Schon lange vor der Mittagspause hängt in Sillenbuch ein Schild, das grob übersetzt sagt: Anstellen lohnt nicht mehr. Foto: C. Holowiecki

Vor den Ferien ist in den Außenstellen der Stadtverwaltung Stuttgart in den Bezirken stets viel los. Durch Corona verschärfen sich die Wartezeiten aktuell. In Vaihingen etwa ist kaum mehr ein Durchkommen.

Filder/Stuttgart - Nicht einen, nicht zwei, auch nicht drei. 20 Anrufe stehen auf der Liste. Der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, hat sich sauber aufgeschrieben, wann er es unter welcher Telefonnummer beim Bürgeramt in Vaihingen probiert hat. Das Ergebnis ist jedoch immer dasselbe: nichts. „Es kommt immer das Belegzeichen oder das Freizeichen – keine Mailbox“, sagt er. Dabei müsste der Mann dringend jemanden erreichen. Der Personalausweis seiner betagten Mutter liegt bereit. Zur Abholung braucht es einen Termin. Und um den zu bekommen, müsste der Mann jemanden erreichen. Nur da hakt es eben. „Völlige Erfolglosigkeit“, sagt er.

Man kann nicht einfach reinspazieren

Das Vaihinger Bürgerbüro gehört zu jenen Außenstellen des Amtes für öffentliche Ordnung, wo wegen Corona noch kein klassischer Publikumsverkehr zugelassen ist. Wie in Plieningen oder Degerloch auch kann man nicht einfach reinspazieren, sondern braucht einen Termin. „Wir können dort – bis auf Weiteres – nicht für Laufkunden öffnen, da der Wartebereich dort keinerlei Lüftungsmöglichkeit hat. Wir haben nur dort für Laufkunden geöffnet, wo dies unter Beachtung des Abstandsgebots beim Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes zu verantworten und auch organisatorisch machbar ist“, teilt der Sprecher Martin Thronberens für die Fachabteilung mit.

Wie in der Führerscheinstelle auch ist vor den Sommerferien in den Bürgerbüros traditionell extra viel los – um etwa Reisedokumente zu verlängern. 2020 ist da keine Ausnahme. „Eine Auswertung über acht Tage ergab 19 000 geführte Telefongespräche und beantwortete Mailanfragen. Daher mussten Anrufer teilweise mehrere Versuche unternehmen, um uns zu erreichen, oder länger als üblich auf eine Mailantwort warten“, teilt Martin Thronberens mit.

Kapazitätsgrenze erreicht

Um den Druck zu lockern, habe man, wo es möglich ist, seit dem 15. Juli wieder für Laufkundschaft geöffnet. Dennoch: Am vergangenen Mittwoch bildet sich vor dem Bürgerbüro in Sillenbuch eine lange Schlange. Kurz vor 11 Uhr wird ein Zettel aufgehängt, dass die Kapazitätsgrenze erreicht sei und sich keiner mehr anstellen solle – zwei Stunden vor der offiziellen Schließung. Auch am vergangenen Donnerstag hängt es wieder lang vor der Mittagspause. Ein zweites Schild offenbart ein weiteres Problem: Personalengpässe.

Bei der Stadtverwaltung hält man es nicht für ausgeschlossen, dass sich die ohnehin schon schwierige Situation sogar wieder verschärfen könnte. „Es wird sich zeigen, ob sich die Besucher verantwortungsbewusst verhalten und die Vorgaben beachten“, sagt Martin Thronberens im Namen des Ordnungsamtes. Dazu gehörten das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, das Einhalten von Abständen oder der festgelegten Besucherzahl in den Wartebereichen. Sollte sich zeigen, dass die Vorgaben nicht eingehalten werden, müsse man gegebenenfalls zur Terminvergabe zurückkehren.

Zwangslage wird anhalten

Der Mann, der im Bezirksamt in Stuttgart-Vaihingen den Ausweis seiner Mutter abholen möchte, hat mittlerweile einen Rückruf erhalten – und einen Termin. Für organisatorische Schwierigkeiten hat er Verständnis, „aber die Mindestanforderung wäre, wenigstens ein Band einzuschalten, um auf die Zwangslage hinzuweisen“, sagt er.

Diese Zwangslage wird auch noch eine Weile so bleiben. Am späten Mittwochnachmittag war aus der Fachabteilung zu hören, dass der nächste freie Termin in Vaihingen ab dem 3. August gebucht werden könne.

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