Bedroht das Grundwassermanagement für Stuttgart 21 die Mineralquellen? Umweltminitser Franz Untersteller (Grüne) meint, nein. Foto: dapd

Streit um Mineralwasserschutz – Projektgegner werfen Franz Untersteller Irreführung vor.

Stuttgart - Die organisierten Kritiker des Bahnprojekts Stuttgart 21 kritisieren Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) für "klare Widersprüche" und " irreführende Aussagen" beim heiklen Thema Mineralwasserschutz.

Untersteller hatte am Mittwoch in Stuttgart bei der sogenannten Volksversammlung auf dem Marktplatz gesagt, dass durch S21 "aus fachlicher Sicht keine Gefährdung der Mineralquellen" gegeben sei. Eine Gefährdung von Vegetation und Gebäuden könne aber "nicht ausgeschlossen" werden. Das Wort Unterstellers hat hierbei großes Gewicht, schließlich hatte er im Juni die bei der Stadt liegende Fachaufsicht als untere Wasserschutzbehörde aus eigener Initiative an sich gezogen. Seitdem ist der umstrittene Themenbereich Grund- und Mineralwasser bei S21 Chefsache im Ministerium.

Parkschützer stellen Wassermodell der Bahn infrage

"Die Aussagen von Herrn Untersteller bedeuten keineswegs Entwarnung", erklärte am Donnerstag SÖS-Stadtrat Hannes Rockenbauch als Sprecher des Aktionsbündnisses gegen S 21. Weil die oben liegende Grundwasserschicht und die darunter liegende Mineralwasserschicht anerkannterweise in hydraulischem Zusammenhang stünden, zeigten die zwei Aussagen des Ministers sogar "klare Widersprüche", kritisierte Rockenbauch. "Wenn er sagt, dass es für Vegetation und Gebäude Gefahren gibt, muss uns das deshalb eher beunruhigen", betonte der Stadtrat.

Aus Sicht der Parkschützer-Initiative sind Unterstellers Äußerungen "irreführend". Der Minister habe lediglich Untersuchungsergebnisse des städtischen Umweltsamts wiedergegeben, wonach das von der Deutschen Bahn beantragte Abpumpen der doppelten Grundwassermenge keine erhöhte Gefährdung bedeute. "Dem können wir uns ja auch anschließen", sagte Parkschützerin Carola Eckstein. Die Initiative stelle aber das komplette Wassermodell der Bahn infrage. "Dieses Modell stimmt nicht; alle Ergebnisse auf dieser Grundlage sind falsch", sagte Eckstein.

Im Gegensatz dazu sind die Projektbetreiber erfreut. "Der Minister hat die Sicherheit der Mineralquellen bestätigt", sagte am Donnerstag S-21-Sprecher Wolfgang Dietrich. Es zeige sich, dass der Tiefbahnhof "grundsolide" geplant sei. Die Bodenplatte liege 40 bis 50 Meter über den Schichten mit Mineralwasser. Bei den Betonpfählen, die das Gebäude nach unten verankern, betrage der Abstand immer noch 25 bis 35 Meter.

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