Die Kosten für Stuttgart 21 steigen ein weiteres Mal – in noch nicht bekannt gegebene Höhe. Die Bahn will den Durchgangsbahnhof weiterhin Ende 2025 in Betrieb nehmen, auch wenn der dann inmitten einer Baustelle liegt.
Der historische Bonatzbau und das Umfeld des bei Stuttgart 21 entstehenden neuen Halts bleiben auf alle Fälle bis 2027 eine Baustelle. Das hat Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) nach der jüngsten Lenkungskreissitzung der S-21-Projektpartner am Freitag bekannt gegeben.
DB-Aufsichtsrat befasst sich mit S 21
Das ist nicht die einzige schlechte Nachricht. Auch das Geld geht einmal mehr aus. „Die Indizien für eine weitere Kostensteigerung haben sich verdichtet“, sagte Bahninfrastrukturvorstand Berthold Huber. Seit dem Sommer durchleuchtet die Bahn Kosten- und Terminpläne. Bei dieser Überprüfung zeigte sich die angespannte Kassenlage. Huber wollte sich nicht dazu äußern, welche der im Umlauf befindlichen Kostengrenzen gerissen wird. Bei Stuttgart 21 wird seit jeher zwischen dem sogenannten Gesamtwertumfang (GWU), der derzeit auf 9,15 Milliarden Euro taxiert wird, und dem Finanzierungsrahmen unterschieden, der bei 9,79 Milliarden Euro liegt. „Das werden wir zunächst mit dem Aufsichtsrat besprechen“, erklärte Huber. Planmäßig treten die Bahnaufseher am 18. Dezember das nächste Mal zusammen.
Nicht antasten will die Bahn den Inbetriebnahmetermin im Dezember 2025. „Wir bekommen den Bahnhof so fertig, wie wir ihn brauchen“, sagte Huber. Ein erster Hinweis darauf, dass vor allem den bahnbetrieblichen Funktionalitäten das Hauptaugenmerk gilt. Nopper sagte, dass der Bonatzbau und das Bahnhofsumfeld 2027 fertig werden. Zudem entsteht in direkter Nachbarschaft die nächste Großbaustelle. Mit dem Abräumen der bestehenden Gleise und Einrichtungen des Kopfbahnhofs solle „unmittelbar nach der Inbetriebnahme von S 21“ begonnen werden, so Nopper.
Digitale Technik als Engpass
Mit Sorge betrachten die Projektpartner – Bahn, Land, Stadt und Region – die Ausrüstung der neuen Bahnstrecken mit der digitalen Sicherungstechnik ETCS. Der Lieferant befinde sich in einer Umstrukturierungsphase, die Bahn unterstützt mit 60 eigenen Mitarbeitern den Fortgang. Der Digitale Knoten Stuttgart entwickle sich zunehmend zum gordischen Knoten, befand Nopper. Wie sich der Einbau entwickle, aber auch der Fortschritt bei Stuttgart 21 in Gänze, soll ab sofort bei monatlichen Zusammenkünften analysiert werden, kündigte Huber an. Eine Entscheidung, ob der Projektfortschritt eine Inbetriebnahme im Dezember 2025 erlaube, falle 18 Monate zuvor, also im Juni 2024. Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) mahnte eine ausreichend bemessene Testphase an. Regionalpräsident Thomas Bopp (CDU) erinnerte daran, dass die S-Bahn bereits im September 2025 auf das neue System umgestellt werde.
Züge zum Flughafen erst 2026
Eine Änderung des Zeitplans gibt es am Flughafen. Der dortige neue Fern- und Regionalbahnhof sollte zunächst von Ende 2025 an im Pendelbetrieb von Stuttgart aus erreicht werden, Züge aus Richtung Tübingen, Reutlingen und Ulm hätten erst 2027 halten können. Nun soll der Bahnhof 2026 in Gänze in Betrieb gehen. Die Pendelzüge aus Stuttgart wird es nicht geben.