Beim Jolinchen-Lauf sind die Jüngsten auf der Straße. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Ein Fest für die ganze Familie war der Kindertag des 26. Stuttgart-Laufs mit über 5000 jungen Läuferinnen und Läufern – samt dem mit viel Beifall begleiteten Rennen der jungen Handbiker.

Stuttgart - Einen Auftakt nach Maß hatte der Stuttgart-Lauf am Samstagnachmittag mit dem Start zum AOK Jolinchen-Lauf, bei dem die Kleinsten mit ihren Eltern auf eine 450 Meter lange Distanz gingen. Bei über 600 gemeldeten Kindern ergab das angesichts der beteiligten Eltern schon in der Startzone, die erstmals in der Benz-Straße situiert war, ein eindrucksvolles Bild. Und noch mehr Charme hatte die Ankunft in der Mercedes-Benz Arena, wo sich früher Ehrgeiz kunterbunt mit Szenen voller Charme mischte: Zu allerletzt trudelte ein Papa ins Stadion, mit dem Sprössling auf dem Arm und dem Schnuller im Mund. Als er den Knirps hinter der Ziellinie absetzte, bekam der endlich Lust aufs Laufen. Allerdings in die Gegenrichtung.

Ein fast perfektes Bild fürs Familienalbum gaben dagegen die dreijährigen Zwillinge Jonah und Felix ab, wie sie mit Mama und Papa Hand in Hand ins Stadion zottelten. „Wir haben uns über die Ziellinie gerettet“, schmunzelte Isabell Thieleke, die übers Kinderturnen des TSV Steinhaldenfeld zu dem Event gekommen war. Sehr aufregend sei das für die Kleinen gewesen, „fast zuviel Trubel, aber wir kommen wieder“, sagte die Mama.

Fußballstadion gleicht einem Bienenstock

Mit stehendem Applaus empfing dann die bereits leidlich gefüllte Haupttribüne die nächste Gruppe, und die Oma mit dem Opernglas wollte alles ganz genau sehen. Wie in einem Bienenstock ging es so langsam draußen zu, wo in der Cannstatter Kurve die Kinder von ihren Eltern wieder eingesammelt wurden. Morena (7) aber vergoss bittere Tränen, wusste nicht, ob sie zum Katzen- oder Tiger-Ballon sollte. Ein Ersatz-Papa wartete, bis die Mama fündig wurde, was Morena schnell wieder munter machte: „Diesmal bin ich alleine gelaufen. Ohne Mama war ich schneller.“ Cool wie ein Routinier gab sich der sechsjährige Emilio, der für die 450 Meter, Papa und Opa im Schlepptau, gut zwei Minuten gebraucht hatte: „Aber weil Stau in der Kurve war!“, wie er kritisch anmerkte. Er wäre gerne schneller gewesen – und so erfolgreich wie noch am Morgen beim Bambini-Turnier des SV Rot, wo er „zehn Tore geschossen“ hatte.

Unzählige Schulen sind wieder beteiligt, die Pragschule etwa, die Grundschule Birkach, die Tiefenbachschule oder das Königin-Olga-Stift. Und natürlich die Schwabschule, mit über 200 Kindern, also „mehr als der halben Schule“, wie Brigitte Flörchinger sagt. „Schwabschule bewegt sich“ trägt auch Stefanie Springer auf ihrem orangefarbenen Motto-Shirt: „Das Motto gilt auch in andere Hinsicht, als Plädoyer für Vielfalt. Hier haben die Kinder ein tolles Gemeinschaftserlebnis und Spaß an der Bewegung.“ Und „ein wirklich großes Erlebnis“ sei, „dass die Kinder ins Stadion einlaufen dürfen, zum Beifall der Zuschauer“, betont das Duo.

Beste Stimmung an den Straßenrändern

Der Elternbeirat ist hier die treibende Kraft, hat 25 Helferinnen und Helfer aktiviert. Anderswo stemmen es Lehrerin und Lehrer. Angelika Diehl etwa an der Silcherschule Kornwestheim, die mit 33 Kindern teilnimmt: „Wunderbar“ findet sie den Stuttgart-Lauf, „weil Kinder so an Großereignisse heranschnuppern können und für Sport begeistert werden. Sie erleben etwas in der Gruppe mit dem Highlight, zusammen ins große VfB-Stadion zu laufen“. Und ein Nebeneffekt gefällt ihr ebenfalls: „Ich mache das seit 18 Jahren. Viele Eltern fahren bei der Gelegenheit zum ersten Mal mit der S-Bahn. So lernen die auch noch etwas!“

Die beste Position, „um lauter glückliche Kinder zu sehen“, hat übrigens Silvia Ochs aus dem Organisations-Team des Württembergischen Leichtathletikverbandes, der Veranstalter ist: „Hier kommen die Kinder durch den Tunnel aus dem Stadion, kriegen die Medaille umgehängt und strahlen.“ Daniel (9) ist da schon ein Profi. Bei einem der Mini-Marathons kommt er als erster aus dem Tunnel: „Dritter Start, dritter Sieg“, resümiert er cool. Aber auch erleichtert. Er zeigt sein aufgeschürftes Knie: „Ich bin gestolpert und habe gedacht: Jetzt ist es vorbei! Dann bin ich aufgestanden und einfach weitergelaufen.“ Wo er das gelernt hat? „Beim Fußball. Ich trainiere viermal in der Woche!“

Beste Stimmung auch im Straßenbereich, wo an Tischen und Bänken kaum mal ein Platz frei ist. Weiter unten aber steht ein Highlight an: Der Start der Handbiker. Knapp 30 sind wieder da, und manche kennen die Moderatoren Achim Seiter und Adrian Gieseler fast schon persönlich. Maurice und Sara sind schon zum sechsten Mal dabei und werden als „Veteranen“ begrüßt. Und der Hit ist Rebecca, die schon zum neunten Mal teilnimmt. Premiere hat dagegen Lenia, mit vier Jahren auch die Jüngste. Ebenso Noel (10), die „extra viel“ trainiert hat. Und kurz vor Einfahrt ins Stadion ist sie tatsächlich Vierte, mit schönem Vorsprung. Viel Beifall gab es für die Handbiker schon unterwegs, die Fahrt durchs Stadion aber ist ein wahrer Triumph.

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