Stuttgart 21 Gerlinde Kretschmann wird nicht Tunnelpatin

Von dpa/lsw 

Gerlinde Kretschmann will beim Bau des umstrittenen Bahnprojekts S21 keine Patenschaft für einen Tunnel übernehmen. "Die mir angetragene Patenschaft ist eine große Ehre, aber ich bin bis heute nicht von dem Gesamtprojekt Stuttgart 21 überzeugt“, teilte sie mit.

Stuttgart - Gerlinde Kretschmann will beim Bau des umstrittenen Bahnprojekts Stuttgart 21 keine Patenschaft für einen Tunnel übernehmen. „Die mir angetragene Patenschaft ist eine große Ehre, aber ich bin bis heute nicht von dem Gesamtprojekt Stuttgart 21 überzeugt“, teilte die Frau von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Freitag in Stuttgart mit. Es ist unklar, wer stattdessen die die Patenschaft für den S21-Tunnel zwischen Innenstadt und Flughafen übernehmen wird.

Im Gespräch ist unter anderem Tülay Schmid, Ehefrau von Finanzminister und S21-Befürworter Nils Schmid (SPD). Aus dessen Ministerium hieß es jedoch, dass noch keine Anfrage eingegangen sei. Auch beim Kommunikationsbüro der Bahn gab sich ein Sprecher bedeckt. Er könne zwar bestätigen, dass die Absage von Gerlinde Kretschmann eingegangen sei, doch darüber hinaus könne nichts zum Stand der Patensuche gesagt werden.

"Ich wünsche allen Beteiligten auf jeden Fall ein kräftiges Glückauf"

In ihrer Absage hatte Gerlinde Kretschmann erklärt, dass sie über die Diskussion in den vergangenen Tagen ohnehin verwundert sei: „Bei mir hat sich die Bahn bis heute nicht gemeldet.“ Sie habe sich aber geehrt gefühlt, dass die Tunnelbauer und Bergarbeiter sie als Patin hätten haben wollen. „Ich weiß zu schätzen, welche großartigen Leistungen die Arbeiter vollbringen“, erklärte sie. „Ich weiß: Vor der Hacke ist es dunkel. Ich wünsche allen Beteiligten auf jeden Fall ein kräftiges Glückauf.“

Ursprünglich hatte Bahnchef Rüdiger Grube den Ministerpräsidenten angesprochen, ob seine Frau die Patenschaft übernehme. Damit hatte Grube Projektgegner Kretschmann in eine prekäre Lage gebracht, weil ein solches Ehrenamt üblicherweise nur schwer abzulehnen ist. Schnell sagte der Politiker, dass er seiner Frau nicht vorgreifen wolle, räumte aber auch ein: „Ich würde ihr raten, das nicht zu tun.“

Bergleute suchen seit dem Mittelalter hochrangige Frauen als Schutzpatroninnen für ihre gefährliche Arbeit. Sie sind beim Tunnelanschlag dabei und geben den Röhren ihren Namen. Als irdische Stellvertreterinnen der heiligen Barbara, einer Märtyrerin aus dem 3. Jahrhundert, sind sie die einzigen Frauen, die während des Vortriebs die Baustelle betreten dürfen. Die Bahn braucht für 16 Tunnel zwischen Stuttgart und Ulm geeignete Patinnen.

 

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