Am 7. Dezember ist ein Solarpark mit einer Leistung von 13,5 MWp ans Netz gegangen; die erzeugte Energie zahlt aufs Stuttgarter Klimaziel ein – mit einer geografischen Besonderheit.
Die Solarproduktion der Stadt Stuttgart ist dieser Tage sprunghaft angestiegen. Allerdings sammeln die 24 000 PV-Module, die nach Angaben der Stadtwerke Stuttgart am 7. Dezember in Betrieb genommen wurden, den Sonnenstrom nicht im Stadtgebiet von Stuttgart ein. Die Großanlage befinden sich rund 140 Kilometer weit entfernt.
Ihren ersten Freiflächen-Solarpark haben die Stuttgarter Stadtwerke bei Niederkirchen in der Westpfalz im Oktober vom Projektentwickler ABO Wind erworben, nun ist er ans Netz gegangen. Er produziert fortan eine Spitzenleistung von 13,5 Megawattpeak (MWp). Dies entspricht in etwa der Leistung von rund 1300 Solaranlagen auf Einfamilienhäusern (mit jeweils zehn Kilowattpeak).
Ziel ist, dass Stuttgart bis 2035 emissionsfrei ist
Der Solarpark auf erhöhter Lage außerhalb des Ortsteils Heimkirchen (Landkreis Kaiserslautern) hat eine Fläche von 13,5 Hektar. „Mit dieser ersten PV-Freiflächenanlage weiten wir unsere solare Energieproduktion entscheidend aus“, sagte Peter Drausnigg, technischer Geschäftsführer der Stadtwerke. Die Investition von nach eigenen Angaben rund 15 Millionen Euro soll auf das Ziel einzahlen, dass Stuttgart bis 2035 emissionsfrei wird. Erklärte Absicht sei, bis in zwölf Jahren Ökostrom in einer Erzeugungsmenge von etwa 1,7 Terawattstunden pro Jahr zu produzieren.
Freilich nicht nur mit Solaranlagen, sondern auch mit Windrädern. Wie nun beim Freiflächen-PV-Park in der Pfalz orientieren sich die Stadtwerke bei der Windenergie ebenfalls fernab von Stuttgart. Projekte, auf die die Stadtwerke dabei zählen, befinden sich beispielsweise in Jettingen (Landkreis Böblingen) oder auf der Zollernalb. Dass die erneuerbaren Energien dabei rein rechnerisch auf das Stuttgarter Klimaziel einzahlen, aber auf der Gemarkung anderer Kommunen eingesammelt werden sollen, stößt dabei nicht nur auf Wohlwollen. So hatten sich beispielsweise lokale Stimmen im Zollernalbkreis jüngst kritisch dazu geäußert.
Niederkirchen profitiert durch EEG-Umlage vom Solarpark
Dass der Solarpark auf der Gemarkung seiner Gemeinde an die Stadtwerke Stuttgart verkauft worden und am 7. Dezember in Betrieb gegangen ist, erfuhr Wolfgang Pfleger, der ehrenamtliche Ortsbürgermeister von Niederkirchen, erst durch den Anruf unserer Redaktion. Entsprechend überrascht war er. „Das finde ich extrem schade“, sagt er.
Niederkirchen sei eine kleine, finanzschwache Gemeinde mit rund 2000 Einwohnern, verteilt auf vier Ortsteile. Der Solarpark befinde sich nicht auf gemeindeeigenen Flächen. Dank der Umlage des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) bringe der Solarpark der Gemeinde etwa 36 000 Euro im Jahr ein. „Ein bisschen profitieren wir also auch“, sagt Pfleger. „Und wir sind für jede Einnahme dankbar.“
Ein Sprecher des Projektierers ABO Wind aus Wiesbaden räumt ein, dass eine andere Kommunikation „geschickter gewesen wäre“. Man habe die Gemeinde Niederkirchen zeitnah informieren wollen, von der Pressemitteilung der Stadtwerke Stuttgart habe man nichts gewusst. ABO Wind projektiere Anlagen für erneuerbare Energien, suche dann Investoren und kümmere sich im Auftrag des Kunden um den Betrieb, erklärt der Sprecher das Geschäftsmodell. So auch in Niederkirchen.