Hohe Dunkelziffer: Wenn es gekracht hat, will keiner mit dem Handy herumgespielt haben Foto: dpa

Die Stuttgarter Polizei kann nach eigenen Angaben nicht mehr so viele Verkehrskontrollen machen wie gewünscht. Das hat Folgen.

Stuttgart - Wer beim Autofahren sein Handy in die Hand nimmt und dabei erwischt wird, soll nach dem Willen von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) künftig härter bestraft werden: Das Bußgeld soll von 60 auf 100 Euro angehoben werden. Wie bisher schon gibt es zudem einen Punkt in der Flensburger Verkehrssünderdatei.

Wichtiger als höhere Bußgelder sei aber eine verstärkte Kontrolle des Handyverbots. Dies sagte Dobrindts Sprecher in einem Interview Anfang des Jahres. Die Länder müssten ihre Kontrollen verstärken und die bestehenden Möglichkeiten zur Ahndung von Verkehrssündern auch ausschöpfen. Denn Handyverstöße am Steuer sind ein sogenanntes Kontrolldelikt: Je mehr die Polizei kontrolliert, desto stärker steigen die Deliktzahlen.

Landesweite Zunahme an Verstößen

Landesweit hat Baden-Württembergs Polizei sich diesbezüglich nichts vorzuwerfen. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der festgestellten Handyverstöße (wie schon im Vorjahr) landesweit um rund 31 Prozent an. Angesichts der unguten Entwicklung in diesem Bereich setze man inzwischen hier einen Schwerpunkt, so ein Sprecher von Innenminister Thomas Strobl (CDU). Es habe diesbezüglich 2016 sogar zwei Schwerpunktwochen gegeben. Der Anstieg in absoluten Zahlen ist beeindruckend: 2014 ahndete die Polizei 34 368 Handyverstöße. Im vergangenen Jahr waren es bereits 58 866.

Stuttgarts Polizei kann nicht mehr

Auch die Stuttgarter Polizei kann stark ansteigende Zahlen vorweisen – allerdings nur bis zum vorletzten Jahr. 2015 ahndete man in der Landeshauptstadt 5936 Verstöße gegen das Handyverbot – ein Plus von 68 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Vergangenes Jahr sah es allerdings anders aus.

2016 ging die Zahl der geahndeten Verstöße in Stuttgart – entgegen dem Landestrend – erstmals zurück, und zwar um 6,5 Prozent. Der Sprecher des Stuttgarter Polizeipräsidiums, Stefan Keilbach, führt dies auf die vielen anderen Aufgaben zurück, die die Polizei hier zu leisten habe. „Da sieht man halt, wie belastet die Stuttgarter Polizei mit anderen Dingen ist“, sagt er. Damit meint er Dinge, die es im ländlichen Raum so nicht gibt oder die Polizei nicht so sehr beschäftigen: unter anderem den verstärkten Objektschutz bei erhöhter Terrorwarnstufe, das Konzept sichere Innenstadt, für das rund 70 Beamte jeden Tag eingesetzt würden, und zum Beispiel das Frühlingsfest, das Volksfest, diverse Demos oder der beliebte Weihnachtsmarkt in der Innenstadt. „Irgendwo müssen die Polizisten herkommen, die diese Veranstaltungen bewachen“, sagt Keilbach. „Phasenweise kommen wir dann halt nicht mehr zu den grundsätzlich wünschenswerten Verkehrskontrollen.“ Im Grunde müsse man sagen, dass der Rückgang bei den erfassten Handyverstößen angesichts der Umstände gar nicht mal so groß sei.

Auch Blitzer-Fotos werden ausgewertet

Die Bußgeldstelle der Stadt hat 2016 übrigens rund 800 mehr Handyverstöße in der Stadt geahndet als von der Polizei gemeldet. Dies liegt daran, dass die Stadt auch Fotos ihrer stationären Blitzer daraufhin auswertet, ob jemand beim Fahren an seinem Handy rummacht. Wenn ja, kriegt er entsprechend einen weiteren Bußgeldbescheid.

Ohne Beweisfoto gibt kaum ein Fahrer einen Handyverstoß zu. Laut Polizeisprecher Keilbach hat man 2016 rund 9200 Verkehrsunfälle ausgewertet. Nur bei neun Unfällen war angeblich ein Handy als Unfallursache mit im Spiel. Dies liegt auch daran, dass die Polizei das Handy eines Unfallverursachers nur bei einem heftigen Unfall mit einem Schwerverletzten auswerten darf. http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.unfallbilanz-weniger-tote-im-strassenverkehr-in-2016.ead31861-5ccf-49b5-a02d-5e45e91fe217.html http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.handys-im-strassenverkehr-wann-autofahrer-das-handy-benutzen-duerfen.ab7337f5-ab9c-41dd-b351-4ac994f461cb.html

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