Andreas „Bär“ Läsker hat ein Buch über veganes Leben geschrieben Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Mit dem Café Stella, der Suite 211 und dem Café Soho verabschieden sich Institutionen für immer. Der 1984 gegründete Plattenladen Ratzer Records zieht vom Leonhardsviertel an den Marienplatz. In dessen Räume soll Xond starten – ein veganer Laden von Fanta-Manager Andreas „Bär“ Läsker.

Stuttgart - Mit dem Café Stella, der Suite 211 und dem Café Soho verabschieden sich Institutionen für immer. Der 1984 gegründete Plattenladen Ratzer Records zieht vom Leonhardsviertel an den Marienplatz. In dessen Räume soll Xond starten – ein veganer Laden von Fanta-Manager Andreas „Bär“ Läsker.

Es hat ihm gut gefallen am Rande des Rotlichtviertels. Vor vier Jahren war Karl-Heinz Ratzer mit seinem 31 Jahre alten Plattenladen in ein städtisches Gebäude in die Altstadt gezogen – mit einer der letzten Bastionen gegen den musikalischen Mainstream. Die über 100 Quadratmeter großen Räume beim Brunnenwirt haben sich mittlerweile als zu groß erwiesen. Es stimme nicht, dass er gehe, weil die Miete zu hoch sei. „Die Miete war ganz okay“, sagt Ratzer, „aber für unseren Kundenstamm und für unseren Umsatz genügen uns kleinere Räume.“ Die hat er an der Hauptstätter Straße 154 am Marienplatz gefunden. Dort wird er im September einziehen, was ihm nicht leichtfällt. In den vier Jahren im Städtle sind aus Nachbarn Freunde geworden.

Veganer Imbiss statt Ratzer Records

In den bisherigen Räumen von Ratzer Records könnte bald, wenn die Verträge mit der Stadt unterschrieben sind, Fanta-Manager Andreas „Bär“ Läsker schmackhafte Alternativen zu Schweinebauch, Pommes und Currywurst bieten, die im benachbarten Brunnenwirt angeboten werden. Xond soll das vegane Imbiss-Geschäft heißen, in dem der Bestseller-Autor („No need for meat“) zeigen kann, was er als kreativer Rezeptentwickler drauf hat.

„Es kommt also was ganz anderes an diese Stelle als bisher“, meint Plattenliebhaber Ratzer, „denn ich war eher für o-xond zu haben als für xond.“

Näheres zu seinen Plänen im Leonhardsviertel wollte Läsker am Freitag noch nicht mitteilen. „Langsam“ gehe er sein neues Projekt an, sagte er nur.

Stuttgarts Gastro-Szene im Wandel: Dass sich nach der Suite 212 an der Theu-Heuss und dem Café Soho an der Schwabstraße Ende September auch das Café Stella für immer verabschieden wird, hat bei Stammgästen dieser Institution sowie bei Wirte-Kollegen für große Betroffenheit gesorgt.

Dokumentationspflicht und Mindestlohn

Erst im vergangenen Dezember hatte Stella-Chefin Liane Schmid den 30. Geburtstag ihres Cafés gefeiert. Damals sprachen die Betreiber noch nicht von Verlusten, die sie in den vergangenen fünf Jahren gemacht haben. Zuletzt seien unter der Woche immer weniger Gäste gekommen, auch wenn es am Wochenende weiterhin voll gewesen sei. Der Mindestlohn und die Dokumentationspflicht hätten das Geschäft immer weiter erschwert, sagen die Stella-Macher.

In der Gastro-Branche wird über das Ende einer Legende heftig diskutiert. Ein junger Wirt sagt: „Das Café Stella war immer ein alternativer Ort für ein alternatives Publikum. Leider gibt es aktuell keinen Platz für alternative Orte und kein alternatives Publikum. Alle rennen nur dem Trend hinterher.“

Doch mitunter hat die Schließung eines Lokals auch gar nichts mit Trends zu tun – es können auch private Gründe dahinter stecken, wie dies beim Café Soho gewesen sein soll. Nach mehreren Jahrzehnten hat manch einer Lust, etwas Neues zu machen oder sich zur Ruhe zu setzen. Karl-Heinz Ratzer denkt freilich nicht daran und freut sich auf weitere Jahre am Marienplatz.

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