Schon lange gab es parteiinterne Kritik an Birgit Homburger. Nun tritt die Chefin der Südwest-FDP ab. Foto: dpa

Nach dem angekündigten Rückzug von Birgit Homburger als FDP-Landeschefin gibt es zwei Interessenten für die Nachfolge: Michael Theurer und Hans-Ulrich Rülke.

Stuttgart - Nach dem angekündigten Rückzug von Birgit Homburger als FDP-Landesvorsitzende gibt es zwei Interessenten für die Nachfolge. Dies seien FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke und der FDP-Europaabgeordnete Michael Theurer, sagte Homburger am Dienstag in Stuttgart. Es gebe aber noch keine Entscheidung. Beide wollten zunächst in die Partei hineinhören.

Nach dem Debakel bei der Bundestagswahl soll die Südwest-FDP neu aufgebaut werden. Die Parteibasis soll mit vier Regionalkonferenzen eingebunden werden. Homburger hatte am Montagabend erklärt, beim Parteitag Anfang November nicht wieder für den Landesvorsitz antreten zu wollen.

Sie habe diese Entscheidung für sich bereits vor einiger Zeit getroffen, mit Rücksicht auf die Bundestagswahl aber erst jetzt mitgeteilt, sagte die Landeschefin weiter.

Homburger: Brenne weiter für die liberale Sache

Sie selbst brenne nach wie vor für die liberale Sache und werde sich im Kreis- und im Bezirksverband der FDP engagieren und - wenn sie gefragt werde - auch mit Rat und Tat weiterhin zur Seite stehen. „Die liberale Partei muss überleben“, sagte die 48-jährige Badenerin. Sonst hätten viele Menschen keine politische Heimat mehr. Sie wolle aber definitiv nicht mehr für ein Amt in einem FDP-Bundesgremium kandidieren. Beruflich wolle sie etwas anderes machen, sagte Homburger, ohne konkret zu werden.

Bei der Landesvorstandssitzung am Montagabend ermunterte Homburger die Parteimitglieder, nicht aufzugeben. „Wir müssen jetzt schauen, wie wir aus der Lage wieder rauskommen. Ich verstehe alle, die frustriert sind. Ich verstehe alle, die traurig sind. Nur: Da müssen wir jetzt drüber weg“, sagte sie auch mit Blick auf die anstehenden Kommunal- und Europawahlen im kommenden Jahr und die Landtagswahl 2016. Die Südwest-FDP hatte am Sonntag ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl eingefahren. Wegen des miesen Ergebnisses auch im Bund ist die FDP nicht im nächsten Bundestag vertreten.

Harsche Kritik von der Parteijugend

Homburger saß seit 1990 für die FDP im Bundestag - seit 2004 war sie Vorsitzende des Landesverbandes. Kritiker hatten schon seit längerem angeführt, dass Homburger der Südwest-FDP keinen frischen Wind mehr verleihen könne.

Unter anderem hatten die Jungen Liberalen nach dem Desaster bei der Bundestagswahl einen Neuanfang bei der FDP im Südwesten verlangt. Juli-Landeschef Sebastian Gratz sagte am Montagabend dem SWR vor der Vorstandssitzung: „Mit Frau Homburger ist es ein bisschen so wie mit der Titanic: Im Prinzip ein gutes Schiff. Aber wenn sie auf den Wähler trifft, geht sie unter.“

Der EU-Politiker Theurer war bereits im Mai 2011 gegen Homburger angetreten, hatte aber knapp verloren. Nun erklärte er: „Falls die Mitglieder es wünschen, wäre ich bereit, neben meinem Amt als Europaabgeordneter und Vorsitzender des Haushaltskontrollausschusses des europäischen Parlamentes, Verantwortung an der Spitze des Landesverbandes der FDP zu übernehmen.“ Dies müsse jetzt mit den Mitgliedern besprochen werden.

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