Auf dem Weg zum Flughafen drohen der S-Bahn mit Stuttgart 21 Einschränkungen Foto: Leif Piechowski

Ein neues Gutachten der Technischen Universität Dresden weist für den von der Bahn geplanten Flughafenanschluss beim Projekt Stuttgart 21 erneut erhebliche Defizite nach. „Unsere abschließende Bewertung ist, dass wir den Bau dieser Infrastruktur nicht empfehlen können“, sagt der Gutachter Uwe Steinborn.

Stuttgart - Der Schienenkonzern kommt dadurch unter Druck, denn ob die Bahn-Pläne genehmigungsfähig sind, ist nun fraglich. Über die Freigabe entscheidet das Eisenbahn-Bundesamt (Eba) in Bonn. Steinborn hatte bereits im September 2014 von einer „labilen Betriebsqualität“ gesprochen. Verspätungen der S-Bahn und von Nah- und Fernverkehrszügen könnten nicht abgebaut werden. Sie würden zunehmen. Außerdem unterschreite die Bahn Pufferzeiten aus eigenen Regelwerken. Das System fahre „ohne jede Reserve“, was für eine neue Infrastruktur nicht angemessen sei.

Über die Einschätzung des Wissenschaftlers kann das Eba nicht einfach hinweggehen. Das Institut für Bahnsysteme und Öffentlichen Verkehr der Uni Dresden gilt als anerkannte Institution. Vor der Veröffentlichung des ersten Gutachtens hatte die Stuttgart-21-Projektgesellschaft erklärt, der Gutachter sei seriös, man nehme seine Ausarbeitung sehr ernst. Das hinderte die Bahn allerdings nicht daran, Steinborn trotz dessen schriftlicher Nachfrage mit veralteten Fahrplandaten rechnen zu lassen.

Die Simulation musste daher auf Kosten der Bahn und nicht auf Kosten des Auftraggebers Leinfelden-Echterdingen wiederholt werden. „Wir sehen unsere Argumentation durch das Gutachten gestützt“, sagt Eva Noller, Erste Bürgermeisterin in Leinfelden-Echterdingen. Die Kommune befürchtet, dass der S-Bahn-Takt als Folge der mit Stuttgart 21 vorausgesagten Betriebsprobleme letztlich eingeschränkt werden müsste.

Der Bahn-Infrastrukturvorstand Volker Kefer will am kommenden Freitag mit Land, Stadt und Region Stuttgart über Varianten am Flughafen verhandeln. Neben der von der Bahn beantragten Trasse, die Züge aus Singen (Gäubahn) über die S-Bahn-Gleise an den Airport führen sollen, sind zwei Alternativen im Gespräch. Beide würden den gemischten Verkehr aus Fern-, Regionalzügen und S-Bahn am Flughafen entkoppeln. Die Bahn sieht die gemeinsame Nutzung des S-Bahn-Halts vor. Die Schnellbahn wird damit im Terminal auf nur ein Gleis zurückgebaut. Die Varianten würden Mehrkosten von 80 bis 224 Millionen Euro bedeuten.

Das Gutachten schwächt Kefers Verhandlungsposition erheblich, auch wenn die Bahn weiter behauptet, ihre Pläne funktionierten. „Der Regionalverband wird nicht zusätzlich dafür zahlen, dass die Bahn bei einem Neubau die alte Pünktlichkeit der S-Bahn nur halten kann“, sagt Regionalpräsident Thomas Bopp (CDU).

Zuzahlen werde man nur dann, wenn es einen „Mehrwert“ gebe, sich zum Beispiel baulich später eine neue Verbindung von den Fildern ins Neckartal ergebe. Auch der Flughafen will nicht weitere Millionen beisteuern. Das Land lehnt Mehrkosten kategorisch ab. Die Bahn solle Alternativen aus dem Projektbudget bezahlen, heißt es im Verkehrsministerium von Winfried Hermann (Grüne).

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