Streit um Wohnungsbau auf dem Baywa-Areal in Ludwigsburg Ersetzt Carsharing die Parkplätze?

Von Rafael Binkowski 

So sah das Baywa-Areal noch vor zwei Jahren aus. Die Gebäude sind gesprengt, nun sollen hier bald Wohnungen für 250 Menschen entstehen. Foto: factum/Archiv
So sah das Baywa-Areal noch vor zwei Jahren aus. Die Gebäude sind gesprengt, nun sollen hier bald Wohnungen für 250 Menschen entstehen. Foto: factum/Archiv

Auf dem Baywa-Areal sind zu wenig Stellplätze geplant für ein neues Wohnviertel, das löst Kritik aus.

Ludwigsburg - Eigentlich ist es eine rundum gute Nachricht: Endlich gibt es neue Wohnungen in Ludwigsburg. Genau gesagt 112 Stück, dazu 23 Business-Suiten und ein Gäste-Apartment. Gut 250 neue Ludwigsburger könnten dort alsbald leben. Das alles soll auf dem ehemaligen Baywa-Areal auf 1,9 Hektar entstehen, bis zu neun Stockwerke hoch. Verdichtetes Bauen in der Innenstadt, umgesetzt vom örtlichen Bauunternehmen Strenger, der neben dem neuen Wohnblock auch noch Gewerbe ansiedeln will und soll.

Doch das Ganze hat einen Haken: Für das Bauprojekt sind lediglich 116 Parkplätze und sechs Schnellladestationen für E-Fahrzeuge eingeplant. Nicht zu vergessen 184 Möglichkeiten, Fahrräder abzustellen. Doch es sind zu wenig Parkplätze für Autos, zumindest wenn es nach der so genannten Stellplatzverordnung geht, die das genau regelt. Um dieses Manko auszugleichen, hat sich Strenger ein schönes Modell ausgedacht: Eine kleiner Car-Sharing-Park, in Kooperation mit Daimler.

Ideologische Grundsatzdebatte

„Ein Pool von fünf Autos“, erklärt der Baubürgermeister Michael Ilk im Gemeinderat. Für jeden etwas: ein Smart, eine G-Klasse, eine A-Klasse. Nur die Bewohner der neuen Siedlung dürfen darauf zugreifen, per Handy kann das Auto gebucht werden. Das könnte, damit argumentiert neben Strenger auch die Stadtverwaltung, den Verkehr reduzieren. Und einen Teil der Parkplätze überflüssig machen, so das Kalkül. Doch zumindest die CDU im Gemeinderat hat starke Bedenken angemeldet, was wiederum zu einer ideologischen Grundsatzdebatte geführt hat. Es geht um Autos, Parkplätze, den Verkehr, die Wohnungsnot und die Frage, wie mobil der moderne Bürger noch sein soll oder darf.

In der einen Ecke des verbalen Boxkampfes: Der CDU-Rat Reinhold Noz. „Das wird nicht funktionieren“, schimpfte dieser. Er rechnet mit 180 Autos in dem Quartier, mindestens 150 Parkplätze seien dafür notwendig, alles andere würde ganz schnell zu Konflikten und wildem Parken führen. Da die Unionsfraktion aber das ganze Bauprojekt nicht weiter verzögern will, versucht es Noz mit einer „Aufforderung an die Ehre des Unternehmers Strenger“, wie er es nennt. Auch wenn es im Bebauungsplan nicht explizit gefordert werde, solle man doch mehr Parkplätze ausweisen.

In der anderen Ecke: die Grünen. Deren Fraktionschefin Elfriede Steinwand begab sich sofort auf die Palme, und wollte dort kaum wieder herunter kommen. „Das ist doch unmöglich“, echauffierte sie sich, „Sie wollen den Unternehmer indoktrinieren.“ Schließlich sei Strenger ein vernünftiger Mann, der wirtschaftlich kalkuliere.

Umgedrehte Vorzeichen

Steinwands Einwand: Kommt eine Tiefgarage dazu, werden die Wohnungen teurer und damit unerschwinglich für Menschen mit kleinem Einkommen. Und so sind die Vorzeichen umgedreht: Sonst steht die CDU meist treu an der Seite der Ludwigsburger Bauunternehmer, nun wird einer von ihnen von den Grünen verteidigt.

Und – noch kurioser – die Freien Wähler in Person ihres Rates Andreas Rothacker machen sich für Carsharing stark: „Das funktioniert in der Tübinger Straße in Stuttgart hervorragend.“ Zudem habe er mit Karl Strenger telefoniert, dieser sei offen für mehr Parkplätze. Das wollte wiederum auch OB Werner Spec „begrüßen“. SPD-Rätin Ulrike Faulhaber geriet ob der Debatte ins Philosophieren: „Wir stehen doch alle täglich im Stau, um Parkplätze zu suchen. Das ist doch überall so. Freuen wir uns doch, dass endlich Wohnungen gebaut werden.“ Dieser Appell schließt die ideologischen Gräben dann doch wieder.

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