Raub, Diebstahl und Einbruch weisen einen besonders hohen Anteil ausländischer Tatverdächtiger auf. Foto: dpa/Daniel Bockwoldt

In Stuttgart hat die Zahl der Straftaten im vergangenen Jahr zugenommen. Auffällig ist ein Trend, der bereits bundes- und landesweit für Diskussionen gesorgt hat: Der Anteil der Tatverdächtigen ohne deutschen Pass steigt.

Es sind Statistikwochen bei den Sicherheitsbehörden. Erst hat der Bund seine Kriminalitätsstatistik für das vergangene Jahr vorgestellt, kurz danach das Land. Und wie immer kann jeder fast alles herauslesen. Doch eindeutig sind zwei Dinge: Zum einen steigt die Zahl der Straftaten, zum anderen der Anteil der Tatverdächtigen ohne deutschen Pass. In Baden-Württemberg liegt er inzwischen nur noch knapp unter der Hälfte. Rechnet man die ausländerrechtlichen Verstöße heraus, sind es immer noch gut 42 Prozent. Ein Wert, der sicher in der starken Zuwanderung der vergangenen Jahre begründet ist, der aber Diskussionen hat aufkommen lassen. Denn Ausländer, gerade Geflüchtete, sind in der Statistik deutlich überrepräsentiert.

 

Das ist in der Landeshauptstadt nicht anders. Die Zahlen, die die Polizei aktuell bekannt gegeben hat, sind sogar noch deutlich höher. Im vergangenen Jahr gab es in Stuttgart insgesamt 55 577 Straftaten, eine Zunahme um 7,5 Prozent. 55 Prozent der Tatverdächtigen in Stuttgart hatten keinen deutschen Pass. Das ist ein Zuwachs um 4,3 Prozentpunkte auf einen Höchstwert. Der Anteil ohne ausländerrechtliche Verstöße lag bei 51,5 Prozent. Mehr als jeder fünfte ausländische Tatverdächtige war ein Geflüchteter, die Gruppe verzeichnet ohne ausländerrechtliche Verstöße eine Zunahme um fast 29 Prozentpunkte. In der Stadt hatten im vergangenen Jahr etwa 28 Prozent der Einwohner keinen deutschen Pass, deutlich mehr als im landesweiten Schnitt.

So hoch ist der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger

Erkenntnisse lassen sich gewinnen, wenn man auf einzelne Delikte schaut. So liegt der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger bei den wenigen Straftaten gegen das Leben bei 63 Prozent. Bei Sexualstraftaten und Rohheitsdelikten beträgt er etwa die Hälfte, bei Raub allerdings 65 Prozent.

Beim Diebstahl insgesamt ist der Wert 61 Prozent, beim schweren Diebstahl 74 Prozent. Einbrüche sind zum überwiegenden Teil in ausländischer Hand, auch wegen mobiler Tätergruppen. Bei Rauschgiftdelikten dagegen beträgt der Anteil 46 Prozent, bei Wirtschaftskriminalität lediglich 31 Prozent. „Hier liegt Stuttgart im landes- beziehungsweise bundesweiten Trend“, so ein Polizeisprecher.

Experten weisen gerade was Diebstähle und Rohheitsdelikte betrifft immer wieder darauf hin, dass die Zahlen viel mit den Lebensumständen gerade von Geflüchteten zu tun haben. Sie leben häufig auf engem Raum, wo Konflikte entstehen können. Außerdem handelt es sich überdurchschnittlich oft um junge Männer, die generell anfälliger für Straftaten sind. Auch Armut sowie kulturelle Unterschiede und Auseinandersetzungen spielen eine Rolle.

Diese Nationalitäten sind am häufigsten vertreten

Was die Nationalitäten betrifft, nennt die Stuttgarter Polizei grundsätzlich keine Zahlen. Im Land lagen zuletzt bei den Tatverdächtigen hinter Deutschland die Türkei und Rumänien, gefolgt von Syrien, der Ukraine und Afghanistan.

Das heikle Thema dürfte bald auch den Stuttgarter Gemeinderat beschäftigen. Die CDU-Fraktion hat bereits vor Bekanntwerden der aktuellen Zahlen einen entsprechenden Antrag formuliert. Die Entwicklung löse Besorgnis und „heftige Diskussionen“ aus. „Es ist jetzt entscheidend, ohne Zurückhaltung über Fragen der Ausländerkriminalität und Integrationsprobleme zu sprechen“, heißt es im Antrag.

Zunehmende Clankriminalität?

Bei der Debatte will sich die CDU nicht auf Menschen ohne deutschen Pass beschränken: „Es steht außer Frage, dass wir auch unter Deutschen mit Migrationshintergrund in bestimmten Gruppen ein überdurchschnittliches Kriminalitätsproblem haben. Ein Beispiel hierfür ist die zunehmende Clankriminalität“, schreibt die Fraktion. Sie fordert ausführliche Antworten zu den Entwicklungen, auch bei Kindern und Jugendlichen, und fragt, wie die Stadtverwaltung die Integrationsmöglichkeiten beurteile.