Am Dienstag hat die Bahn auf den Fildern das letzte fehlende Schienenstück für die ICE-Strecke zwischen Ulm und Stuttgart verlegt. Kommenden Herbst soll die neue Trasse von einem Spezialzug getestet werden.
Auch wenn in der vorigen Woche erhebliche Zweifel daran aufgekommen sind, dass Stuttgart 21 in vollem Umfang 2025 in Betrieb gehen kann, lassen die Bauarbeiter vor Ort nicht nach. Am Dienstag ist das letzte fehlende Schienenstück zwischen Ulm und dem künftigen Stuttgarter Durchgangsbahnhof auf den Fildern eingebaut worden. „Das ist die Grundlage für den weiteren Ausbau der Strecke“, sagte Bauingenieur Torsten Weinhold, der für die Bahn die Arbeiten in diesem Abschnitt leitet.
Testfahrten mit speziellem ICE
Nun sei zwar ein „großer Meilenstein“ erreicht, auf sein Team und ihn warte aber noch eine Menge Arbeit – und das bei engem Zeitplan. „Wir wollen im Herbst mit den Testfahrten beginnen“, sagt der 49-Jährige. Dann wird ein speziell ausgerüsteter ICE zwischen dem Albbahnhof Merklingen und dem Stuttgarter Talkessel pendeln und bei jeder Fahrt die Höchstgeschwindigkeit schrittweise steigern.
An der Stelle nahe der A 8, an der am Dienstag letztmals Beton zwischen die Schwellen der Gleise floss, sollen die Züge später einmal mit 250 Kilometern in der Stunde unterwegs sein. Diese Geschwindigkeit gilt auch auf den weiteren 15 Kilometern bis Wendlingen im Neckartal, wo die Gleisbautrupps im Frühjahr 2022 mit den Arbeiten begonnen haben und wo die Gleise von Stuttgart 21 an jene der Schnellfahrstrecke nach Ulm anschließen, die seit Dezember 2022 in Betrieb ist. Weil es noch am nötigen Gleisanschluss gefehlt hat, sind die 120 Meter langen Schienenstücke anfänglich per Lastwagen auf der A 8 angeliefert worden. Unter anderem mussten auch 22 Weichen eingebaut werden, die auch die Schleife zum Flughafen und zur Messe mit der Hochgeschwindigkeitsstrecke längs der Autobahn verbinden.
Gleisbau auch im neuen Bahnhof
Nun müssen noch die Baugleise im rund 9,5 Kilometer langen Fildertunnel gegen die endgültigen Schienen ausgetauscht und der Fahrdraht, der die Züge mit Strom versorgt, gezogen werden. Die Bahn vermeldet, dass für Stuttgart 21 bereits 73 Kilometer Gleise verlegt seien und damit, abgesehen vom Durchgangsbahnhof in der Innenstadt und dem Abstellbahnhof in Untertürkheim, der Gleisbau „nahezu vollständig abgeschlossen“ sei. Olaf Drescher, Chef der Projektgesellschaft, die Stuttgart 21 baut, kündigt an, „in wenigen Wochen“ mit dem Gleisbau im Hauptbahnhof beginnen zu wollen.
Kosten steigen weiter
Trotz allem Baufortschritt ist das Vorhaben einmal mehr in schwerem Fahrwasser. Der DB-Aufsichtsrat wird am 18. Dezember beraten. Dann dürften die Kosten des Projekts die Marke von zehn Milliarden Euro überschreiten.