Ausgewertet wurden etwa 100 000 Beiträge von Nachrichtenmedien, die bei Facebook veröffentlicht wurden. Foto: dpa/Richard Drew

Wissenschaftler der Universität Münster haben die Berichterstattung der klassischen Medien über die Corona-Pandemie analysiert. Das Ergebnis fällt weitgehend positiv aus, einen Kritikpunkt aber gibt es.

Münster - Kein systematisches Dramatisieren, sondern eine breit aufgestellte und differenzierte Berichterstattung - dieses Zeugnis stellt eine große Studie den klassischen Medienhäusern in Deutschland für die ersten drei Monate nach Ausbruch des Coronavirus aus. Für die Analyse der Universität Münster hat ein vierköpfiges Forscherteam um den Kommunikationswissenschaftler Thorsten Quandt etwa 100 000 Beiträge von 78 Nachrichtenmedien ausgewertet, die von Anfang Januar bis zum 22. März bei Facebook veröffentlicht wurden. Etwa 18 000 dieser Beiträge beschäftigten sich mit der Lungenkrankheit Covid 19.

„In den ersten drei Monaten der Corona-Krise kam es zu keinem allgemeinen Systemversagen des Journalismus’. Das heißt, dass wir in der Gesamtheit keine umfassenden Tendenzen zu unkritischer oder hysterischer Berichterstattung gefunden haben. Die von Kritikern geäußerten Vorwürfe, dass es eine überwiegende Negativberichterstattung oder einseitige Panikmache gegeben hätte, können wir durch unsere Analysen nicht bestätigen“, betonte Thorsten Quandt.

Kritik am „Horse-Race-Reporting“

Quandt kritisiert allerdings, dass es teilweise zum sogenannten „Horse-Race-Reporting“ gekommen sei. Wissenschaftler sprechen von diesem Effekt, wenn wie in der Sportberichterstattung nur vom Ergebnis wie einem 1:0 die Rede ist und jede Einordnung und Analyse fehlt. Im Fall der Corona-Krise wurde demnach zum Teil anfangs über die Infektionszahlen und die Toten „wie bei einem Sportwettbewerb berichtet“, heißt es in einer Mitteilung der Uni Münster zur Studie.

Die Untersuchung über die klassischen Medien folgt einer Auswertung von sogenannten alternativen Nachrichtenseiten im deutschsprachigen Internet, die das Team um Quandt im April veröffentlich hatte. Damals hatten die Forscher festgestellt, dass dort weniger falsche Nachrichten verbreitet worden seien als vermutet. Dafür zeigte die Analyse, dass die Alternativmedien vermehrt Verschwörungstheorien in der Corona-Krise verbreitet hatten.

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