Am kommenden Dienstag wird es an den Haltestellen der SSB so aussehen. Die Gewerkschaft Verdi hat zu Warnstreiks aufgerufen. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Die Gewerkschaft Verdi lässt die Muskeln spielen. Nachdem bereits am Montag die Kitas bestreikt werden, erwischt es am Dienstag die SSB. Hintergrund ist der laufende Tarifkonflikt im öffentlichen Dienst.

Stuttgart - An diesem Montag werden in Stuttgart viele Eltern für ihre Kinder einmal mehr eine alternative Betreuung organisieren müssen. Und ab Dienstag trifft es dann die Fahrgäste der SSB: Die Gewerkschaft Verdi hat nach den Erzieherinnen und Erziehern in den Kitas und der Schulkindbetreuung des städtischen Trägers und der Jugendhausgesellschaft nun auch die Beschäftigten der Stuttgarter Straßenbahnen AG zu einem ganztägigen Warnstreik im laufenden Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes aufgerufen.

Busse und Bahnen fahren stadtweit nicht – mit einigen Ausnahmen

Wie die SSB mitteilten, fallen sämtliche Busse und Bahnen am 29. September aus. Betroffen davon sind auch die Seil- und die Zahnradbahn. Betroffen vom Streik sind Busse und Bahnen, die normalerweise im Stadtgebiet Stuttgart, zum Teil auf den Fildern, nach Sindelfingen, Fellbach, Remseck, Leonberg, Gerlingen und Nürtingen fahren. Auch die SSB-Kundenzentren sowie die Fundstelle bleiben geschlossen. Das Unternehmen empfiehlt den Fahrgästen, im Stadtgebiet die nicht vom Streikaufruf betroffenen S-Bahnen und Regionalzüge zu nutzen. Zudem habe man Auftragsunternehmen engagiert, um den Busverkehr auf den Linien 53 (Mühlhausen–Zuffenhausen), 54 (Freiberg–Neugereut), 58 (Schmiden–Obere Ziegelei), 60 (Oeffingen–Untertürkheim), 64 (Stelle–Frauenkopf), 66 (Kühwasen–Geschwister-Scholl-Gymnasium), 73 (Degerloch–Neuhausen) und 90 (Korntal–Giebel) aufrechtzuerhalten.

Auch die Bahnen und Busse der Esslinger Verkehrsgesellschaft (SVE) werden bestreikt. Lediglich die Linien 102 von Zell nach Mettingen sowie die Linie 103 von Zell nach Hedelfingen verkehren vereinzelt und werden durch Fremdunternehmen betrieben.

Im Bildungs- und Betreuungssektor bleiben wie berichtet nach Angaben der Stadt voraussichtlich 117 Kitas, fünf Schülerhäuser und zwei Ganztagsschulbetreuungen komplett zu. Teilgeschlossen sein werden 34 Kitas, sieben Schülerhäuser und acht Ganztagsschulbetreuungen. Geöffnet bleiben 30 Kitas, ein Schülerhaus und vier Ganztagsschulbetreuungen. Erstmalig sind neben den städtischen Erzieherinnen auch die Kollegen aus der Jugendhausgesellschaft zum Streik aufgerufen, die ebenfalls unter den Tarif im öffentlichen Dienst fallen.

Verdi will sich nicht mit Applaus vom Balkon abspeisen lassen

Die Gewerkschaft fordert für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst 4,8 Prozent mehr Lohn, mindestens aber eine Anhebung der Einkommen um 150 Euro im Monat. „Man kann nicht im Frühjahr klatschen und im Herbst sagen: ohne Spesen nichts gewesen“, begründet Cuno Brune-Hägele, Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Stuttgart, mit Blick auf die Einsatzbereitschaft der Erzieherinnen gerade in Corona-Zeiten die Gehaltsforderung. Sie hätten auch im Corona-Lockdown gearbeitet und seien systemrelevant. Zwei Verhandlungsrunden zwischen den Tarifpartnern blieben bisher ergebnislos.

Eine Notbetreuung gibt es am Montag nach Angaben des städtischen Jugendamts nicht. Eine solche Vereinbarung für einzelne Warnstreiktage habe die Gewerkschaft stets abgelehnt, heißt es. Und wegen der Corona-bedingten Hygienebedingungen könnten Eltern auch nicht selbst die Räume zur Kinderbetreuung nutzen. Bei Verdi hat man zwar Verständnis für die Nöte der Eltern – vor allem auch wegen der bereits stark eingeschränkten Betreuung in den zurückliegenden Monaten, die durch die Corona-Pandemie hervorgerufen wurde. Gleichwohl rechnet die Gewerkschaft bei den Beschäftigten mit einer hohen Streikbereitschaft.

Gesamtelternbeirat dringt auf schnelle Lösung im Tarifkonflikt

Auch der Gesamtelternbeirat (GEB) der städtischen Kitas bedauerte es sehr, „dass unsere Kinder erneut Leidtragende der Tarifauseinandersetzungen im öffentlichen Dienst sind“. Gleichzeitig unterstütze man die dringend notwendige Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Erzieherinnen, fordere aber die Tarifparteien auf, sich zügig zu einigen und den Kindern weitere Einschränkungen zu ersparen. Manja Reinholdt, kommissarische GEB-Vorsitzende der Schulen, hatte unserer Zeitung gegenüber gesagt: „Die Eltern sind durch die Schließungen in den vergangenen Monaten an ihre absolute Belastungsgrenze gekommen. Für sie kommt der Streik zur Unzeit.“ Ihren Unmut sollten die Eltern aber nicht gegen die Erzieherinnen richten.

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