Er spielt für den SGV Freiberg. Noch. Denn im Sommer wechselt Flamur Berisha vom SGV Freiberg zu den Stuttgarter Kickers. Wie geht der Offensivmann vor dem Oberliga-Spitzenspiel am Mittwoch mit dieser brisanten Situation um?
Stuttgart - Es sprudelt nicht gerade aus Flamur Berisha heraus, wenn er auf dieses Spiel angesprochen wird. Das Fußball-Oberliga-Topduell zwischen den Stuttgarter Kickers und dem punktgleichen Tabellenführer SGV Freiberg (Mittwoch, 19 Uhr/Gazi-Stadion) ist ja ohnehin schon brisant genug. Doch für den Offensivmann des SGV hat es eben eine ganz besonders pikante Note. Der 22-Jährige wechselt im Sommer von Freiberg nach Degerloch. Er könnte seinem künftigen Club also im Aufstiegsrennen in Richtung Regionalliga schaden – und damit irgendwie auch sich selbst.
Wenig Spielanteile
Wie er die etwas knifflige Lage einschätzt? „Wenn ich gebraucht werde, bin ich da“, sagt Berisha im Stil eines abgebrühten Profis. Das ist in dieser Saison beim SGV allerdings nicht oft der Fall. Meistens drückte er die Bank, insgesamt kam er unter Trainer Evangelos Sbonias in der Oberliga bisher nur auf 223 Spielminuten, ohne dabei ein Tor zu erzielen. In der vergangenen Saison hatte der gebürtige Tuttlinger noch einen Stammplatz. „Ich hänge mich in jedem Training rein, mir bleibt nichts anderes übrig, als mich immer wieder anzubieten“, sagt er zu der für ihn wenig befriedigenden Situation. Warum er so wenig spielt, kann er sich nicht so richtig erklären. Der Sportliche Leiter Marco Grüttner sagt: „Flamur ist ein super Junge, hat sich nichts zu Schulden kommen lassen. Er ruft sein Potenzial leider nicht so ab wie wir es uns vorstellen, darunter leidet sein Selbstvertrauen.“
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Der pfeilschnelle, technisch starke Berisha, der am liebsten mit viel Dynamik auf der linken offensive Seite wirbelt, spielte in der Jugend für den FC Radolfzell und galt als vielversprechendstes Talent in der Region. In seinem zweiten aktiven Jahr wechselte er zu Oberligist FC 08 Villingen und schlug sehr gut ein. In 20 Spielen in der Saison 2019/20 erzielte er fünf Tore. Auch damals hatten die Kickers schon Interesse an ihm, doch der SGV Freiberg machte das Rennen.
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Im zweiten Anlauf klappt es nun mit dem Wechsel zu den Blauen. Schon in der Winterpause wollte ihn der neue Sportdirektor Marc Stein vom SGV loseisen. Doch der vorzeitige Transfer scheiterte. „Die Kickers haben sich sehr um mich bemüht. Und da ich mit meinen Spielanteilen nicht zufrieden bin, wäre ich gerne schon im Winter gekommen, doch die Vereine konnten sich nicht einigen. Jetzt freue ich mich auf den Wechsel im Sommer“, sagt der Fan des FC Barcelona, dessen Mutter Deutsche ist und sein Vater aus dem Kosovo stammt, wo er einst auch in der zweiten Liga spielte.
Großes Lob von Werner
Wahrscheinlich wollten die Freiberger für die Rückrunde nicht einen direkten Konkurrenten im heißen Rennen um den Direktaufstieg stärken. Denn trotz der Rolle als Bankdrücker sind sie beim SGV von seinen Qualitäten überzeugt. „Ich hätte gerne mit Flamur verlängert, denn er hat großes Potenzial. Ich würde ihm auch die dritte Liga durchaus zutrauen“, sagt der Sportdirektor Christian Werner.
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Ob er das ausgerechnet am Mittwoch auf dem Platz zeigen darf, ist sehr fraglich. Unabhängig davon, ist das Duell vor der erwarteten Rekordkulisse unterm Fersehturm ein ganz besonderes Spiel für ihn. „Am liebsten wäre mir, wenn am Ende beide Vereine aufsteigen würden“, sagt Berisha. Dann könnte nicht nur er sich in der Regionalliga auf ein brisantes Duell freuen.
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