Craft Beer, das zeigt sich auf den ersten Blick, ist kein Nischenthema mehr. Foto: Lichtgut / Ferdinando Iannone©

Gestandene Gerstensaftfreunde mit Wikingerbart, ergraute Herren, Hipster, bier-affine junge Frauen – sie alle lockte das vierte Stuttgarter Craft Beer Festival mit Qualitätsbewusstsein und Freude am Spiel mit dem Ungewohnten.

Stuttgart - Dass mancher nach dem Bierkonsum einen Affen hat, ist keine neue Erkenntnis. Der „Affenkönig“ der Österreichischen Start-up-Brauerei Brew Age trägt seinen Namen allerdings weniger, weil er mit 18° P Stammwürze in der Doppelbock-Liga rangiert und auf 8,2 Prozent Alkohol verweisen kann. Vielmehr dachten die Wiener wegen des fruchtigen Aromas an King Louis aus Disneys Dschungelbuch. Wem der gekrönte Primat zu heftig ist, für den haben seine Schöpfer 13 weitere Biere zum 4. Stuttgarter Craft Beer Festival mitgebracht.

In den Wagenhallen tummelt sich bereits am frühen Freitagabend ein bunt gemischtes Völkchen. Gestandene Gerstensaftfreunde mit langem Haar und Wikingerbart, ergraute Herren im gesetzten Alter, Hipster, bier-affine junge Frauen – Craft Beer, das zeigt sich auf den ersten Blick, ist kein Nischenthema mehr und hat nichts mit elitärem Genusskult zu tun. Wohl aber mit einem Bewusstsein für das Besondere, für ungewohnte Aromen und hochwertige Zutaten. Im Hopfengarten Bamberg etwa gedeihen bis zu 30 verschiedene Hopfensorten, die von der kleinsten Brauerei der fränkischen Biermetropole zu eigenen Kreationen verarbeitet werden.

Hobbybrauer können experimentieren

Anders als der sprichwörtliche Brei, dem viele Köche eher schaden, kann ein Hopfentrank durch mehrere Mitwirkende scheinbar durchaus gewinnen. Zumindest propagieren die „Kesselbrauer“ aus Stuttgart, die besten Biere seien jene, die man gemeinsam braue. „Meistens sind wir nicht gemeinsam zugange“, gesteht Florian Wölfle, der zum Vorstand des 40 Mitglieder zählenden Vereins zählt. „Normalerweise braut jeder für sich und wir treffen uns dann zur Verköstigung, diskutieren und küren unsere Favoriten.“ Der Verein ist bereits seit der Premiere Teil des Festivals, wo er seine drei Favoriten des Jahres ausschenken. Aktuell ist darunter ein Trollinger Ale. „Als Hobbybrauer ist man nicht an das Reinheitsgebot gebunden und kann mehr experimentieren“, freut sich Wölfle. Davon profitiert auch der aufgeschlossene Bier-Gourmet. „Ich habe gehört, dass die Braumanufaktur Hertl einen Jägermeister-Bock anbietet“, verabschiedet sich Jens (25) vom Stand der Kessel-Enthusiasten. „Den muss ich probieren!“

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