Paul Rothwein (li.) und Jörg Schiller markieren neuralgische Stellen. Foto: Sachsenmaier

Eine verstärkte Koordination und mehr Kontrollen sollen die Lage auf Fellbachs Straßen deutlich verbessern.

Die logische Folge der in aller Eile ausgeführten Reparaturen ist auch in Fellbach zu beobachten: Durch handwerkliche Fehler und mangelnde Sorgfalt entstehen Risse und Setzungen, der Fahrbahnbelag wird zu einem Flickenteppich. Dringt wie jetzt im Winter auch noch Wasser in die schadhaften Bereiche ein, dürfen sich Autofahrer spätestens im Frühjahr über neue Schlaglöcher freuen.

Durch die wiederholte Arbeit auf kleinen Flächen werden Setzungsschäden noch begünstigt

Besonders gravierend wird die vorhersehbare Schadensliste, wenn sich die verschiedensten Unternehmen bei Grabungsarbeiten die Schaufel in die Hand reichen – und in vergleichsweise kurzen Zeit-abständen in ein und derselben Straße erst das Kanalnetz saniert wird, dann ein Telefonanbieter neue Kabel verlegt und einer Aufgrabung für den Strom wenige Monate später auch noch ein neuer Ab-wasser-Hausanschluss folgt. Die schlecht koordinierten Grabungsarbeiten machen es der Stadt fast unmöglich, für entstehende Schäden am Fahrbahnbelag ein Unternehmen wegen der Gewährleistung in die Pflicht zu nehmen. Mehr noch: Durch die wiederholte Arbeit auf kleinen Flächen werden Setzungsschäden noch begünstigt.

Die beiden CDU-Stadträte Paul Rothwein und Jörg Schiller waren deshalb schon im vergangenen Jahr mit Leucht-farbe und Messlatte losgezogen. Genervt von den Holperpisten markierten die zwei Bürgervertreter aus Oeffingen nicht vorschriftsmäßig eingebaute Schachtdeckel und durch Senkungen zum Schlagloch gewordene Gullis mit grellem Pink. Der Hilferuf mit der Spraydose sollte der Bitte nach einer gemeinsamen Ortsbesichtigung mit Baubürgermeisterin Beatrice Soltys und Tiefbauamtsleiter Thomas Stengel den nötigen Nachdruck verleihen – und öffentlichkeitswirksam aufmerksam machen, dass bei der Reparatur der Fahrbahn allzu oft nur dürftige Arbeit abgeliefert wird. „Wir waren ein paar Stunden unterwegs, haben aber noch längst nicht alle schadhaften Stellen markiert“, legte Rothwein den Finger in die Wunde im Straßenbelag.

Die Stadt schaut den Asphaltkolonnen zwar mehr auf die Finger, der Zeitaufwand ist aber groß

Das Problem ist, dass die Stadt den Asphaltkolonnen zwar mehr auf die Finger schauen kann. Die Kontrolle ist allerdings mit großem Zeitaufwand verbunden – und bindet Personal. Ist der Boden rund um einen neu eingebauten Schachtdeckel oder über einer Kanalgrabung nicht vorschriftsmäßig verdichtet, zeigen sich die Schäden oft erst nach einer gewissen Zeit. Und: Bei der Koordination von Bauarbeiten ist das Rathaus letztlich der Terminplanung der Versorgungsunternehmen ausgeliefert. Als Straßenlastträger ist die Kommune gesetzlich verpflichtet, einem Energieversorger oder Telefonanbieter die Verlegung von Leitungen zu gestatten – selbst wenn sich eine Baumaßnahme an die andere reiht.

Versucht wird deshalb, wenigstens bei den Rathaustöchtern eine abgestimmte Arbeitsweise zu erreichen. Bei großflächigen Maßnahmen wie etwa der sanierten Eugenstraße oder der Fellbacher Straße sprechen sich Stadtwerke und Stadtentwässerung mittlerweile intensiver ab als früher. Hilfreich ist auch eine bereits vor Jahren angeschaffte Software zur Verwaltung der nötigen Aufgrabungsgenehmigungen. In einer Datenbank wird bei dem Computerprogramm gespeichert, wer den Grabungsantrag gestellt hat und wer als Ansprechpartner der beauftragten Baufirma fungiert. Außerdem ist neben der Dauer auch der Ablauf der Gewährleistungsfrist elektronisch abrufbar.

Allein im ersten Halbjahr 2016 liefen im Fellbacher Rathaus exakt 174 Aufgrabungsanträge auf

Schließlich liefert die Frage, wie oft der Straßenbelag aufgerissen wird, beachtliche Zahlen: Allein im ersten Halbjahr 2016 – von Februar bis Juli – liefen im Fellbacher Rathaus exakt 174 Aufgrabungsanträge auf. Und: Bei den nicht weniger verwaltungsintensiven Gewährleistungsabnahmen rechnete das Baudezernat in den vergangenen zwölf Monaten mit 356 Fällen – fast jeden Tag gibt es in Fellbach eine Buddelstelle.

Bereits 2016 leistete sich die 45 000-Einwohner-Stadt deshalb eine Personalaufstockung fürs Asphalt-Controlling. Eine 50-Prozent-Stelle sollte im Tiefbauamt für Koordinierung und Bauabnahme zuständig sein. Schnell zeigte sich aber, dass schon durch die Urlaubszeiten das Thema nicht so intensiv beackert werden konnte, wie sich die Stadt das vorgestellt hatte.

„Gerade der Bereich kurzfristiger Störungsaufgrabungen ist kritisch, da eine Koordinierung vor Beginn der Maßnahmen in der Praxis so gut wie nicht möglich ist“, äußerte sich Baudezernentin Beatrice Soltys, als das Sorgenthema mit den Schlaglöchern im vergangenen Sommer im Bauausschuss zur Sprache kam. Beschlossen wurde von den Bürgervertretern damals, dass im Tiefbauamt ein Leitfaden für beauftragte Straßenbauer erarbeitet wird. Das unter dem Titel „Aufgrabungsrichtlinien der Stadt Fellbach“ zusammengefasste Blatt soll die wichtigsten Punkte in konzentrierter Form festhalten – und verhindern, dass Baufirmen bei den oft Dutzende Seiten umfassenden Komplettausschreibungen nicht übers Deckblatt hinauskommen.

Wichtiger noch für den Kampf gegen die Schlaglöcher sind aber wohl die 50 000 Euro, die Fellbach fürs Jahr 2017 in den Haushalt eingestellt hat. Mit dem Geld soll erreicht werden, dass bei der Reparatur nicht nur das allernötigste Minimum neu erstellt werden. Baufirmen sollen vor allem bei bereits erkennbaren Schäden in unmittelbarer Nachbarschaft zur Grabungsstelle künftig eine größere Fläche mit einem neuen Belag ausstatten.

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