Sprengung in Ludwigsburg Viel Pyrotechnik und ein lauter Knall

Von Ludwig Laibacher 

Großes Spektakel für 2000 Schaulustige: Mit einem gewaltigen Rums ist am Samstag der 30 Meter hohe Siloturm am ehemaligen Baywa-Areal in der Ludwigsburger Weststadt gesprengt worden.

Ludwigsburg - Der Rums war gewaltig, die Staubwolke danach auch: Pünktlich um 15 Uhr ist am Samstag der 30 Meter hohe Siloturm am ehemaligen Baywa-Areal in der Ludwigsburger Weststadt gefallen. Für die rund 2000 Schaulustigen, die laut der Polizei zur Sprengung gekommen waren, war es ein Spektakel, für das Bauunternehmen Strenger das Startsignal für den Neubau auf dem zwei Hektar großen Areal.

Die Experten von der Thüringer Sprenggesellschaft in Kaulsdorf hatten den Abriss akribisch geplant und das Gelände weiträumig abgesichert. Und sie hatten dafür gesorgt, dass die meisten Beobachter auf der Seite der Straße im Muldenäcker Position bezogen. Für viele bedeutete das jedoch, dass sie durch schlammiges Gelände waten mussten. Die Spreng- und die Immobilienfirma gaben dem Schauspiel mit Hilfe von filmreifer Pyrotechnik noch mehr Dramatik: Kurz vor der eigentlichen Explosion wurden magentafarbene Rauchwolken gezündet, und ein benzingefüllter Beutel in Brand gesetzt.

Turm fällt im rechten Winkel

Überraschend für viele Zuschauer: Der Turm neigte sich zwar, aber er fiel nicht völlig in sich zusammen. Als sich nach wenigen Minuten die große Wolke aus Schutt und Staub gelegt hatte, sah man das Bauwerk auf der Seite liegen – aber im Wesentlichen noch immer an einem Stück. Ursprünglich wollte der Sprengmeister den Siloturm so zum Einsturz zu bringen, dass er längs der Schönbeinstraße fällt. Doch dagegen haben einige Anwohner protestiert. Sie befürchteten, die Druckwelle könnte an ihren Häusern Schäden anrichten. Darum wurde in den Tagen vor der Sprengung das Konzept noch einmal überarbeitet, und die Sprenger kalkulierten mit einem neuen Fallwinkel. Nun sollte das 30 Meter hohe Silo im rechten Winkel zur Schönbeinstraße fallen – was auch glückte.

Dazu musste jedoch ein neues Fallbett eingerichtet und eine 35 Meter lange Fallgrube ausgehoben werden. Die Mehrkosten dafür betrugen nach Aussage der Firma Strenger 20 000 Euro. Außerdem waren Anwohner angehalten, nicht nur ihre Fenster zu schließen, sondern auch die Rollläden herunterzulassen. Nach Aussage der Polizei, die mit drei Streifen vor Ort gewesen ist, wurde in der Nachbarschaft nichts in Mitleidenschaft gezogen. „Es gab keine besonderen Vorfälle“, sagte ein Polizeisprecher später am Samstagnachmittag.

An der Stelle, an der sich das ehemalige Baywa-Areal befunden hat, solle das sogenannte Stadtquartier 2020 entstehen, sagte der Investor Karl Strenger, der das Gelände vor fünf Jahren gekauft hat. Da er sich noch an vieles aus der Geschichte des Areals erinnern könne, habe er ein Interesse daran, dass es bald eine Dokumentation darüber gebe.

Wohnen und Gewerbe

Auf einer Fläche von 1,7 Hektar sollen Wohnungen und Gewerbe nebeneinander existieren. „Zunächst war es so, dass die Stadtverwaltung dort nur Gewerbe ansiedeln wollte und wir nur Wohnungen“, sagte Strenger. Nach langen und harten Debatten habe man sich schließlich auf einen Kompromiss geeinigt.

Nun sind dort 109 Wohneinheiten geplant. Deren Bau solle im kommenden Sommer beginnen, sagte Strenger. Das Herzstück davon soll ein zehngeschossiges Gebäude sein. „Der Siloturm kommt also zurück“, scherzte Strenger. Für das Gewerbe will er sich mehr Zeit lassen. „Wir wollen nicht einfach nur Büroflächen anbieten, ohne zu wissen, was daraus in zehn Jahren wird“, sagte der Immobilienunternehmer. Darum werde hierfür demnächst ein gesonderter Wettbewerb ausgeschrieben.

Man müsse die Nähe zu den rührigen Firmen in der Weststadt berücksichtigen, die sich zurzeit in Richtung Industrie 4.0 entwickelten, sagte Strenger. Er wolle erst einmal herausfinden, was sie für nötig halten, dass es sich in deren Umfeld ansiedelt. Den Anwohnern und künftigen Mietern versprach er, dass sich auf dem ehemaligen Baywa-Areal weder Speditionen noch Produktionsfirmen einmieten werden. Frühestens im nächsten Jahr werde mit dem Bau gewerblicher Gebäude begonnen. Wenn alles gut laufe, könnten wohl 2019 die ersten Wohnungen bezogen werden.

Lesen Sie jetzt