Am Stuttgarter Nordbahnhof wird vorerst kein zusätzlicher Halt für Regionalzüge eingerichtet. Stadt, Land und Region legen entsprechende Überlegungen nach ersten Erkenntnissen auf Eis. Die Verzögerungen bei Stuttgart 21 spielen auch eine Rolle.
Die von Stadt, Land und Region gemeinsam vorangetriebene Idee eines zusätzlichen Halts für Regionalzüge am Stuttgarter Nordbahnhof hat sich vorerst erledigt. Entsprechende Informationen unserer Redaktion hat nun das Landesverkehrsministerium bestätigt. „Die Partner sind derzeit der Meinung, dass die Realisierung des Nordhalts zunächst zurückzustellen ist“, erklärt ein Sprecher von Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne). Die neuerliche Verzögerung bei Stuttgart 21 hat die Entscheidung zusätzlich begünstigt.
Fehlender Bahnsteig
Die Idee des Nordhalts steht in Zusammenhang mit Überlegungen, was mit dem als Panoramabahn apostrophierten Abschnitt der Gäubahn zwischen Nordbahnhof und Vaihingen anzufangen sei, wenn diese im Zuge von Stuttgart 21 ihren direkten Anschluss an den Hauptbahnhof verliert. Stadt, Land Region und die DB InfraGo (vormals DB Netze) hatten sich 2023 in einem Kooperationsvertrag darauf verständigt, die Strecke erhalten zu wollen. Weil die Verbindung zum Hauptbahnhof gekappt wird, könnten Züge statt in die Innenstadt in Richtung Feuerbach und in den Norden der Region rollen. Eine entsprechende Gleisverbindung existiert im Bereich es Nordbahnhofs, lediglich ein Bahnsteig fehlt an dieser Stelle.
Die notwendige Instandsetzung der Bahnstrecke, die sich am nördlichen Kesselrand durch die Halbhöhe hinauf nach Vaihingen schlängelt und dabei auch zwei Tunnel aus den 1870er-Jahren passiert, ist aufwendiger als zunächst angenommen. „Bei den aufgenommenen Projektplanungen wurde festgestellt, dass die notwendige Sanierung der Strecke und die Erneuerung der Leit- und Sicherungstechnik mehrere Jahre beanspruchen“, sagt der Ministeriumssprecher. Der Nordhalt hätte auch als Umsteigeort in der Zeit dienen sollen, in der die Gäubahn nicht mehr zum Hauptbahnhof fährt und die alternative Führung über den Flughafen noch nicht fertig ist. Durch die lange Sanierungszeit verringere sich „der Interimsnutzen des geplanten Nordhalts erheblich. Hinzu kommt, dass die Verbindungsgleise zum Kopfbahnhof – und damit auch die Anbindung der Panoramabahn an diesen – länger in Betrieb gehalten werden als zuletzt vorgesehen“, so Hermanns Sprecher. Die für Mitte 2025 geplante Kappung der Strecke verschiebt sich wegen der neuerlichen Terminprobleme mit Stuttgart 21 mindestens um ein Jahr. Der Kopfbahnhof bleibt auch 2026 noch in Betrieb.
Kosten im zweistelligen Millionenbereich
Dies alles habe dazu geführt, „dass der zeitliche Nutzen der Interimslösung in keinem tragbaren Verhältnis mehr zu den Kosten von über 50 Millionen Euro für Sanierung der Strecke, Bau und Anbindung des Nordhalts steht“, sagt der Ministeriumssprecher. Die derzeit laufende Entwurfsplanung – der dritte Schritt in einem Prozess von insgesamt fünf Phasen – solle noch abgeschlossen werden. Eine spätere Wiederaufnahme der Planungen sei damit möglich. „Da dem Land bisher keine konkreten Angaben der DB zur Unterbrechung der Gäubahn vorliegen, können keine Angaben zu einer möglichen Wiederaufnahme getroffen werden“, sagt der Sprecher.