Die Bahnsteighalle von Stuttgart 21: Rollen hier Ende 2025 Züge? Foto: IMAGO//Arnulf Hettrich

Stadt, Land und Region erwarten von der Bahn endlich belastbare Aussagen, wann welcher Teil von Stuttgart 21 in Betrieb geht. Die Kritik an der Deutschen Bahn nimmt stark zu.

Das Treffen der Stuttgart-21-Partner hat nicht die erhoffte Klarheit gebracht, auf was sich Fahrgäste von Ende 2025 an einstellen müssen. Die Bahn beharrt darauf, erst im Juni Einzelheiten zu dem von Dezember 2025 an geltenden Fahrplan bekannt zu gegeben – und damit klar zu machen, welche Züge im Tiefbahnhof halten und welche im einstweilen weiter zu betreibenden Kopfbahnhof. Nach Lesart der Projektpartner Land, Stadt und Region ist aber auch die Entscheidung „ob die Inbetriebnahme insgesamt verschoben werden muss“ noch nicht gefallen. So verlauten sie es jedenfalls in einer gemeinsamen Erklärung. Die Bahn hatte ihrerseits am Freitagnachmittag eine Mitteilung in der Sache verschickt.

 

Land, Stadt und Region mit Forderungen

Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) warnt vor einer „Inbetriebnahme des Bahnknotens, bei der es gleich zu Beginn zu massiven Störungen kommt“. Stuttgarts OB Frank Nopper (CDU), sagt mit Blick auf einen zeitlich unklaren Weiterbetrieb der oberirdischen Gleisanlagen, die Stadt brauche „in Zeiten großer Wohnungsnot dringend und schnellstmöglich das Rosensteinquartier mit bis zu 5700 Wohnungen“. Dessen Realisierung wäre durch den Zugbetrieb zumindest erschwert. Regionalpräsident Thomas Bopp (CDU) verweist darauf, dass der „jetzige Zustand der Infrastruktur für uns und die Fahrgäste der S-Bahn unerträglich“ sei. Die Bahn müsse „die Störungen reduzieren und schnellstmöglich beheben, auch wenn es mit Investitionen verbunden ist“.

Die Projektpartner machen sich auch Sorge um Projekte, die zwar nicht ursprünglich zu Stuttgart 21 gehören, aber eng damit verbunden sind. So etwa den sogenannten Digitalen Knoten Stuttgart (DKS). Die ersten zwei Abschnitte der Digitalisierung des Sicherungssystems sind in Arbeit, beim Dritten haben sich die Bahn und der Bund verhakt. Berlin ist der Ansicht, dass die Finanzierung gesichert sei. Und die Bahn hat den entsprechenden Vertrag zwar unterzeichnet, das weitere Vorgehen aber unter Gremienvorbehalt gestellt. Das heißt, der Vorstand und der Aufsichtsrat müssten noch das finale Okay geben.

Kritik aus dem Landtag

„Die Deutsche Bahn hat das nach ihren Worten bestgeplante Bahnprojekt aller Zeiten nicht im Griff – und verspielt weiterhin das Vertrauen der Projektpartner“, sagt Michael Joukov, der bahnpolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion. Von der Bahn verlangt er „realistische Einschätzungen und Transparenz“.

Auch die SPD-Landtagsfraktion spart nicht mit Kritik. Der verkehrspolitische Sprecher der Sozialdemokraten, Jan-Peter Röderer, sagt: „Die Bahn muss alle Karten auf den Tisch zu legen. Mit Andeutungen oder Vermutungen über eine Verschiebung oder eine Teilinbetriebnahme muss Schluss sein. Die Öffentlichkeit braucht Klarheit von der Bahn. Vor allem auch, was die möglichen Folgen jeder dieser Optionen angeht.“ Damit schade die Bahn dem Ansehen des Projekts und ihrem eigenen.

Ruf nach längerem Kopfbahnhofbetrieb

Der Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) spricht von einer unzumutbaren Hängepartie. „Der Öffentlichkeit wird ein Trauerspiel sondergleichen geboten. Etwas mehr als anderthalb Jahre vor der angepeilten offiziellen Inbetriebnahme ist so gut wie gar nichts klar“, erklärt der Landesgeschäftsführer Martin Bachhofer. Der Kopfbahnhof müsse in Betrieb bleiben, bis Stuttgart 21 vollumfänglich funktioniere.