Im Depot warten die Bahnen am Morgen auf ihre Fahrer. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Während die meisten Stuttgarter noch friedlich schlummern oder gerade ihre erste Tasse Kaffee trinken, sind andere schon voll im Einsatz. Doch im Möhringer Depot der Stuttgarter Straßenbahnen gibt es einiges zu tun. In unserer Serie schauen wir hinter die Kulissen.

Stuttgart - Das Bild strahlt Ruhe aus. Schnauze an Heck und Seite an Seite übernachten 60 gelbe Stadtbahnen im Möhringer Depot. Wobei „übernachten“ es nicht ganz trifft: Für nur rund eine Stunde gehen nach der letzten Fahrt die Lichter aus, bevor der Betrieb am Morgen wieder startet. Takt ist alles.

3.50

Während die gelben Bahnen „schlummern“, fährt langsam ein Bus über den Betriebshof. „PW7“ steht auf seinem Schild. „Die Personalwagen holen die Fahrer zur Arbeit ab, wenn sonst noch kein ÖPNV fährt“, sagt SSB-Pressesprecherin Birte Schaper. Nach und nach treffen die Fahrer ein, melden sich an und erfahren, welchen Kurs und welche Bahn sie heute fahren.

3.59

„0304 auf Gleis 10 will nach Möhringen ausrücken“, spricht ein Fahrer in einen Hörer neben dem Tor. Auf diese Weise beantragt er grünes Licht vom Stellwerk. Ein Wagen der Linie U 3 ist der zweite, der an diesem Morgen den Hof verlässt. Er fährt nach Plieningen. Der Betriebshof an der Schockenriedstraße ist Dreh- und Angelpunkt für die Linien U 3, 5, 6, 7, 8, 12 und 15, manchmal auch noch der U 11. Weitere Betriebshöfe sind in Heslach und in Remseck.

4.10

Auch in der Halle wird beim Start geklingelt

Es wird lauter in der Halle, in der je sechs Bahnen auf zehn Gleisen geparkt sind. Mehrere Fahrer überprüfen die Technik. Türen zischen, Entwerter piepsen, Klingeln ertönen. „Sie sind verpflichtet, auch hier zu klingeln, wenn sie starten“, erklärt die stellvertretende Möhringer Stadtbahnbetriebshofleiterin Angela Manger. Im Takt von wenigen Minuten verlassen die Bahnen nun den Hof in verschiedene Richtungen. „Ab der ersten Haltestelle, Vaihinger Straße, nehmen wir alle Fahrgäste mit“, sagt Manger. Wer hier wohnt, kann bereits um 3.56 Uhr einsteigen.

4.30

In den Räumen des Betriebshofs geht es zu wie im Taubenschlag. Auf dem Bildschirm des Betriebshofmanagements werden die nächsten Starts angezeigt. 4.31 Uhr: Leinfelden Bahnhof, Gleis 10, Position B. 4.33 Uhr, 4.35 Uhr, 4.37 Uhr, 4.39 Uhr – der Takt macht die Musik, bis gegen 6.20 Uhr die letzte Stadtbahn auf Strecke ist. Fahrer holen sich ihren Plan und die Schlüssel, Kaffeeduft hängt in der Luft. „Einige Kollegen brauchen morgens noch etwas Ruhe, andere kommen rein, sagen Hallo und sind gleich wieder weg“, sagt Angela Manger, die an diesem Tag seit 3.30 Uhr im Einsatz ist.

Die Stellwerker fahren „zweigleisig“

4.50

Das Stellwerk erinnert an den Tower eines Flughafens. Von hier oben haben Josef Nix und Bernd Kargoll den Überblick über die Halle und das Gleisfeld. Auf einer großen Tafel sehen die beiden Männer, welcher Zug sich gerade wohin bewegt, und können Weichen und Signale stellen. Das Gleiche in grün auf den Computern am Pult. „Wir fahren zweigleisig“, erklärt Kargoll. Die Tafel aus den 60er Jahren erinnert an eine Modelleisenbahn. „Mein Onkel sagt: Du wirst fürs Eisenbahnspielen bezahlt.“

5.01

„0504 von 14 nach Leinfelden“, meldet ein Fahrer über Funk. Nix antwortet. Er ist seit Mitternacht im Einsatz, um 2 Uhr kam Kargoll hinzu. In der stressigen Zeit bis 8.45 machen sie zu zweit Dienst. „Ich mache gern das Einrücken“, erklärt Nix. Ab 20.30 werden die Züge im Netz ausgedünnt und in Möhringen abgestellt. Nachts sind es Kurzzüge, morgens braucht es Lang­züge – und man könne nur Züge der gleichen Baureihe miteinander verkuppeln. Ein Puzzlespiel. „Das ist die große Hausforderung, hier Doppelzüge zu basteln.“

Beim Bington ist Eile geboten

5.10

Die beiden Männer geben immer wieder Strecken frei. „Zum Schluss bleibt keiner übrig“, sagt Nix schmunzelnd. Hektisch wird es, wenn der sogenannte „Langsamschläger“ ertönt, ein Bington. „Das deutet auf eine Aufgabe hin. Jemand hat eine Fahrstraße angefordert.“ Die U 12 steht an einem Signal, das von Hand geschaltet werden muss. Schwierig sei es auch, wenn nach einem Blitzschlag sicherheitshalber alle Strecken auf belegt geschaltet würden. Dann müssten sie nach und nach über Bildschirm und Funk klären, welche frei seien.

5.20

Auf dem Busbetriebshof kontrollieren mehrere Linienbusfahrer die Technik ihrer Fahrzeuge. „Zuerst muss der Bus gestartet werden“, erklärt Fahrer Maik Buss. Die Checkliste solle alle Mängel enthalten, „wie bei einem Mietfahrzeug“. Er testet die Türen und ihren Einklemmschutz, die Meldeknöpfe, Stempelautomaten, Licht, Reifen. Auch schaut er, ob die Nothammer vollständig sind. Buss liebt, was er tut. „Wir haben viel mit Menschen zu tun.“

5.35

Während die Buslinie 44 zum Killesberg startet, um dort den Betrieb aufzunehmen, wird es über Möhringen langsam hell.

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