Mit einem symbolischen Anschlag feiern Hunderte von Gästen den Start des Tunnel-Rohbaus in Sindelfingen-Darmsheim Foto: factum/Granville

Volksfeststimmung auf der Baustelle der Nordumfahrung Darmsheim. „Auf diesen Tag haben wir lange warten müssen“, sagte der Sindelfinger Oberbürgermeister Bernd Vöhringer am Montag beim Tunnelanschlag vor einigen hundert Gästen.

Sindelfingen - In wenigen Tagen werden die Mineure mit der Sprengungen beginnen, um den geplanten, 458 Meter langen Tunnel herzustellen. Die Arbeit soll voraussichtlich im Januar nächsten Jahres beendet sein. Danach beginnen der Tunnel-Innenausbau und die Straßenbauarbeiten für die insgesamt 1,4 Kilometer langen Nordumfahrung, Sie soll im Mai 2018 für den Verkehr frei gegeben werden. Das Land Baden-Württemberg investiert 31 Millionen Euro.

Der erste Spatenstich war bereits im Jahr 2010 erfolgt. Doch dann verhängte das Land einen Baustopp. Die Kosten waren bis zum Jahr 2008 noch mit 15 Millionen Euro taxiert worden, später waren die Planer jedoch von 33,5 Millionen Euro ausgegangen. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer, die allgemeine Steigerung der Baukosten, aber vor allem die Auslastung der Mineure durch den Baubeginn des Milliardenprojekts Stuttgart 21 hatten das Vorhaben so teuer werden lassen. Nun wird besonders beim Abtransport der rund 100 000 Tonnen Erdaushub gespart, weil man sich mit der angrenzenden Deponie Schäfer einig geworden ist. „Unnötig lange Transportwege fallen weg“, sagte der Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) erfreut.

Während seiner Amtsperiode sei er am häufigsten im Landkreis Böblingen gewesen, um einem Baustart beizuwohnen, erklärte Hermann. Aber das Darmsheimer Projekt sei im Vergleich zu anderen eine schwere Geburt gewesen, räumte er ein.

Der Minister warb zugleich um Verständnis: Für Neubaumaßnahmen habe die Landesregierung lediglich 40 Millionen Euro im Jahr vorgesehen. Denn der Schwerpunkt solle auf die Sanierung und den Erhalt der Straßen gelegt werden. Seit drei Jahren schon sei kein Neubauvorhaben mehr auf den Weg gebracht worden. „Darmsheim hatte Glück“, sagte der Minister“, die Pläne sind bereits vor Jahren eingereicht worden.“ Das Land plane jährlich mit insgesamt 200 Millionen Euro, die zur Verbesserung der Straßen eingesetzt würden.

„Die Darmsheimer haben viele Jahre lang eine Eselsgeduld gebraucht“, unterstrich der Landrat Roland Bernhard. Nun sei es endlich an der Zeit, die alte Ortsdurchfahrt vom Verkehr zu entlasten. Über die neue Umfahrung sollen täglich rund 13 000 Fahrzeuge rollen. „Die Trasse dient nicht nur zur Verbesserung der Lebenqualität für den Ort. Sie nimmt auch den Verkehr aus dem Schwarzwald auf“, betonte Bernhard. Deshalb sei es legitim, dass die neue Achse geschaffen werde. „Unser Landkreis ist der Kreis im Land mit dem höchsten Verkehrsdruck“, erklärte der Landrat. Aber auch als Wirtschaftsstandort sei der Kreis Böblingen Spitze.

„Wir brauchen deshalb nicht als Bittsteller auftreten. Das Interesse in der Region ist groß, nicht ständig im Stau zu stehen.“ Allerdings dürfe man sich im Landkreis auch nichts vormachen: „Angesichts der finanziellen Lage ist das hier wohl die letzte Umfahrung, die bei uns gebaut wird“, sagte der Landrat. Der Sindelfinger Oberbürgermeister versprach den zahlreich erschienenen Darmsheimer Bürgern, zeitnah für eine Umgestaltung des Ortskerns zu sorgen. „Jetzt ist es absehbar, dass es bald weniger Lärm und Abgase gibt.“

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