Wurden vom Sicherheitsdienst in die Kabine begleitet: Das Schiedsrichtergespann um den Karlsruher Nikolai Kimmeyer. Foto: Baumann

Die sportliche und personelle Lage bei den Stuttgarter Kickers spitzt sich nach dem 1:2 gegen Mainz 05 II weiter zu. Den Ärger über die Schiedsrichterleistung wollen die Blauen im Kampf gegen den Abstieg nun in positive Energie umwandeln – gemeinsam mit ihren Fans, die wieder Emotionen für ihr kampfstarkes Team zeigen.

Stuttgart - Schirme wurden aufgespannt, um mögliche Wurfgeschosse abzulenken. Der Sicherheitsdienst hatte einiges zu tun im Gazistadion, um das Schiedsrichtergespann, begleitet von lautstarken Buh- und Schieber-Rufe, unbeschadet in die Kabine zu begleiten. Drüben im B-Block, wo sich ein Großteil der Fans eigentlich für einen Stimmungsboykott bis Jahresende entschieden hatte, feierten die Anhänger des Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers ihre Mannschaft, obwohl diese gerade gegen den 1. FSV Mainz 05 II mit 1:2 (0:1) verloren hatte. Es muss sich also viel Ungewöhnliches ereignet haben auf der Waldau. Und das war auch der Fall. Die Aufreger Mainz’ Torjäger Karl-Heinz Lappe (15 Saisontreffer) hatte den Ball nach einem Zweikampf mit Daniel Döringer schon am Tor vorbeigeschossen und sich enttäuscht abgewendet. Da ertönte ein Pfiff von Schiedsrichter Nikolai Kimmeyer (Karlsruhe). Elfmeter. „Ich war selbst darüber überrascht“, räumte Lappe hinterher ein. Keeper Miro Varvodic hielt den Strafstoß von Sebastian Tyrala (43.). Statt sich darüber zu freuen, rief Kickers-Offensivmann Sebastian Mannström „Fuck Off“. Die Folge: Rote Karte. Sechs Minuten nach der Pause waren die Blauen dann sogar nur noch zu neunt. Bei einem Zweikampf im Strafraum kam Lhadji Badiane zu Fall. Der Mann in Schwarz sah eine Schwalbe. Der bereits verwarnte Stürmer musste mit Gelb-Rot vom Platz. „Sämtliche 50:50-Entscheidungen wurden gegen uns gepfiffen“, ärgerte sich Kickers-Präsident Rainer Lorz. „Wahnsinn, was sich hier abgespielt hat“, ergänzte Mittelfeldspieler Sandro Abruscia, der sich an ein Spiel 2010 gegen den 1. FC Nürnberg II erinnerte. Damals gab es drei Platzverweise für die Kickers (Stierle, Gondorf, Auracher). Nürnberg bekam zwei umstrittene Elfmeter und gewann mit 2:1. Das Spiel: Die spielstarken Mainzer waren zunächst die klar bessere Elf, die Kickers ließen durch ihre Raute im Mittelfeld dem Tabellendritten viel zu viele Räume. Erst durch die Umstellung auf ein Fünfer-Mittelfeld bekamen die Blauen die Außenbahnen dicht. Nachdem Abruscia mit einem Traumtor in den Winkel (20./fünfter Saisontreffer) das 1:0 erzielt hatte, gelang Tyrala nach einer Ecke das 1:1 (27.). Nach den beiden Platzverweisen verteidigten die Kickers rund um ihren Strafraum geschickt und vor allem mit enormer Leidenschaft. Das 1:2 (68.) durch Maurice Neubauer konnten sie jedoch nicht verhindern. Sekunden vor dem Ende hatte Döringer sogar noch die Chance zum 2:2. „Ich bin stolz auf die Mentalität meiner Mannschaft. Schade, dass sie den Matchplan nicht bis zum Ende umsetzen konnte“, lobte Kickers-Coach Paco Vaz. Punkte gab’s aber wieder einmal keine, was die sportliche Lage weiter verschärft. Die Personalien: Auch die personelle Situation spitzt sich weiter zu. Die Gesperrten Mannström und Badiane fehlen, von den Verletzten dürften Lukas Scepanik und Nico Blank im Spiel am kommenden Sonntag (14 Uhr) beim FSV Frankfurt wieder dabei sein. David Müller könnte am 18. November in Worms wieder im Kader stehen. Sicher: Vaz bleibt auf der Bank. „Ich gehe davon aus, auch nach dem Spiel in Frankfurt. Er macht seine Sache sehr gut“, sagte Lorz. In Sachen Sportdirektor will der Verein „Tempo machen“ (Lorz), damit die Weichen für die Winterpause rechtzeitig gestellt werden können. Der Ausblick: Frankfurt, Worms (auswärts), Walldorf (Heim), Koblenz (auswärts) und Stadtallendorf (Heim) heißen die Aufgaben bis zum Jahresende. Lorz: „Acht Punkte sollten wir schon holen.“ Die Finanzen: Gut möglich, dass die Kickers bei der Hauptversammlung am 20. November einen Gewinn vermelden. Dies liegt daran, dass hauptsächlich Gremiumsmitglieder planen, auf ihre Forderungen zu verzichten. Diese außerordentlichen Erträge würden die Bilanz verbessern.

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