Es geht nicht nur um Ehre, sondern auch knallhart um Drogengeschäfte. Die schießwütigen Gruppierungen in der Region haben nun aber ein mutmaßliches Mitglied weniger. Die Spur führt wieder in den Rems-Murr-Kreis.
Die Ermittler hatten ihn wegen mutmaßlichen Drogengeschäften schon länger im Visier – nun aber hat die Polizei dem Treiben ein Ende bereitet. Ein 21-Jähriger aus dem Bereich Schorndorf hat am Dienstag überraschenden Besuch eines Spezialeinsatzkommandos bekommen. Er sitzt nunmehr in Untersuchungshaft. Der Beschuldigte steht auf einer Liste des Landeskriminalamts, auf der etwa 550 Mitglieder zweier schießwütiger Gruppierungen verzeichnet sind. Der 21-Jährige ist die Nummer 65, die hinter Gittern gelandet ist.
Bei der Auseinandersetzung zweier multiethnischer Gruppen, die sich seit Juli 2022 auch mit Schusswaffen und Handgranaten bekämpfen, geht es nicht nur um Ehre und Lust am kriminellen Lebensstil – sondern auch um Kohle. Besonders Rauschgiftgeschäfte spielen eine Rolle, nebenbei auch Betrugsdelikte. Die Straßenkrieger mit Gangster-Rapper-Allüren lassen sich dabei grob auf die Bereiche Stuttgart-Zuffenhausen-Göppingen und die Schiene Esslingen-Plochingen-Ludwigsburg verorten.
Schorndorf als Brennpunkt der Cliquen
In letzter Zeit sorgt allerdings auch verstärkt der Bereich Schorndorf im Rems-Murr-Kreis für Aufsehen. Mit Drogengeschäften, die auch mal außer Kontrolle geraten und in Feuergefechte ausarten – wie etwa am 23. Oktober 2023. Seither sitzt ein 20-Jähriger in Untersuchungshaft, zwei weitere Verdächtige sind auf freiem Fuß geblieben. Außerdem wurden zu Jahresbeginn drei 19, 20 und 21 Jahre alte mutmaßliche Drogendealer in Haft genommen, die in Schorndorf mit Rauschgift gehandelt haben sollen.
Nun gibt es eine weitere Festnahme. „Bei Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Handel mit Drogen“, so lässt das Landeskriminalamt (LKA) am Donnerstag verlauten, sei man auf einen 21-jährigen Deutschen gestoßen. Der ist bereits wegen Gewaltdelikten polizeibekannt – und soll bei Drogengeschäften im Bereich Schorndorf auch mit scharfer Schusswaffe unterwegs gewesen sein.
Scharfe Munition in der Wohnung – was verrät sie?
Am Dienstag haben die Fahnder offenbar genug Erkenntnisse gesammelt. Die Staatsanwaltschaft beantragte einen Haftbefehl, ein Spezialeinsatzkommando nahm den Verdächtigen fest. Ein zuständiger Richter beim Amtsgericht Stuttgart schickt den 21-Jährigen hinter Gitter. Bei der Durchsuchung der Wohnung des jungen Mannes hatten die Beamten zwar keine Schusswaffe gefunden – aber scharfe Munition, Drogen und Arzneimittel sowie mehrere Mobiltelefone.
„Der Tatverdächtige dürfte zur Göppinger Gruppierung gehören“, bestätigt LKA-Sprecher David Fritsch. Damit zeichnet sich immer deutlicher ab, dass Schorndorf eine Fraktion der Zuffenhausen-Göppingen-Gruppierung ist. Diese kämpft ist mit der vornehmlich kurdisch geprägten Esslingen-Clique mindestens seit Sommer 2022 in einer Dauerfehde, in der selbst Kriegswaffen kein Tabu sind. War der 21-Jährige etwa auch bei der Schießerei am 23. Oktober 2023 in Schorndorf-Weiler dabei? Der LKA-Sprecher äußert sich eher zurückhaltend. „Mögliche Verbindungen zu anderen Straftaten werden geprüft“, sagt er. Unter anderem dürfte dabei auch die Munition für die Kriminaltechnik interessant sein.