Rudolf Diebetsberger beim Musizieren auf dem Schlossplatz Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Weil er seine Musik in den Dienst von blinden Kindern stellt, hat Rudolf Diebetsberger die Staufermedaille bekommen. Aber inzwischen hadert er mit den Vorgaben, die er in Stuttgart auferlegt bekommt.

Stuttgart - Vor Ärger wird Rudolf Diebetsberger manchmal ganz schön heiß unter seinem Zylinder: Der wohltätige Straßenmusiker ist kurz davor, sein Waldhorn in die Ecke zu legen. 185 000 Euro hat der Staufer-Medaillenträger seit 1998 für die Andheri-Hilfe und damit für blinde Kinder in Indien eingespielt. Doch immer wieder bekommt Diebetsberger Krach mit Anwohnern und dem Stuttgarter Ordnungsamt. „Ich darf bald gar nicht mehr spielen. Traurig ist das“, sagt er verzweifelt – und denkt ans Aufgeben.

Und das, wo die 200 000 Euro für den guten Zweck schon fast zum Greifen nahe sind. Sauer ist Diebetsberger besonders auf das Ordnungsamt. Denn er hat keine Genehmigung mehr bekommen, wie bislang zweimal im Monat samstags auf dem kleinen Schlossplatz und dem Schillerplatz für je anderthalb Stunden spielen zu dürfen.

Verordneter Umzug Richtung Rotebühlplatz

Stattdessen darf er nur viermal im Monat an Dienstagen oder Donnerstagen an der Querspange der Königstraße, nahe der Haltestelle Rotebühlplatz spielen, für anderthalb Stunden je Tag. Diebetsberger ist am verzweifeln: „Werktags für anderthalb Stunden an dieser Stelle - das kann ich vergessen. Dann nehme ich 5,20 Euro ein, wie neulich in Leonberg“, klagt der 73-Jährige. Da koste ihn ja das Parkticket mehr.

Auch andernorts habe er Probleme mit Anliegern und den Ordnungsämtern, etwa in Ulm. Grund sei dort sein Verstärker beziehungsweise seine Hintergrundmusik, sagt eine Ulmer Stadtsprecherin. In Freiburg hingegen lohne sich das Spielen wegen der weiten Anreise und der kurzen, genehmigten Zeit nicht, sagt Diebetsberger. Unbürokratisch sei man lediglich in Karlsruhe, wo es genüge, einfach anzurufen, um auf der Straße auftreten zu dürfen.

Weil es dem früheren Solisten der Stuttgarter Philharmoniker bereits in der Vergangenheit schwer gefallen ist, sich an kommunale Vorgaben zu halten, musste er sich schon dreimal am Amtsgericht Stuttgart rechtfertigen. Beim ersten Mal kam Diebetsberger mit einer Ermahnung davon, beim zweiten Mal sollte er 50 Euro zahlen, bei dritten Mal schon 100 Euro.

Musiker beruft sich auf sein soziales Engagement

Kopfschüttelnd sagt er: „Warum müssen für mich die gleichen Vorgaben gelten, wie für andere Straßenmusiker? Kann man mich nicht in eine andere Schublade stecken?“ Er wolle das Geld doch nicht für sich selbst, sondern für einen guten Zweck. Bestimmt gebe es keinen zweiten Straßenmusiker der soviel Geld für eine gute Sache eingespielt habe und mit einer Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet worden sei.

Die Stuttgarter Ordnungsamtsleiterin Dorothea Koller kennt den Fall Diebetsberger gut. Sie sehe aber keine Handhabe, so die Amtsleiterin. „Honorige“ Anlieger von Schloss- und Schillerplatz hätten sich wiederholt beschwert. Diebetsberger habe immer wieder gegen die Auflagen der Stadt verstoßen, an anderen Tagen als erlaubt gespielt oder die genehmigte Zeit überzogen. Es seien deutlich mehr Fälle, als diejenigen, die vor Gericht kamen. Und ein Waldhorn sei auch noch laut. Deshalb könne Diebetsberger auf dem Schillerplatz und auf dem kleinem Schlossplatz nun nicht mehr auftreten.

Generell sympathisiere sie mit dessen „Herzensanliegen“, der Hilfe für blinde Kinder, sagt Dorothea Koller. „Aber das gibt ihm nicht das Recht, immer wieder die Leute, die dort arbeiten, zu stören.“ Sie wolle dem Straßenmusiker aber ein Stück weit entgegenkommen. Generell zwei Tage je Woche seien Diebetsbergers Wunsch gewesen. Sie ließen sich auch noch etwa in einen Donnerstag und einen Samstag ändern.

Anwohner fühlen sich bei der Arbeit gestört

Auch werde das Amt noch mal überprüfen, ob sie in seinem Fall die Verteilung von Handzetteln zulassen könne, weil sie schließlich dem guten Zweck dienten. Die Handzettel sind wichtig, damit Diebetsberger mit seinem vielseitigen deutschen Liedgut für Geburtstage gebucht wird. Das bringt weiteres Geld für die Andheri-Hilfe ein.

Seit Juli 2017 hat Diebetsberger 12 000 Euro gesammelt, auch dank der Landesgartenschau in Öhringen. Mit ruhigem Blut und dem Entgegenkommen der Stadt kann der Vollblutmusiker seine 200 000 Euro vermutlich doch noch knacken. „So lange halte ich schon irgendwie durch.“ Aber danach werde er wohl Schluss machen müssen, wenn sich nichts Grundlegendes ändere.

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