Die „Senioren-WG“ des Neugereuter Theäterle begeisterte auf der Bühne und bekam bei ihrer Premiere immer wieder Szenenapplaus. Foto: Andreas Bauer/Neugereuter Theäterle (z)

Die neue Komödie von Joachim Grabbe feierte Premiere im Neugereuter Theäterle.

Neugereut - Im 29. Jahr seines Bestehens hat sich das Neugereuter Theäterle daran gemacht, eine „Senioren-WG“ auf der Bühne des Heims St. Monika einzurichten. Premiere des gleichnamigen Stücks von Joachim Grabbe war am vergangenen Wochenende unter der Regie von Inka Bauer, die dieses topaktuelle Sozialexperiment einfach von Eimsbüttel nach Stuttgart verlegt und mit Augenmaß und Spaß zur schwäbischen Komödie umgewandelt hat. Da war es kein Wunder, dass immer wieder Szenenapplaus das kurzweilige Geschehen vorantrieb, bis hin zur mutmachenden Gründung einer Senioren-Stiftung, in die sich alle WG-Mitglieder mit ihren individuellen Fähigkeiten ehrenamtlich einbringen würden.

Alles begann damit, dass Angelika Plein als Klavierlehrerin Berta bei Kaffee und wunderbarem Kuchen im Haus ihrer schwäbischen Freundin Luise (Ingrid Börmann) diese mit ihrer einschmeichelnd hochdeutschen Argumentation auf den Gedanken brachte, dort eine WG einzurichten. So könnten die alleinstehenden Seniorinnen zusammen auch weiterhin „am Leben teilnehmen“. Bei der Zusammenstellung dieser Gemeinschaft waren die beiden auch bereit, kleinere Macken in Kauf zu nehmen, wie den Putzfimmel der im Landhausstil auftretenden ehemaligen Notarin Klara. Mit Staubtuch, Trachtenhut und Rosenschal ließ sich Ines Laubert als Dritte im Bunde auf das unerwartete Angebot ein, damit „das Leben nicht an uns vorbeigeht“.

Mutation ein komödiantisches Highlight

„Lieber zu weit gehen als zu kurz kommen“ lautete der Beschluss der Diskussion darüber, ob auch ein Mann in die WG aufgenommen werden könnte. Ein Handwerker im Frauenhaushalt wäre schon praktisch, diese Erkenntnis erledigte alle Vorbehalte.

Weil Arnold Sauer als Witwer Karl bei der Frauen-WG gerne mitmachen würde, aber nur deren anfängliche Männerphobie mitbekommen hatte, verwandelte er sich mit Kittelschürze, Kopftuch und weichgespülter Süßholzstimme in seine Schwester. Diese Mutation war ein komödiantisches Highlight, köstlich für Auge und Ohr. Noch lustiger wurde das WG-Leben, als jede der hilfsbereiten Frauen dem heimlich begehrten Mitbewohner seine Hose um eine Handbreit kürzte.

Und dann kam auch noch Annika (Silke Posselt) ins Spiel, die als Studentin der Wirtschaftsorganisation und Informatik Erfahrungen sammeln wollte für ihre Bachelor-Arbeit über Seniorenheime und Senioren-WGs. Kein Wunder, dass da die Lebensgeister aller Hausbewohner neu geweckt wurden, weil sie merkten, dass sie auch in der Computer- Welt noch zu etwas nütze waren.

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