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Brand der Rohre am GWM: Verdächtiger entlastet – Bahn denkt an mehr Sicherheitsleute.

Stuttgart - Am Freitagmorgen stürzt ein Feuer an einem Signalkabel am Tunnelportal von Schloss Rosenstein Tausende Bahnreisende ins Chaos. Zwei Tage später gehen 40 Rohre für das Grundwassermanagement der Stuttgart-21-Baustelle im Rosensteinpark in Flammen auf. Gemeinsam haben beide Brände zumindest eines: Sie sind bewusst gelegt worden. „Wir gehen in beiden Fällen von Brandstiftung aus, weil jeweils Brandmittelspürhunde angeschlagen haben“, sagt Polizeisprecher Olef Petersen. Welche Brand­beschleuniger verwendet worden sind, ­werde derzeit noch untersucht.

Darüber hinaus ist die Faktenlage derzeit aber dünn. „Wir haben keinen konkreten Tatverdacht und ermitteln in alle Richtungen“, sagt Petersen, der den Begriff „Anschlag“ bewusst vermeidet. Hinweise auf mögliche Täter gebe es derzeit nicht. Auch einen Zusammenhang mit Stuttgart 21 will man vorerst nicht bestätigen. Speziell im Fall der Rohre liegt das zwar nahe, aber ohne Täter lässt sich das nicht beweisen.

Polizei verzeichnet immer mehr Straftaten

Ein erster Verdächtiger, dessen Wohnung bereits am Freitag durchsucht worden war, ist inzwischen aus dem Rennen. Ein Parkschützer aus dem Stuttgarter Westen war nach Informationen unserer Zeitung ins Visier der Ermittler geraten, weil er in sozialen Netzwerken im Internet mit Prahlereien auf sich aufmerksam gemacht hatte. Offenbar nur, um Beachtung zu bekommen. „Er hat gestanden, die Einträge gemacht zu haben, kommt für die Tat selbst aber nicht infrage“, sagt Polizeisprecher Petersen. Die Suche geht damit von vorne los.

Derweil verzeichnet die Polizei allerdings immer mehr Straftaten, die mit dem Bahnprojekt zu tun haben könnten. Übers Wochenende bekam auch die Stuttgarter SPD-Zentrale am Wilhelmsplatz unliebsamen Besuch. Unbekannte warfen vermutlich mit Steinen zwei Sprossenfenster im ersten Stock des Gebäudes ein. Der Sachschaden beläuft sich auf 200 Euro.

Die Bahn prüft inzwischen, ob sie mehr eigenes Sicherheitspersonal einsetzt. Seit Samstag sind die ersten 14 Mitarbeiter der DB Sicherheit auf dem Baustellengelände im Mittleren Schlossgarten im Einsatz. „Die Bahn hat eigentlich hinreichend Sicherheitspersonal abgestellt, aber mit Blick auf die jüngsten Vorkommnisse befinden wir uns in Abstimmung mit der Polizei, ob das wirklich ausreicht“, sagt eine Projektsprecherin. Klar sei jedoch, dass man auch künftig nicht jeden Meter des Areals werde überwachen können. Die Höhe des Sachschadens an den 40 Rohren für das Grundwassermanagement steht derzeit noch nicht fest und soll in den nächsten Tagen ermittelt werden.

Stuttgart-21-Gegner wehren sich gegen pauschale Unterstellungen

Die Stuttgart-21-Gegner wehren sich gegen pauschale Unterstellungen. „Dass wir ständig unter Generalverdacht stehen, hat mit der Polizei zu tun, die Dinge hochstilisiert, und mit der Darstellung in den Medien“, sagt Matthias von Herrmann, Sprecher der Parkschützer-Organisation. Dagegen habe man sich immer gewehrt, denn man sei „keine halbmilitante Truppe“. Es gehe um kreative Aktionen und politische Inhalte, nicht um Straftaten: „Die Brände kann man in keinster Weise kleinreden, sie haben aber mit unserem Aktionskonsens auch nichts zu tun.“ Man wolle friedlichen Widerstand gegen das Bahnprojekt leisten. Gewalt sei zu verurteilen, nicht weiterführend und zerstöre zudem Sympathien in der Bevölkerung.

Ähnlich äußert sich das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21. Man lehne „entschieden jegliche Form von Gewalt und Sachbeschädigung ab“, sagte Sprecherin Friederike Perl am Montag. Es sei aber auch verwerflich, wenn das Fehlverhalten Einzelner genutzt werde, um die friedliche Protestbewegung insgesamt in Verruf zu bringen. Ob es Zusammenhänge gibt, muss nun die Polizei klären.

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