarter war kaum mal vorausschauend genug, um den Gegner schon bei der Ballannahme zu stören. Zudem arbeiteten die drei Offensivspieler nicht aktiv genug zurück, um das Mittelfeld zu unterstützen, während die Verteidiger zu vorsichtig begannen. Gelegentlich versuchte Gentner dann, alleine herauszurücken, war aber ohne Unterstützung leicht zu überspielen, während Zimmermann den großen Raum vor der Abwehr nicht alleine kontrollieren konnte.

Fürth gelang es dann immer wieder, viel Personal in diese Freiräume zu bringen - sowohl bei den langen Bällen, die sie oft schlugen, als auch bei Kontern. Bevorzugt überluden sie dann die linke Seite mit Zulj, Berisha, Hofmann, Dursun und van den Bergh, während Narey und Pintér als Verlagerungsoptionen bereitstanden. Im Aufrücken waren die Fürther deutlich entschlossener als der VfB und auch spielerisch lösten sie die Situationen immer wieder gut auf. Besonders bemerkenswert war, dass sie sich nicht von den Freiräumen wegdrängen ließen und immer wieder Pässe eng an herannahenden Gegenspielern vorbeispitzelten. So gelang es Fürth besser als anderen Mannschaften, die offenen Räume beim VfB zu bespielen.

Viele Umstellungen

Unmittelbar nach Fürths frühem 1:0 stellte Wolf auf 4-4-2 um. Mané wechselte nach links, Zimmer blieb rechts und Pavard wurde neuer Rechtsverteidiger. Das schien sich erst einmal positiv auszuwirken, da Narey nun von Mané nach hinten gedrückt wurde und Insua dadurch enorme Freiheiten erhielt. Fürth reagierte aber schnell und wechselte nach wenigen Minuten von 4-2-3-1 auf ein stabileres 5-2-1-2, indem sich Narey konstant in die Verteidigung und Berisha in den Sturm einsortierte. Einige Zeigerumdrehungen später machte Wolf seine Umstellung wieder rückgängig, vermutlich aus Stabilitätsgründen, weil der VfB mit einem Innenverteidiger weniger noch anfälliger im Zentrum war als zuvor. Kurz darauf ging auch Narey wieder auf seine ursprüngliche Position zurück und Fürth spielte wieder 4-2-3-1.

Nach dieser eher komplizierten Anfangsphase wurde der VfB aber nach und nach etwas besser. Gentner und die Flügelverteidiger rückten weiter auf und schlossen die Lücke, die sie vorher zu den Stürmern gelassen hatten. Dadurch ergab sich auch automatisch eine sinnvollere Aufgabenteilung der Doppelsechs. Insgesamt liefen die Angriffe aber nicht kollektiv genug ab, selten fanden mehr als zwei oder drei Spieler Anschluss an das Kombinationsspiel. Stattdessen versuchte der VfB mit vielen Leuten den Strafraum zu besetzen und Flanken zu schlagen. Darauf reagierte Fürth aber gut, indem Narey und Berisha auf den Flügeln weit nach hinten arbeiteten und die Außenverteidiger somit bei der Strafraumverteidigung helfen konnten.

Zweite Halbzeit

In der zweiten Hälfte versuchte der VfB eher über Flügelkombinationen nach vorne zu kommen und weniger über die Abläufe innerhalb des Dreiersturms. Daher übernahm mit Brekalo auch ein gelernter Außenspieler die linke Seite. Zudem stärkte Wolf mit Grgic das Aufbauspiel. Es blieb jedoch dabei: Die Dreiecke Insua-Grgic-Brekalo und Zimmer-Gentner-Mané bekamen jeweils zu wenig Unterstützung und waren oft vom Rest der Mannschaft abgeschnitten. Unbeeindruckt vom nach wie vor laschen Stuttgarter Gegenpressing, löste sich Fürth immer wieder mit gut gespielten Kontern aus der Umklammerung und war damit kaum zu dominieren.

Außerdem stellte Fürth ein weiteres Mal passend um. Nach einer Stunde gingen sie vom 4-2-3-1 wieder ins 5-2-1-2 über, wobei die Stürmer sich ein bisschen fallen ließen und bei der Flügelverteidigung halfen. Dadurch stand Fürth in einem 5-4-1 da, welches gut zur Aufbaustruktur des VfB passte: Die beiden Sechser verteidigten die Doppelsechs und Mittel- und Außenstürmer hatten Gleichzahl gegen die Dreierkette.

Die letzte Viertelstunde ging der VfB dann noch einmal Risiko, löste die Dreierkette auf (Kaminski ging mit nach vorne) und schlug lange Bälle. Aber auch das hatte nicht mehr viel Effekt. Fürth wurde nicht ängstlich, sondern spielte mutig und aktiv weiter. Ihre Pressingbemühungen verhinderten, dass der VfB allzu leicht nach vorne kam, während sie im Umschalten und eigenen Ballbesitz nach wie vor kollektiv nachrückten und wichtige Entlastungsangriffe fahren konnten. Die Schlussphase brachte für den VfB nichts mehr ein und das Spiel endete mit einem verdienten Sieg für die wandlungsfähigen und doch gefestigten Gastgeber.

VfB Stuttgart - 2. Bundesliga

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