Stuttgart-Möhringen Die Redaktion macht sich für die Leser auf den Acker

Von Leonie Schüler 

Noch liegt die Ackerfläche am Rande von Möhringen scheinbar brach. Doch im Boden reift schon die Saat heran, die der Bauer Klaus Brodbeck eingepflanzt hat. Foto: Thomas Krämer
Noch liegt die Ackerfläche am Rande von Möhringen scheinbar brach. Doch im Boden reift schon die Saat heran, die der Bauer Klaus Brodbeck eingepflanzt hat. Foto: Thomas Krämer

Damit Sie, liebe Leser, es nicht selbst testen müssen, gehen wir Redakteure der Frage nach: Wie viel Arbeit macht ein eigenes Feld? Wir haben einen Acker gemietet und berichten bis Oktober über matschige Gummistiefel, Schuften bei 30 Grad im Schatten und wurmige Radieschen.

Möhringen - Wundern Sie sich nicht, liebe Leserinnen und Leser, wenn wir in den nächsten Wochen und Monaten bisweilen nicht an unseren Schreibtischen anzutreffen sind. Dann haben wir uns vom Acker gemacht. Und zwar eben dorthin: auf den Acker. Auf unser 48 Quadratmeter großes Stückle Feld, das wir über den Anbieter Meine Ernte beim Möhringer Bauern Klaus Brodbeck angemietet haben. Einen Namen haben wir dafür auch: Schreiber-Garten. Denn wir werden nicht nur gärtnern, sondern auch darüber schreiben und alle unsere Erfahrungen mit Harke und Gießkanne mit Ihnen teilen. Dabei wollen wir weder mit unseren Erfolgen noch mit unseren Misserfolgen hinterm Berg halten. Das Stöhnen bei 30 Grad im Schatten ebenso wie das Schimpfen über matschige Gummistiefel, die Überwindung beim Töten von Kartoffelkäfern, der Frust über vertrocknete Zwiebeln oder wurmige Radieschen, hoffentlich aber auch unser Jubeln über die erste Ernte – wir sind selbst gespannt, was uns alles erwartet. Die Geschichten vom Feld werden wir Ihnen zwischen Mai und Oktober regelmäßig als Buchstabensalat aufbereiten.

Wir, das sind sechs Redakteure der Lokalausgaben Filder-Zeitung und Blick vom Fernsehturm. Die meisten von uns sind junges Gemüse, was Erfahrung mit eigenhändigem Gärtnern betrifft. Jeder von uns freut sich auf ganz unterschiedliche Höhepunkte: Alexandra Kratz möchte unbedingt „alles Kohlige“ anbauen, weil sie sich in ihrem eigenen Gemüsegarten daran noch nicht herangetraut hat. Ihre vierjährige Tochter hat den Wunsch geäußert, Gummi-Beeren anzupflanzen, doch darauf lassen wir uns natürlich nicht ein. Rebecca Anna Fritzsche will unbedingt Tomaten anpflanzen und daraus Marmelade herstellen. Die hat sie schon einmal probiert, „und mit den Tomaten aus Holland kann man das vergessen“.

Eine Leberkäs-Staude gibt es nicht

Holger Raymund, unser Hahn im Korb, nimmt die Sache noch nicht mit dem nötigen Ernst und hat verkündet, er wolle eine Leberkäs-Staude anpflanzen. Wir haben ihm angedroht, eine fleischfressende Pflanze danebenzusetzen. Julia Bosch ist vor allem neugierig auf Kräuter wie Koriander oder Thai-Basilikum, weil sie ihr Essen gerne frisch würzt, „und ich koche gerne asiatisch“. Wenn es nach Sandra Hintermayr ginge, wäre das Feld von vorne bis hinten mit Kürbis bepflanzt, doch eine Monokultur kommt für uns nicht infrage. Leonie Schüler ist vor allem gespannt darauf, mitzubekommen, wann welches Gemüse erntereif ist. Außerdem hofft sie, dass ihr kleiner Sohn auf Gemüsesorten jenseits der Möhre neugierig wird. Ein Drittel der Ackerfläche dürfen wir selbst bepflanzen, auf den Rest hat Bauer Brodbeck bereits 25 verschiedene Sorten eingepflanzt. Die Auswahl reicht von der Ackerbohne über Brokkoli, Grünkohl, Kartoffeln, Möhren, Rote Beete und Spinat bis hin zu Zuckererbsen und Zwiebeln. Auch wenn unser Gärtner-Team noch grün hinter den Ohren ist, kann laut Brodbeck nicht viel schiefgehen. Solange kein Hagel die Ernte vermiest, sei eine „gewisse Erfolgsgarantie“ dabei. Sein Tipp: „Das Wichtigste ist, zu gucken: Was macht denn mein Nachbar? Das ist wie im sonstigen Gartenleben auch.“ Das größte Problem werde sein, die Gemüsemassen verarbeitet zu bekommen. Doch davor fürchten wir uns nicht.

Wir sind vor allem gespannt, ob wir das Arbeitspensum schaffen. Brodbeck hat uns aber beruhigt, indem er uns vor zu viel Gießen gewarnt hat. Den wöchentlichen Aufwand schätzt er auf etwa eine Stunde. Wenn wir es trotzdem nicht schaffen, holen wir uns einfach einige unserer Kollegen als Gastarbeiter aufs Feld. Bezahlt werden sie natürlich in Naturalien – falls die Ernte was wird.

Kontakt und andere Anbieter

Wanda Ganders und Natalie Kirchbaumer begannen im Jahr 2010 mit dem Vermieten von Ackerflächen. In Kooperation mit örtlichen Landwirten bieten sie mittlerweile bundesweit in 26 Städten Mietbeete an. In Stuttgart gibt es die Möglichkeit seit 2012. Dort werden heuer 143 Ackerstücke à 48 Quadratmeter vermietet. Weitere Infos stehen unter www.meine-ernte.de. Weitere Anbieter, die in Stuttgart Gemüseanbau ermöglichen, sind zum Beispiel Dein Beet, Ackerhelden oder Acker4u. Infos gibt es im Internet unter www.deinbeet.de, www.ackerhelden.de und www.acker4u.de.

Redaktion Möhringen

Ansprechpartner
Sandra Hintermayr und Rüdiger Ott
moehringen@stz.zgs.de

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