"Vive la différence!", lesen wir an der Bartheke von Irma la Douce, des neuen Altstadt-Restaurants, das nach der berühmtesten Filmhure der Welt benannt ist. Es lebe der Unterschied!

Von Frankreich lässt sich so manches lernen. "Vive la différence!", lesen wir an der Bartheke von Irma la Douce, des neuen Altstadt-Restaurants, das nach der berühmtesten Filmhure der Welt benannt ist. Es lebe der Unterschied! Zwischen den Nachtclubs Blue Light und Maxim, zwischen alteingessenen Damen, die viel Haut feilbieten, ist Haute Cuisine angekommen.

Gastronom Remo Heine hat mit seinem Café Grand Planie so viel Erfolg, dass er sich an der überwiegend rot leuchtenden Katharinenstraße einen Traum erfüllen konnte. Nicht immer will er nach Frankreich fahren, um Restaurants nach seinem Geschmack zu finden. Nun liegt seine Irma la Douce so nah, für die er Matthias Herrmann gewonnen hat, ehemals Koch im Sterne-Restaurant Zirbelstube. Wer Stuttgarts Altstadt schon abgeschrieben hat, wer glaubte, die Trostlosigkeit schnappe sich wie eine Krake immer mehr von diesem Viertel, hat sich getäuscht. Denn im Leonhardsviertel tun sich spannende Dinge, wofür neben dem Jazzclub Bix nun das neue, sehr aufwändig renovierte Restaurant steht. Diese urbane Vielfalt hat ganz besondere Reize, die eine Stadt zur Großstadt machen, was fast so klingt, als wolle man sagen, einen Jüngling zum Mann.

Weil man den Ort, an dem wir uns befinden, zur Vergnügungsmeile zählt, hat man den flinken und schönen Kellnern im Irma la Douce eingeschärft, zu jedem Gang "Viel Vergnügen!" zu wünschen. Dieser stereotype Ruf hallt von jeder Seite des Lokals und passt gar nicht zu der Individualität, die sonst etwa mit der Einrichtung gepflegt wird. Über anderthalb Jahre hat sich der Umbau in dem denkmalgeschützten Haus hingezogen, immer wieder ist die Eröffnung verschoben worden, weil die Sanierung des Restaurants auf drei Ebenen neben viel Geld vor allem Nerven gekostet hat. Der Aufwand hat sich gelohnt. Das Ambiente mit dem Flugzeugpropeller als gigantischem Ventilator ist der erste Genuss. So schön könnte man auch in Paris sitzen. Als zweiter Genuss kommt Kalbsbries mit Vanille auf Kohlrabi als Amuse Gueule. In einer hochwertigen Küche ist die Auswahl der Karte gering - es gibt sechs Hauptspeisen zu Preisen um 20 Euro.

Als Vorspeise entscheiden wir uns für Blattsalate (7,50 Euro), die sich mit Apfelstückchen als knackig erweisen, sowie für ein tadelloses Mousse von grünem Spargel mit Bachsaibling (13,90 Euro). Das Kalbsrückensteak mit Spätzle (19,80 Euro) zerfällt butterweich auf der Zunge. Der Loup de Mer (19,80 Euro) auf Spinat ist wunderbar kross zubereitet. Die Weinkarte mit rotem Plüschumschlag ist umfangreich, aber dürfte nicht ausreichen, um nach einem Stern zu greifen. Noch zielt das Irma la Douce ja auch nicht nach gastronomischen Ehren, sondern will hohe Qualität zu Preisen unterhalb der Sterne-Küche bieten.

Die Nachbarschaft schaut gespannt zu. Es soll schon Damen geben, die darauf hoffen, dass neue zahlungskräftige Kundschaft angelockt wird, die nicht allein den lukullischen Genüssen erliegt. Im Film ist Irmas bester Kunde Lord X, der nur Karten spielen will. Es reizt, noch öfter mit der Karte der Restaurant-Irma zu spielen.

Irma la Douce, Katharinenstraße 21 b, Stuttgart-Mitte, Telefon 4 70 43 20. Geöffnet von 9.30 bis 23 Uhr (Küche von 17.30 bis 23 Uhr). Kein Ruhetag.

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