Lichtschalter: Stromsparen gehört heute zum guten Ton – Gut so! Denn so lässt sich Geld sparen und Umweltschutz betreiben Foto: Fotolia

Ein Preisschock bei Strom wie zu Beginn vergangenen Jahres ist 2014 bislang ausgeblieben. Allerdings lohnt es sich noch immer, sich einen anderen Energieanbieter auszusuchen. Die Zahl der günstigen Alternativen ist groß.

Stuttgart/Heidelberg - Ein Preisschock bei Strom wie zu Beginn vergangenen Jahres ist 2014 bislang ausgeblieben. Allerdings lohnt es sich noch immer, sich einen anderen Energieanbieter auszusuchen. Die Zahl der günstigen Alternativen ist groß. Ein Überblick:
 
Warum steigen die Strompreise überhaupt?
In den vergangenen Jahren gab es stets zwei wiederkehrende Begründungen für Preissteigerungen – höhere Beschaffungskosten für Kohle, Öl und Gas sowie höhere Belastungen für den Ausbau erneuerbarer Energien und der Energienetze. Bis 2008 überwog das erste Argument, danach musste der Ökoenergieausbau als Rechtfertigung für Preissprünge herhalten. Besonders die EEG-Umlage erlangte in diesem Zusammenhang einige Bekanntheit. Sie beträgt aktuell 6,24 Cent und ist Bestandteil des Brutto-Endkundenstrompreises, der deutschlandweit durchschnittlich bei etwa 29 Cent liegt.
Wann lohnt sich der Anbieterwechsel?
Besonders wer noch nie seinen Anbieter gewechselt hat, kann sparen. Diese Stromkunden haben nämlich den oft vergleichsweise teuren Grundversorgungstarif ihres lokalen Anbieters gebucht. Aber auch Kunden, die nicht in den teuren Grundversorgungstarifen verharren, können Geld sparen. Allerdings sind die Deutschen ziemliche Wechselmuffel. Auch rund 16 Jahre nach Beginn der Liberalisierung der Energiemärkte beziehen nach Daten der Bundesnetzagentur noch 37 Prozent der deutschen Haushalte Grundversorgungsstrom und haben damit noch nie gewechselt.
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Wer wechselt?
Besonders ältere Menschen reagieren nach einer Untersuchung des Berliner Dienstleistungsportals Toptarif auf Preiserhöhungen ihrer Versorger immer sensibler. So hat sich der Anteil der Senioren ab 50 Jahren, die ihren Stromanbieter übers Internet wechseln, erhöht. Gut 40 Prozent aller Online-Anbieterwechsel werden mittlerweile von Personen über 50 Jahren vorgenommen. Die Hemmschwelle für den Anbieterwechsel in dieser Altersklasse sinkt, sagt Daniel Dodt von Toptarif.
Wie viel lässt sich durch einen Anbieterwechsel sparen?
Eine Durchschnittsfamilie, die noch nie ihren Anbieter gewechselt hat und sich jetzt für den günstigsten Versorger entscheidet, kann mehrere Hundert Euro im Jahr sparen. „Inklusive Wechselbonus rund 300 Euro, ohne ihn deutlich über 200 Euro pro Jahr“, sagt Florian Krüger von Verivox. In manchen Regionen ist sogar noch deutlich mehr drin. Das größte Sparpotenzial hat nach einer aktuellen Auflistung von Verivox die Stadt Schwäbisch Gmünd – eine Familie mit 4000 Kilowattstunden Jahresverbrauch spart hier 414 Euro. In Pforzheim sind es immerhin noch 408 Euro, in Göppingen 371 Euro, Stuttgart 318 Euro, Heilbronn 293 Euro, Karlsruhe 286, Waiblingen 277 Euro.
Wie wechsele ich den Anbieter am besten?

Ein Anbieterwechsel ist leicht verständlich, geht schnell und birgt keine Gefahren. Der erste Schritt besteht darin, sich über seine aktuellen Stromkosten klarzuwerden. Dazu genügt ein Blick in die letzte Jahresabrechnung. Darauf sind auch der Grund- und der Arbeitspreis vermerkt. Der Grundpreis ist ein Fixbetrag, der monatlich für die ­Stromlieferung anfällt, der Arbeitspreis bezeichnet die Kosten der Kilowattstunde Strom in Cent. Diese Daten dienen als Referenz für Vergleichsangebote, die sich am einfachsten im Internet über Portale wie Toptarif.de oder Verivox.de herausfinden lassen. Beim Blick auf die Seiten sollte man sich vergewissern, ob alle entsprechenden Häkchen – davon gibt es mittlerweile eine ganze Menge – richtig gesetzt sind. Wer kein Internet hat, orientiert sich etwa an der Auswahl in unserer Zeitung oder ruft die Versorger direkt an. Wenn man sich für einen Tarif entschieden hat, genügt ein Anruf beim neuen Versorger. Der übernimmt alle notwendigen Schritte.

Kommt man leicht aus seinem alten Vertrag heraus?
Jeder Vertrag hat Kündigungsfristen, wobei die Regelungen bei Grundversorgungsverträgen meist am kundenfreundlichsten sind. Sie betragen maximal vier Wochen zum Ende des Kalendermonats. Bei Stromsondertarifen gibt es teilweise stark abweichende Fristen. Verbraucherschützer empfehlen grundsätzlich Verträge mit kurzen Vertragslaufzeiten. Bei Preiserhöhungen haben die Kunden ein Sonderkündigungsrecht. Gleiches gilt, wenn der Energieversorger die Vertragsbedingungen des Angebots ändert. Auch wer seine Wohnung kündigt und auch seinen alten Stromanbieter nicht mehr behalten will, hat gute Chancen, das auch durchzusetzen.
Auf was sollte bei der Wahl des neuen Vertrags geachtet werden?
Wem es nichts ausmacht, jedes Jahr den Versorger zu wechseln, kann bei der Wahl der Angebote Boni und Rabatten Augenmerk schenken. Viele Versorger gewähren Neukunden Rabatte, die hoch ausfallen und den Preis des Angebots im ersten Jahr gewaltig drücken. Seit neuestem zahlen einige Anbieter, etwa Vattenfall oder Eprimo, sogenannte Direktboni, die dem Kunden nicht erst nach Monaten, sondern direkt ausgezahlt werden. Boni und Rabatte, die einmalig gezahlt werden, täuschen allerdings darüber hinweg, dass die laufenden Kosten des Angebots – also Grund- und Arbeitspreis – vielleicht etwas höher als normal sind. Wechselmuffel sind daher gut beraten, sich ausschließlich am Grund- und Arbeitspreis des Stromangebots zu orientieren.
Preisgarantien, Vorauskasse und Online-Tarife – was ist sinnvoll?
Besonders Preisgarantien sind nach Expertenmeinung für Stromangebote fast unverzichtbar, doch Preisgarantie ist nicht Preisgarantie. Am besten sind vollumfassende Garantien, die die Kosten des Tarifs für mindestens ein Jahr zementieren. Die meisten Unternehmen gewähren sogenannte eingeschränkte Preisgarantien. Diese beziehen sich nicht auf Steuern und Umlagen. Steigen sie an, darf auch der Versorger sein Angebot nach oben anpassen. Von Vorauskassemodellen raten Verbraucherschützer ab. Online-Tarife dagegen setzen sich immer stärker durch. Wie bei Versicherungsverträgen auch, muss der Kunde die Abwicklung im Internet vornehmen, hat dafür aber auch meist eine Kostenersparnis.
Wie erkennt man echte Ökotarife?
In Deutschland gibt es nur eine Handvoll Versorger, die sich ausschließlich auf Ökostrom spezialisiert haben. Meist sind das Öko-Pioniere, die sich im Lauf der Jahre zu professionellen Stromanbietern gemausert haben. Dazu gehören etwa die baden-württembergischen Anbieter EWS Schönau und Lichtblick oder Naturstrom und Greenpeace Energy. Diese Firmen investieren in Hackschnitzelanlagen und Biogas oder Solar-, Wasser- und Windkraft und betreiben mitunter auch eigene Anlagen. Eine Vielzahl anderer Energieversorger kauft Ökostrom zu und lässt sich diesen zertifizieren, etwa durch den Tüv, das Ok-Power-Siegel oder das Grüner-Strom-Label. Diese entsprechen ebenfalls harten Öko-Kriterien. Umstritten sind dagegen sogenannte Recs-Zertifikate. Sie taugen nicht als Ausweis für Ökostrom, weil sie nicht ausschließen, dass am Ende Atomstrom in der Leitung landet.
Welche Trends gibt es?
Bei einigen Anbietern gibt es einen neuen Trend zur Einfachheit. Besonders Stadtwerke verzichten auf ein Sammelsurium unterschiedlicher Tarife. Die Stadtwerke Stuttgart (SWS) etwa verkaufen ausschließlich Ökostrom, den die Ökopioniere der EW Schönau liefern. Zudem gibt es nur einen Strom- und Gastarif, der sowohl für Privat als auch für kleine Gewerbekunden gilt . Das soll die Angebote transparent machen, heißt es von den SWS.
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