In vier Monaten beginnt in Südafrika die Fußballweltmeisterschaft. Afrika begrüßt die Welt bei sich.

Das Plakat am Flughafen in Kapstadt ist nicht zu übersehen – geschätzte 20 Meter breit und fünf Meter hoch, darauf steht "Welcome to the world". Darunter das Emblem des Weltfußballverbandes Fifa, daneben ein Foto von zwei frenetisch feiernden Fans. Auch auf dem Weg hinein in die Stadt gibt es Dutzende Hinweise auf die Weltmeisterschaft, die ab 11.Juni für vier Wochen erstmals auf dem afrikanischen Kontinent stattfindet. Souvenirhändler verkaufen T-Shirts und Schildmützen mit dem Emblem des Worldcup. "Fußball ist für uns so wichtig wie Lebensmittel", sagt der Taxifahrer.

Kein Zweifel: Diese Stadt, die so europäisch ist, dass sie eigentlich gar nicht in Afrika liegen kann, fiebert dem Großereignis entgegen. Acht Spiele werden hier ausgetragen. Überall wird noch gebaut, doch hier und da geht das Geld aus. Mitten in der Stadt endet eine Autobahnausfahrt im Nichts. Auch die für die WM angelegte rote Spur namens "Rapid Traffic System" – eine Art Schnellfahrstreifen für die Wichtigen und weniger Wichtigen – dürfte unvollendet bleiben. Erstens fehlen die Mittel, zweitens drohen die Taxifahrer schon mit einer Blockade.

So mischt sich in die Vorfreude auf das Großereignis bei den Städtern auch eine Portion Skepsis. Zum Beispiel bei jenen Schwarzen, die gerne an den Straßen ihren selbst gemachten Schmuck verkaufen würden, wenn die Gäste vom Bahnhof zum Stadion am Atlantischen Ozean pilgern werden. Aber sie dürfen nicht, die Fifa hat eine Art Bannmeile gezogen. "Diese Leute denken zu europäisch, das hier ist Afrika", beklagt sich ein Händler.

Aber nur eine Autostunde entfernt draußen vor der Stadt ist von der bevorstehenden WM nichts zu spüren, nichts zu sehen, nichts zu hören. Atemberaubende Natur, unendliche Weiten, klare Luft, beeindruckendes Licht. Nur kleine Hinweisschilder mit dem Fifa-Emblem an manchen Hotels machen klar, dass die Fußballfamilie hier zum Übernachten erwartet wird. "Alle unsere elf Zimmer sind geblockt", sagt die junge Frau in der idyllisch gelegenen Whale Rock Lodge in Hermanus, gut 150 Kilometer außerhalb von Kapstadt. Welche Gäste sie bekommen wird, weiß sie nicht. Nur dass sie mit Einnahmen rechnen kann. Und darüber sind viele Hoteliers froh. "Die WM findet statt, wenn bei uns Winter ist. Da ist sonst nichts los." So wächst die Hoffnung, wonach die WM das Tourismusgeschäft nicht nur kurzfristig, sondern dauerhaft ankurbeln wird und die Menschen ein zweites, drittes Mal kommen.

Dabei gehört die Garden Route – jener Küstenstreifen zwischen Kapstadt und Port Elizabeth – ohnehin zu den beliebtesten Reisezielen der Welt. Beispiel Knysna, die Lagunenstadt, umgeben von Bergen und Wäldern. Wenn sich der Himmel glutrot färbt und in einem der Restaurants direkt am Wasser der frische Fisch serviert wird, ist das Thema WM plötzlich weit weg – obwohl in der Nähe manches Team Quartier beziehen wird.

Auch 100 Kilometer weiter hofft mancher, ein bisschen vom großen Kuchen namens Worldcup abzubekommen. Dustin zum Beispiel. Er hat einen Händedruck wie ein Schraubstock, lacht gern, erzählt viel und ist Hausherr im Misty Mountain Reserve, einer kleinen Oase mit einem Dutzend Ferienhäusern im Tsitsikamma Nationalpark. Dieser 80 Kilometer lange Küstenstreifen am Indischen Ozean ist Natur pur und besitzt eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt mit 800 Jahre alten Yellowwood-Bäumen. Wer zu Dustin will, braucht gute Nerven oder besser gesagt: gute Reifen. Von der Hauptstraße führt nur eine Schlaglochschotterpiste zur Ferienanlage. Bis zur WM soll es zwar eine richtige Straße geben. Aber wer einmal dort war, würde die Bagger und den Teerwagen gerne umleiten, weil dort draußen nur das Rauschen des Meeres und das Säuseln des Windes zu hören ist, wenn man auf der Terrasse sitzt. "Wenn die Straße nicht fertig wird, holen wir die Gäste halt mit dem Hubschrauber", sagt Dustin und lacht.

Kein Zweifel: Für die WM wird in diesem Land alles möglich gemacht. Der Werbewert gilt als unschätzbar – auch wenn sich viele der 40 Millionen Südafrikaner die Ticketpreise zwischen 13 und 100 Euro kaum leisten können und die Spiele allenfalls im Fernsehen oder in den Fan-Zonen anschauen werden. Andere wiederum halten das Spektakel für überzogen und überteuert. "In diesem Land fehlt es an Bildungsstätten, an guten Krankenhäusern und an der Infrastruktur", sagte eine Lederhändlerin in der Straußenzucht-Hochburg Oudtshoorn.

Aber auch sie weiß, dass die weltweite Berichterstattung dem Land eine neue Aufmerksamkeit bescheren wird. "Wer einmal hier war, kommt wieder", bestätigt ihr Kollege im Laden nebenan. Denn Südafrika macht süchtig. Auch ohne Fußball-WM.

Südafrika

Preise
Die Landeswährung ist der südafrikanische Rand. 10 Rand entsprechen etwa 1 Euro. Wer mit dem Leihwagen unterwegs ist, sollte ausreichend Bargeld dabeihaben, da viele Tankstellen keine europäischen Kreditkarten akzeptieren. In Kapstadt kostet: Sandwich 2,50 Euro Kleines Bier 1,50 Euro Ein Glas Wein 2,00 Euro

Anreise
Viele Fluglinien, darunter Lufthansa, South African Airways und Swiss, bieten Direktflüge von Frankfurt, München und Zürich nach Kapstadt an; Dauer circa neun bis zehn Stunden. Preisgünstigere Umsteigeflüge gibt es zum Beispiel bei KLM (über Amsterdam) und British Airways (über London). Für die Einreise reicht ein Reisepass.

Individuell unterwegs
Eine Reise auf der Garden Route ist für Individualreisende gut geeignet, wer sich einen Mietwagen nimmt, muss auf Linksverkehr gefasst sein. In der Hochsaison (Dezember bis Februar) ist es ratsam, ein Quartier vorzubuchen, Infos auf www.dein-suedafrika.de. Das Kariega Game Reserve ist buchbar über www.kariega.co.za.

Reisezeit
Der europäische Winter ist der Sommer in Südafrika, das Klima entlang der Garden Route ist dann angenehm und meist trocken, die Temperaturen liegen im Schnitt bei 20 bis 25 Grad Celsius. Positiv ist, dass die Zeitverschiebung nur eine Stunde beträgt. Was Sie tun und lassen sollten Auf keinen Fall die wilden Affen entlang der Straße füttern (sind bissig), nicht mittags auf den Tafelberg fahren (lange Warteschlangen). Auf jeden Fall in Kapstadt einen Bummel durch das Geschäfts-und Restaurantviertel an der Waterfront machen, die Kap-Halbinsel umrunden und eine Weinprobe in einem der vielen Weingüter genießen.

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