Um das Gültige ringende Theatermann: Armin Petras Foto: dpa

Nicht die strittigen Fragen rund um die Generalsanierung des Stuttgarter Opernhauses bestimmten am Montag die Sitzung des Verwaltungsrates des Staatstheaters, sondern eine Personalie: Schauspiel-Intendant Armin Petras wird Stuttgart 2018 vorzeitig verlassen. Ein Verlust, findet StN-Titelautor Nikolai B. Forstbauer.

Stuttgart - Er kam, sah und siegte. 2013 begeisterte ­Armin Petras, zuvor Lenker des Gorki-Theaters in Berlin, das Stuttgarter Publikum. 145 000 Besucher kamen, um die neue Lust am Schauspielertheater zu teilen, um die Charakterköpfe um Edgar Selge und ­Peter Kurth zu sehen. Dass Petras mit weitgehend fertigen Produktionen kam, registrierte man selbst unter Kritikern eher nebenbei.

Der Auftakteuphorie folgte eine schwache zweite Saison

Bei aller Begeisterung aber ist gerade das Stuttgarter Schauspielpublikum immer auch im besten Sinn aufmerksam. Und die feinen Antennen meldeten für die zweite Saison bald ein Gefühl, das man gar nicht mag – das Gefühl, dass sich das Stuttgarter Schauspiel im Glanz des ersten Petras-Jahres zu sehr sonne, die präzise Detailarbeit vermissen lasse. Petras reagierte, investierte, beflügelt vielleicht auch durch eine vorzeitige Verlängerung seines bis 2018 laufenden Vertrages bis 2021, viel in seine dritte Saison – und verlor. Zuschauer vor allem 115 000 wurden 2015/2016 noch gezählt, die Auslastung sank auf 74 Prozent. Hatte man sich vielleicht doch getäuscht? Der Auftakt der neuen, der vierten Schauspiel-Saison unter Leitung von Armin Petras, brachte zwar ­tatsächlich wieder mehr Zuschauer, überzeugte aber auch unsere Kritikerin nicht. Und doch kam am Montag die Nachricht, dass sich Arnin Petras zum 31. August 2018 – und damit vorzeitig – aus Stuttgart zurückzieht. „Die Entscheidung, um eine vorzeitige Beendigung meines Vertrages zu bitten“, sagte Petras am Montag nach der Staatstheater-Verwaltungsratssitzung in einer kurzen Presserunde, „ist mir schwer gefallen, war aber unvermeidlich. Es handelt sich um persönliche und familiäre Gründe, die meine ganze Aufmerksamkeit erfordern werden.“

Finale mit Pollesch, Kimmig und Peymann

Theresia Bauer, Baden-Württembergs ­Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst, zeigte sich am Montag ruhig wie man sie kennt. „Ich bedaure sehr, dass Armin ­Petras seine Intendanz in Stuttgart vorzeitig beenden möchte“, sagte sie, „respektiere aber seine Gründe. Ich danke ihm umso mehr, dass er seinen Vertrag nicht kurzfristig beenden will, sondern gemeinsam mit seinem hervorragenden Ensemble die begonnenen Vorhaben bis August 2018 realisieren und zum Abschluss bringen wird.“

Und so soll das Finale aussehen: René ­Pollesch wird eine Uraufführung beisteuern, Stephan Kimmig wird „Faust“ inszenieren, und der in Stuttgart auf eigene Art unvergessene Claus Peymann „King Lear“.

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