Die Bauarbeiter für Stuttgart 21 gehen stetig weiter. Foto: www.7aktuell.de/Gerlach

Kefer will langsamer bauen, bis Genehmigung zu höheren Grundwasserentnahme vorliegt.

Stuttgart - Die Deutsche Bahn will wie geplant Anfang 2013 im Talkessel mit dem Bau des Tiefbahnhofs beginnen – obwohl sie auf die äußerst wichtige Genehmigung für eine verdoppelte Entnahme von Grundwasser in diesem Bauabschnitt wohl bis Herbst 2014 warten muss.

„Wir werden und dürfen auf der Grundlage des bestehenden Planfeststellungsbeschlusses im ersten Quartal 2013 mit dem Bau beginnen“, betonte am Mittwoch Volker Kefer, Vorstand für Technik und Infrastruktur der Deutschen Bahn, im Gespräch mit unserer Zeitung. Weil besagte Genehmigung aus dem Jahr 2005 nur das Abpumpen von maximal drei Millionen Kubikmeter Grundwasser in der siebenjährigen Hauptbauzeit erlaubt – und ungeachtet dessen, dass die Bahn im April 2011 die Erhöhung auf bis zu 6,8 Millionen Kubikmeter für nötig erachtet und beantragt hat –, will die Bahn den Bauablauf zunächst zeitlich strecken. So soll ein größerer Wasserandrang vermieden werden.„Wir werden also nicht wie vorgesehen zwei oder drei Baugruben gleichzeitig öffnen, sondern nacheinander“, so Kefer.

Auch an der 2005 festgeschriebenen Abfolge von 25 Baugruben werde man festhalten, sagte Kefer. Die erste Baugrube für den Tiefbahnhof würde demnach im Schlossgarten beim alten Omnibusbahnhof entstehen. Gesamtprojektleiter Stefan Penn hatten vor wenigen Tagen noch erklärt, dass auch die Abfolge der Gruben angepasst werde.

„Wir sind in diesem Abschnitt von Stuttgart 21 zeitlich nicht auf einem kritischen Pfad“, sagte Kefer am Mittwoch. Die Bahn geht sogar davon aus, dass es im Zeitplan des Bahnhofsbaus eine Reserve von bis zu zwei Jahren gibt. Auf Nachfrage wollte der Manager nicht ausschließen, dass sich durch die Änderung des Bautakts auch die Baukosten erhöhen. Zurzeit werde mit der Stuttgarter Baufirma Züblin, die den Tiefbahnhof errichtet, darüber verhandelt. „Wir wollen das so aufwandsarm wie möglich halten“, sagte Kefer. Summen könne er keine nennen.

Bahn geht von Reserve von ein bis zwei Jahren aus

Hintergrund für die Verzögerung der Genehmigung für 6,8 Millionen Kubikmeter ist der Entschluss des Eisenbahn-Bundesamts, in dem Änderungsverfahren eine öffentliche Anhörung für alle Bürger einzubauen. Dadurch dürfte sich die Erlaubnis laut Bahn bis zum Herbst 2013 verzögern. „Wir gehen aber davon aus, dass wir die weitere Genehmigung erhalten“, betonte Kefer. Beim sogenannten Grundwassermanagement pumpt die Bahn Grundwasser aus den Baugruben ab, reinigt es und infiltriert es zurück ins Erdreich. Das ist deshalb wichtig, weil das Grundwasser einen statischen Gegendruck auf die tiefer liegende Mineralwasserschicht ausübt und mit dazu beiträgt, dass diese sensible Schicht ungestört bleibt.

Umplanung der Bahn stößt bei Stadt und Land auf Skepsis

Für den Lenkungskreis, das höchste Entscheidungsgremium der Projektpartner, ist der geänderte Bautakt kein Thema, meinte Kefer. Doch die Umplanung stößt bei Stadt und Land auf große Skepsis. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat die Bahn bereits wegen mangelhafter Glaubwürdigkeit gerügt. „Die Aussagen der vergangenen Tage können sicher nicht als vertrauensbildende Maßnahmen gewertet werden“, erklärte OB Wolfgang Schuster (CDU) am Mittwoch. Die Bürger hätten einen „Anspruch“ darauf, dass die Bahn erkläre, wie das Grundwassermanagement funktioniert.

„Im Herbst soll unser Bürgerforum S 21 tagen“, sagte Schuster. „Dort soll die Bahn alle Fakten auf den Tisch legen, verständlich erläutern und alle Fragen der Bürger beantworten.“ Das habe er mit Kretschmann abgesprochen. Auch die Experten der Stadt würden so lange mit der Bahn sprechen, bis „keine das Grundwasser betreffenden Fragen offen sind“, versprach Schuster.

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