Gloria Schmid (l.) und Amrei Brinkmann haben ein Stipendium erhalten. Die angehenden Erzieherinnen dürfen in Istanbul ein sechswöchiges Praktikum absolvieren. Foto: Torsten Ströbele

Die evangelische Fachschule für Sozialpädagogik und die Bernstein Köllner Stiftung ermöglichen es zwei angehenden Erzieherinnen, ein Praktikum in Istanbul zu absolvieren. Am 1. September geht es los.

Stuttgart-Botnang - Gloria Schmid und Amrei Brinkmann wollen Erzieherin werden. Beiden jungen Damen ist dieser Berufswunsch nicht in die Wiege gelegt worden, aber durch Praktika beziehungsweise ein Freiwilliges Soziales Jahr wurden sie darin bestärkt, dass Erzieherin genau das Richtige für sie ist – auch, wenn die Bezahlung besser sein könnte. „Aber es macht einfach Spaß, und jeden Tag erlebt man etwas Neues“, sagt die 19-jährige Schmid.

Erst vor wenigen Tagen haben die beiden angehenden Erzieherinnen ihre schulische Ausbildung an der evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik in Botnang abgeschlossen. Doch ehe sie nun an einer Stuttgarter Kita Berufserfahrung sammeln werden, absolvieren sie erst einmal ein sechswöchiges Praktikum in der Weltmetropole Istanbul. Möglich wurde diese Reise durch die neue Kooperation zwischen der evangelischen Fachschule und der Bernstein Köllner Stiftung mit Sitz in Feuerbach. Die Stiftung hat in diesem Jahr zum ersten Mal ein Stipendium an zwei Auszubildende aus Botnang vergeben. Für die Schüler entstehen somit keinerlei Kosten. Flug und Aufenthalt werden bezahlt, es gibt ein Taschengeld und sogar eine einwöchige Rundreise durch die Türkei wird gesponsert. Grundsätzlich sei es das Ziel, die Qualität der Betreuung in den Stuttgarter Kitas zu sichern und sogar noch zu steigern, sagt Roswitha Wenzl, die das Projekt für die Stiftung leitet. „Es ist eine wichtige Erfahrung für die Erzieherinnen, zu wissen, was es heißt, sich fremd zu fühlen, verstanden zu werden oder eben auch nicht.“ Und gerade in einer Stadt wie Stuttgart, in der etwa 40 Prozent der Vorschulkinder einen Migrationshintergrund haben, könnte so ein Praktikum durchaus hilfreich sein.

Das Interesse an dem Stipendium sei groß gewesen, sagt die stellvertretende Rektorin der Fachschule, Sabine Walz. „Und wir hatten auch männliche Bewerber.“ Letztendlich seien vier Schüler in die engere Auswahl für das Stipendium gekommen, ergänzt Wenzl. „Gloria Schmid und Amrei Brinkmann haben uns letztendlich durch ihren großen Wunsch und den Willen, ins Ausland zu gehen, überzeugt. Die Motivation ist bei beiden groß. Das ist toll.“

Das Praktikum wird in zwei Kindergärten stattfinden

Am 1. September werden die Stipendiatinnen nun nach Istanbul aufbrechen. Angst, mehrere Wochen dort zu verbringen, haben sie keine – auch nicht nach den jüngsten Terroranschlägen. „Überall kann etwas passieren. Aber wir sind in guten Händen und passen auf uns auf“, sagt die 24-jährige Amrei Brinkmann. Stiftung und Fachschule haben den Aufenthalt der beiden Praktikantinnen zumindest bis ins letzte Detail organisiert. Ansprechpartner vor Ort stehen zur Verfügung. Zudem wird Dozentin Bettina Döring über Skype mit den angehenden Erzieherinnen Kontakt halten. Wohnen werden sie gemeinsam in einer kleinen möblierten Wohnung, die von der Stiftung angemietet wurde. Sie liegt mitten im Stadtteil Kadiköy – im asiatischen Teil Istanbuls. „Direkt vor der Haustür pulsiert das Leben“, sagt Wenzl, die sich gemeinsam mit Sabine Walz und Bettina Döring selbst vor Ort ein Bild verschafft hat.

Bei der Delegationsreise Ende Mai wurden auch die zwei Kitas ausgesucht, in denen die beiden angehenden Erzieherinnen ihr Praktikum absolvieren werden. Zunächst einmal geht es in einen privaten Kindergarten mit etwa 55 Mädchen und Buben, offenem Konzept und Reggio-Pädagogik. Die zweite Station ist eine staatliche Einrichtung mit rund 190 Kindern. „Die Wahl auf diese beiden Kindergärten ist auch nach sprachlichen Aspekten gefallen. Dort ist ein fachlicher Austausch auf Deutsch und Englisch möglich“, sagt Bettina Döring. „Sich die ganze Zeit auf Türkisch verständigen zu müssen, ist nicht vorstellbar.“ Grundlagen haben die beiden Stipendiatinnen zwar in einem Sprachkurs gelegt, aber das reiche noch nicht aus, um im Alltag gänzlich auf englisch und deutsch verzichten zu können, sind sich Gloria Schmid und Amrei Brinkmann einig. Beide freuen sich aber schon riesig auf die Reise und die Erfahrungen, die sie in Istanbul sammeln werden. Am 22. oder 23. Oktober geht ihr Rückflug. Beim Tag der offenen Tür der evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik im November werden sie dann detailliert über den Aufenthalt berichten.

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