Von der Walker Bay aus kann man von Juli bis Dezember Wale beobachten. Foto: Wyrwoll

Die Garden Route an der südafrikanischen Ostküste ist ein Touristenmagnet - und trotzdem fühlt man sich mitunter ganz allein inmitten des Zusammenspiels aus Pflanzen, Steilfelsen, blauem Himmel und dem Indischen Ozean.

Kapstadt - Beim Stichwort Garden Route fühlen sich Europäer an englische Parks und Gärten erinnert. Doch die Bezeichnung für die Garden Route an der Ostküste Südafrikas ist historisch zu verstehen und hat wenig mit üppigen englischen Parklandschaften zu tun: Für die ersten Europäer, die nach Südafrika kamen, war dieses Gebiet im Vergleich zum Binnenland und das, was die Segler auf der Anreise entlang der Küste gesehen haben, so herrlich fruchtbar und kräftig in den Farben, dass sie es tatsächlich als Garten empfanden, erklärt Touristenführer Mario Febbraio. Am üppigsten ist die Vegetation im März, wenn die kunterbunten Nadelkissen-Proteen und Erika blühen. Das Klima ist mediterran, und aus den Bergen fließt viel Wasser in Richtung der Küste. Die Garden Route beginnt bei Mossel Bay im Osten und endet an der Mündung des Storms River in der Tsitssikamma-Region. Die Route führt auf 220 Kilometern die Nationalstraße N 2 entlang. Wer die Küstenstraße weiterfährt, gelangt nach Port Elizabeth und passiert die Grenze zum Nachbarland Mosambik.


Es gibt über 900 verschiedene Fynbos

Bereits nachdem man das Einzugsgebiet von Kapstadt verlassen und die Weinberge durchquert hat, wird deutlich, warum diese Region den Siedlern wie ein Garten Eden vorkam - und das, obwohl die offizielle Garden Route noch gar nicht begonnen hat. Das Spiel aus dem tiefen Blau des Meeres und dem satten Grün der Vegetation lässt erahnen, warum die Küste Südafrikas ein Touristenmagnet ist. Und trotzdem ist der Verkehr überschaubar, und an den vielen Aussichtspunkten ist man ganz allein mit sich und dem besonderen Panorama. Die Felsklippen sind überzogen von kleinen Büschen. Die Fynbos, wie die Büsche auf Afrikaans heißen, haben kleine Blätter und ähneln den japanischen Bonsai. „Es gibt über 900 verschiedene Fynbos“, sagt Mario Febbraio. Übersetzen kann man Fynbos mit „feingliedriges Gebüsch“. Durch den starken Wind vom Meer und das Salz in der Luft wachsen sie nur sehr langsam und immer nah am Boden. Durch ein Meer aus Fynbos gelangt man nach Hermanus, gut 100 Kilometer östlich von Kapstadt.


Der Ort wurde 1830 gegründet, weil es dort eine Süßwasserquelle gibt. 60 Jahre später wurde das erste Hotel eröffnet und auch heute ist das Städtchen ein beliebter Ferienort. „Um Wale zu beobachten, kann man sich einfach auf die Felsen setzen und in die Walker Bay hinausblicken“, sagt Febbraio. Die beste Zeit dafür ist von Juli bis Dezember. Dann kommen Glatt- und Buckelwale in die Bucht, um sich zu paaren und ihre Kälber auf die Welt zu bringen. Weniger friedliebend sind die Haie, die sich auch in der Bucht tummeln. Surfer bezahlen extra jemanden, der Ausschau nach den Tieren hält, damit sie ungestört auf den Wellen reiten können. Zehn Euro pro Stunde ist den Surfern ihre Sicherheit wert. Ob das viel oder wenig sei, möchte Mario Febbraio lieber nicht beurteilen. Der Küstenverlauf gibt die Route vor in Richtung Mossel Bay. Früher ankerten Fischer in der „Muschelbucht“, um Frischwasser aufzunehmen.


Die letzte Station auf der Reise ist Knysna

Ein mächtiger Eisenbaum im Ort diente den Seemännern als Postamt: Wenn sie in Mossel Bay Station machten, deponierten sie am Baum ihre Briefe. Besatzungen, die in die andere Richtung fuhren, nahmen die Post mit. Heute ist die Stadt ein beliebter Ferienort, besonders wegen der Strände. „Ein besseres und moderateres Klima gibt es nur auf Hawaii“, sagt Febbraio. Mutige, die im Gegensatz zu den Surfern gerne mal einem Hai in die Augen schauen wollen, können in Mossel Bay beim „Shark cave diving“ in einem Käfig geschützt in die Tiefe tauchen. Die letzte Station auf der Reise entlang der Küste ist Knysna. Die Stadt liegt an einer tief ins Land ragenden Lagune. Im 19. Jahrhundert war Knysna bekannt als ein Ort, an den man nur schwer gelangen konnte, erzählt Febbraio. Denn die Bucht ist nur durch eine schmale, 250 Meter breite Einfahrt mit den zwei markanten Felsen, den „Knysna Heads“, mit dem Indischen Ozean verbunden. „Die Seefahrer mussten den richtigen Moment abpassen, um in die Lagune zu gelangen, um nicht an den Felsen zu zerschellen“, sagt er. Reichtum erlangte der Ort später durch den Handel mit Holz.


Das günstige Klima hilft auch der Land- und Forstwirtschaft. Bereits die Holländisch-Ostindische Kompanie holzte Ende des 18. Jahrhunderts die Wälder großflächig ab. Um Transportkosten zu sparen, wurde in Knysna 1809 ein Ausfuhrhafen gebaut. Heute lebt die Stadt vom Tourismus. Viele Südafrikaner verbringen dort ihre Ferien. „Fast jeder hier vermietet Zimmer oder hat ein Gästehaus“, sagt Febbraio. Das Leben spielt sich rund um die Lagune ab. An der Waterfront, der Uferpromenade, gibt es Geschäfte und Restaurants. Wer sich bis jetzt nicht getraut hat, Wassersport auszuprobieren, kann das in Knysna tun. Denn die Lagune bietet Schutz vor rauer See und starkem Wind. Feinschmecker zieht es an die Lagune wegen der Austern - nicht nur zum jährlichen Oyster-Festival. „Wer noch nie Austern gegessen hat, muss hier welche probieren“, sagt Mario Febbraio. Für ihn sind es die besten der Welt. Wo auch sonst, wenn nicht im Garten Eden.

Infos zu Südafrika

Südafrika

Anreise
Nach Kapstadt direkt fliegt Lufthansa von München aus. Ein Hin- und Rückflug kostet zwischen 1000 und 1500 Euro ( www.lufthansa.com ). Wer einen Zwischenstopp mit Übernachtung einlegen will, kann mit Emirates von Frankfurt oder München über Dubai nach Kapstadt oder Johannesburg fliegen. Flüge in der Economy-Class kosten 800 Euro ( www.emirates.com/de ).

Unterkunft
Bei einem Zwischenstopp in Dubai gibt es zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten. Wer es teuer und besonders mag, schläft im Waldorf Astoria. Das Hotel liegt auf der künstlichen Insel Palm Island
( http://waldorfastoria3.hilton.com ). Im Zentrum der Stadt mit einem Garten auf der Dachterrasse liegt das Conrad Dubai. In beiden Hotels kann man sehr gut essen ( www.conraddubai.com ).
In Kapstadt ist das Hilton Kapstadt eine gute Ausgangsmöglichkeit, um die Stadt zu erkunden ( www.hiltonhotels.de ). Entlang der Garden Route gibt es verschiedene Bed & Breakfast. Ob ein Zimmer frei ist, erkennt man am Schild vor der Tür. Für alle Golfer lohnt sich eine Übernachtung im Conrad Pezula Resort & Spa in Knysna. Vom Golfplatz aus hat man einen tollen Blick auf die Lagune und den Indischen Ozean. Mit etwas Glück kann man sogar Wale sehen. Entlang der Küste gibt es verschiedene Aussichtspunkte, um Wale zu beobachten. Mit verschiedenen Anbietern kann zum Beobachten der Tiere aufs Meer hinausfahren. Die beste Zeit dafür ist von Juli bis Dezember. www.placeshilton.com/pezula

Allgemeine Informationen
Südafrikanisches Fremdenverkehrsamt www.dein-suedafrika.de
Deutsche Staatsangehörige benötigen für die Einreise in Südafrika einen Reisepass, der noch mindestens 30 Tage über die Reise hinaus gültig sein muss. Das Auswärtige Amt empfiehlt die Standardimpfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Polio, Mumps, Masern, Influenza und als Reiseimpfungen Hepatitis A und Typhus. Je nach Reiseziel ist auch eine Malaria-Prophylaxe erforderlich. Südafrika verzeichnet im Vergleich zu Deutschland eine hohe Kriminalitätsrate. Zur eigenen Sicherheit empfiehlt das Auswärtige Amt, die Innenstädte von Kapstadt und Johannesburg bei Nacht zu meiden und Townships nur im Rahmen einer geführten Tour zu besuchen. Währung ist der südafrikanische Rand (ZAR). Zehn Euro sind umgerechnet 153 ZAR.
Weitere Informationen gibt es im Netz unter www.southafrica.net

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