Vasiliki Tsiakiridou hat das Le Grek geschmackvoll einrichten lassen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Vasiliki Tsiakiridou und Konstantinos Kyritsis wagen sich mit ihrem dritten Lokal in die Stuttgarter Innenstadt. Die Gäste kommen eher spät.

Stuttgart - Samstagabend, halb acht. Die Innenstadt leert sich so langsam von Einkäufern, und die Clubs in der Theodor-Heuss-Straße schlagen erst zaghaft die Augen auf. Szenevolk ist noch kaum unterwegs, aber Hungrige schon. Wie gut, dass wir reserviert haben, denken wir und betreten erwartungsvoll die Treppe zum Le Grek, das vor ein paar Wochen den Burgerbrater Gigi im ersten Stock des früheren CDU-Hauses beerbt hat. Wie schon bei Gigi gibt es unten Schnelles – Gyros etwa – und oben Anspruchsvolleres.

Das Ehepaar betriebt noch ein Restaurant

Es erwartet uns ein geschmackvoll eingerichteter Raum: helle Eiche, Designermobiliar, eine lange Theke, gemütlich aussehende Tische an der Fensterfassade und ein Raucherseparee, dem das Kunststück gelingt, nicht muffig zu wirken. Der einzige Mensch außer uns aber ist der freundliche Kellner, der uns zum Tisch geleitet. Ausgerechnet mitten im Lokal hat er uns platziert, lässt uns aber auch einen Tisch am Fenster wählen. „Bei Ihnen ist es aber leer“, wundern wir uns. Ja, Griechen essen nun mal spät, sagt der Kellner und berichtet bereitwillig, dass das Le Grek „unser drittes Lokal“ sei: Das Ehepaar Vasiliki Tsiakiridou und Konstantinos Kyritsis betreibt noch ein gleichnamiges Restaurant in Gerlingen und das Deux Greks beim TSV Heumaden.

Der Nachtisch geht aufs Haus

Dass die Stille nicht unbedingt am Essen und schon gar nicht am Service liegt, zeigen die nächsten zwei Stunden, auch wenn der eine Gast schließlich glücklicher aufsteht als der andere. Fein abgestimmt sind die Garides Kolokithi, Gambas in Zucchinifilets mit Knoblauchkruste und frischem Parmesan (10,50 Euro). Und auch die Kalamaria mbeimbi von der Karte mit den Chefempfehlungen, Baby-Calamares mit Kartoffeltatar und Tomaten-Knoblauch-Marmelade (17 Euro) schmecken – die Tintenfische sind innen zart und außen kross, die Marmelade hätten wir anders genannt, aber aromatisch-tomatig ist sie allemal, und das Tatar – ein grober Kartoffelstampf – erdet das Ganze angenehm. Dazu ein Glas des als Hauswein ausgeschenkten, sehr anständigen Agiorgitiko (0,2 Liter 4,50 Euro). Beim Soufflé Lachanikon, Gemüsesoufflé mit verschiedenen Käsesorten und Béchamelcreme (7,50 Euro), weckt dagegen der Name irrige Erwartung. Von der Leichtigkeit eines Soufflés haben die etwas eintönigen Auberginen- und Zucchinischeiben unter Béchamelsoße rein gar nichts. Pfiff – und vor allem Salz – fehlt auch dem optisch sehr ansprechenden Black-Angus-Bifteki mit hausgemachten Kartoffelscheiben, Chefdressing und Guacamole (16,90 Euro). Als wir das beklagen, tut es dem aufmerksamen Kellner sichtlich leid – und er bringt wenig später Nachtisch „aufs Haus“: Joghurt, so fest, dass er sich zu Nocken formen lässt, mit Butterkeksbröseln und Honig. Bodennah und zugleich fein. Ein schöner Abschluss.

Die Bewertung

Küche: 3 von 5 Sternen

Service: 4 Sterne

Ambiente: 4 Sterne

Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Das günstige Lokal um die Ecke wird nach anderen Kriterien bewertet als ein Sternerestaurant. Der Test gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: