Die Zimmermänner haben den Hobel im Griff. Foto: /Horst Rudel

Beim verkaufsoffenen Sonntag in Donzdorf betonte der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Göppingen, Alexander Gonzalez, dass die Auftragsbücher weiter voll seien.

Donzdorf - Viele Unternehmen blicken derzeit besorgt in die Zukunft. Experten rechnen damit, dass die Hochphase der vergangenen Jahre zu Ende geht. Die Handwerkerschaft fürchtet sich im Vergleich zur Industrie und Wirtschaft aber nur wenig vor der drohenden Rezession. „Ich kenne keinen Arbeitslosen im Handwerk. Es gibt genug Stellen“, sagte der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Göppingen, Alexander Gonzalez, am Sonntag beim „Tag des Handwerks und der Energie“ im Rahmen des verkaufsoffenen Sonntags in Donzdorf.

Modern und digital

Wenn überhaupt, dann seien es bis jetzt nur Tendenzen einer Rezession, die im Handwerk zu spüren seien. „Aber die sind noch nicht gravierend. Die Auftragsbücher sind nach wie vor voll“, betonte der Geschäftsführer.

Zu beobachten sei vielmehr eine wieder steigende Zahl der Auszubildenden beispielsweise an neuen Berufsschulklassen, die kürzlich in Göppingen oder Geislingen eröffnet worden seien. Zurückzuführen sei das stärkere Interesse der Schulabgänger auch auf die Imagearbeit, die die Handwerker betrieben. Und die Imagearbeit sei auch weiterhin notwendig. Immer noch gebe es viele Klischees über das Handwerk, die oft nicht mehr zutreffend seien. „Das Handwerk ist modern und digital“, betonte Gonzalez. Es werde nicht nur gehobelt, gesägt und geschliffen.

Weniger konjunkturanfällig

Beim Thema Gehalt könne das Handwerk allerdings nicht ganz mit der Industrie mithalten, gab Gonzalez zu. Dafür seien die Arbeitsplätze der Handwerker viel weniger konjunkturanfällig. Hinzu komme, dass die Arbeitsplätze im Handwerk nahezu überall in der Bundesrepublik angeboten würden, während sich die Industrie überwiegend in großen Ballungsgebieten ansiedele.

Eine Auszubildende, die sich für einen Handwerksberuf entschieden hat, ist Lisa-Marie Lang. Die 18-Jährige ist im dritten Lehrjahr zur Stahl- und Betonbauerin und beim „Tag des Handwerks und der Energie“ am Stand der Bauinnung Göppingen präsent. Sie kann bestätigen, dass von einer Rezession in ihrer Branche nichts zu spüren ist. „Jede Baufirma sucht Azubis und Facharbeiter“, berichtete sie.

Konkurrenz Studium

Viele ihrer Altersgenossen zögen einen Bürojob der Arbeit auf dem Bau trotzdem vor, sagt Lang. „Man muss sich manchmal auch die Hände schmutzig machen und das wollen viele nicht“, meinte sie. Dabei könne sie mit ihren Kollegen im Gegensatz zu den meisten Büroberufen am Ende des Tages sehen, was sie geschaffen haben. Das bereite ihr Freude, sagte Lang.

Eine große Konkurrenz für die Ausbildungsberufe ist das Studium. Friseure hätten immer noch Probleme, Auszubildende zu finden, sagte die Obermeisterin der Friseurinnung Göppingen, Christine Messer-Stadlmann. „Viele Eltern denken, dass ihre Kinder studieren müssen“, erklärte sie. Dabei sei der Friseurberuf ein kreatives Handwerk und ein schöner Beruf, der eigentlich aus drei Berufen bestehe. Friseure könnten einerseits kreativ wie Künstler sein, andererseits arbeiteten sie handwerklich und drittens seien Friseure auch so etwas wie Psychologen, erklärte Messer-Stadlmann augenzwinkernd.

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