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Stuttgart 21 Polizei ermittelt wegen Brandanschlags

Götz Schultheiss, vom 20.02.2012 12:52 Uhr
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Stuttgart - Am Sonntagmorgen gegen 7.45 Uhr haben 40 kunststoffummantelte Wasserleitungsrohre für das Grundwassermanagement des Bahnprojekts Stuttgart 21 gebrannt. Sie sind in einem umzäunten Lagerplatz im Rosensteinpark gestapelt worden und wurden nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft vermutlich angezündet. Selbstentzündung oder technische Ursachen seien nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen auszuschließen. Angaben über den Sachschaden liegen noch nicht vor. Die Polizei schließt nicht aus, dass der Brand mit dem Bahnprojekt Stuttgart 21 zusammenhängt. Anwohner hatten unterhalb des Schlosses Rosenstein dichten Qualm aufsteigen sehen und die Rettungsdienste alarmiert. Experten des Branddezernats der Kriminalpolizei ermitteln weiter. Unklar ist ebenfalls noch, ob ein Zusammenhang mit dem Brand an der Kabeltrasse des Rosensteintunnels am vergangenen Freitag besteht. Bei ihren Ermittlungen hatte die Polizei am Freitag die Wohnung eines Verdächtigen durchsucht. Mit weiteren Informationen, so ein Polizeisprecher, sei erst an diesem Montag zu rechnen.

Blanke Nerven bei S21-Gegnern

Für Zündstoff in der Bevölkerung sorgt der Kahlschlag im Schlossgarten zwischen Bahnhofs-Südflügel und Gebhard-Müller-Platz. Dort wurden nach Angaben des Stuttgart-21-Projektsprechers Wolfgang Dietrich bis Samstag 16 von 68 Bäumen verpflanzt und 85 Prozent von 108 Bäumen gefällt. Ab diesem Montagmorgen, 4 Uhr, sollen weitere Fällungen im Bereich der Staatsgalerie und ab 7 Uhr weitere Verpflanzungen folgen. Dietrich: „Wir liegen mit den Baumarbeiten voll im Zeitplan.“

Der plattgeschredderte Schlossgarten legt bei den Projektgegnern die Nerven blank: Bei einem Demonstrationszug im Anschluss an eine Großkundgebung auf dem Schlossplatz am Samstag zogen nach Veranstalterangaben 5000, nach Polizeischätzungen 2500 Menschen über Planie, Charlottenplatz und Konrad-Adenauer-Straße zum Ort des Geschehens. Dort schlugen ab 16.15 Uhr die Emotionen hoch: Vielen Demonstranten standen Tränen in den Augen, bei vielen gewann der Zorn die Oberhand. Rufe wie „Die machen alles nieder!“ waren zu hören, dann hallten den Polizisten, die das Areal gegen Eindringlinge sicherten, „Haut ab“- und „Unser Park“- Sprechchöre entgegen. An der Grünfläche im Bereich Schillerstraße/Gebhard-Müller-Platz verstärkte die Polizei ihre Kräfte, um das Eindringen der Demonstranten in den gesperrten Schlossgarten zu verhindern. Dabei gelang es sechs berittenen Polizeibeamten nur mit Mühe, ihre Pferde ruhig zu halten. Bei den hitzig geführten Diskussionen kam es zu einzelnen Rangeleien zwischen Protestierern und Polizeibeamten. Ein Demonstrant wurde im letzten Moment daran gehindert, die Polizeiabsperrung zu übersteigen. Aufforderungen der Beamten über Megafon, der Demonstrationszug möge in Richtung Bahnhof weitergehen und die Kreuzung des Gebhard-Müller-Platzes für den Verkehr frei machen, gingen im Protestgeschrei unter. Ein Demonstrant schrie in Richtung Polizei: „Lernt erst einmal etwas Vernünftiges, ihr Polizisten, ihr Nieten in Grün!“

Emotionen kochen über

Gegen 17.15 Uhr schlossen sich nach Polizeiangaben mehrere Hundert Aktivisten zu einem Zug zusammen und begannen, die Fahrbahnen der Kreuzung am Gebhard-Müller-Platz komplett zu blockieren. Gegen 17.45 Uhr marschierte ein weiterer von Trommlern angeführter Zug in Richtung Planetarium. Er wurde in der Willy-Brandt-Straße gestoppt. Zur selben Zeit wurden 50 Personen, die den Einmündungsbereich von der Willy-Brandt-Straße in die Schillerstraße blockierten, von Ordnungskräften in die Schillerstraße und anschließend bis zur Kreuzung mit der Straße Am Schlossgarten zurückgedrängt. Erst nach Androhung der Personalienfeststellung und vorläufiger Festnahme zogen sich die Projektgegner zögerlich zurück.

Auch bei den blockierten Autofahrern scheinen die Emotionen übergekocht zu sein. So soll ein Autofahrer, der eventuell provoziert wurde oder nicht weiterfahren konnte, auf eine Person zugefahren sein. Die Polizei prüft, ob sie gegen ihn wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr ermitteln muss. Eine Projektgegnerin hat sein Auto vermutlich mit Fußtritten beschädigt. Der Sachschaden wird auf mehrere Hundert Euro beziffert. Gegen 19.15 Uhr traten nach Vermutungen der Polizei erneut Stuttgart-21-Aktivisten am Charlottenplatz auf die Fahrbahn, um den Verkehr zu behindern. Vor Eintreffen der Polizei war die Aktion jedoch beendet. Ab 19.30 Uhr war die Situation beruhigt, und sämtliche Straßen wurden wieder für den Verkehr freigegeben.

Informationen zu den mutmaßlichen Brandstiftungen nimmt die Kriminalpolizei unter der Telefonnummer 89 90 - 54 61 entgegen.

Kommentare (60)
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FEB
21
08:30 Uhr, geschrieben von Jürgen
Es waren nicht die Gegner!!!
An alle geifernden, hasserfüllten Proler: Der Brandanschlag geht nicht auf das Konto der Parkschützer, und sowohl Parkschützer als auch das Aktionsbündnis haben sich bereits von solchen Anschlägen klar distanziert. ######### http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.stuttgart-21-s-21-gegner-wehren-sich-gegen-kriminalisierung.ae9f5dce-aa73-4e04-83b2-5a6889eb4459.html ######### Auch hat sich herausgestellt, dass die Parkschützer nicht für das Basteln eines angeblichen Molotowcocktails verantwortlich sind. Der Verdächtige wurde freigelassen. ######### Der Kamerazerstörer des Wagenburgtunnels wohnte zwar im Zeltdorf, aber ob er überhaupt etwas mit S21 zu tun hat, durfte man bis heute nicht erfahren. Dort hatten sich bekanntermaßen auch viele Menschen niedergelassen, die nichts mit dem Protest zu tun hatten. Wäre er ein erklärter S21-Gegner, dem es um die Verhinderung des Tunnelbahnhofs geht, dann hätte man sicher davon lesen können. ######### Es gibt immer ein paar verwirrte, die über die Stränge schlagen, bei der S21-Gegnerschaft wie auch bei den Befürwortern, oder jeder anderen Gruppierung, auch in Wirtschaft und Politik. Die Masse der S21-Kritiker hat sich bereits von frühzeitig von etwaigen Gewaltaktionen distanziert. Es ist allerdings bezeichnend, wie die Proler hier mit aller Schärfe gegen die S21-Kritiker hetzen und immer weiter Öl ins Feuer gießen. Ich habe noch keinen einzigen Befürworter-Kommentar gelesen, der sich von dieser Hatz distanziert hätte.
FEB
21
08:18 Uhr, geschrieben von Feststellung
Eine "Mehrheit" für S21 gibt es nicht
Man kann hier immer wieder lesen, die Mehrheit der Bürger sei für den Bau von S21. Das ist gleich mehrfach falsch. ****(1.) Die Volksabtimmung wurde nicht über das Projekt S21 durchgeführt. Es ging um die Frage, ob die Landesregierung verpflichtet werden soll, finanziell aus S21 auszusteigen. Nun ist sie eben nicht dazu verpflichtet worden, kann es aber immer noch, wenn sie Anlass dazu sieht. ****(2.) Es ging nur um den Finanzierungsanteil der bislang vereinbarten 930 Millionen Euro. Für Beteiligungen darüber hinaus wurde ebenfalls nicht abgestimmt. Das Land hat auch hier freien Handlungsspielraum. ****(3.) Mehrheitsverhältnisse ändern sich laufend. Um ein Haar hätte es zum Zeitpunkt der VA wieder eine Mehrheit in Stuttgart gegen S21 gegeben, da der komfortable Vorsprung der Befürworter in den Monaten zuvor kontinuierlich gesunken ist. 1-2 Wochen später, und die Mehrheit gegen S21 wäre wieder da gewesen, wie in den Jahren zuvor. Auch die Mehrheit im Land war geschmolzen. Wie sind die Mehrheitsverhältnisse heute? Warum gibt es keine aktuelle Umfrage? ****(4.) Nach der Schlichtung hat sich die überwältigende Mehrheit von 69% der Baden-Württemberger für die ernsthafte Verhandlung des Kombibahnhofs ausgesprochen. Volkes Wille wurde aber weder direkt, noch bei der Fragestellung des Volksentscheids, berücksichtigt. Warum nicht? Repräsentative Umfrage von TNS Infratest Politikforschung im Auftrag der Freien Universität (FU) Berlin (August 2011): 69 Prozent der rund 1000 Befragten sprachen sich Anfang August für eine ernsthafte Verhandlung des Vorschlages aus. (http://www.fr-online.de/stuttgart-21/stuttgart-21--der-kombi-bahnhof-ist-besser-,4767758,8773016,view,asFitMl.html)
FEB
21
07:37 Uhr, geschrieben von Andrea
Lieber Bodenseeler, in Ihrer Selbstgerechtigkeit vergessen Sie zu vieles.
z. b. dass uns mit Riesenaufwand eine völlig unverbindliche Schlichtungsshow vorgespielt wurde um "Bürgerbeteiligung" zu simulieren. Oder die Volksabstimmung - worüber haben wir abgestimmt? S21? S21Plus? Oder doch nur das Landesgeld? Erinnern Sie sich wenigstens noch an die Grundlügen, die hießen "das kostet Euch nichts, bringt aber eine Verbesserung im Bahnverkehr"? Nein? Aha, dann sollten Sie noch einmal nachdenken.
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