Sabine Reichert vor ihrem Schaufenster am „Pinkeleck“ an der Theodor-Heuss-/Willi-Bleicher-Straße. Foto: Eva Funke

Kunsthandwerkern „stinkt“ der Uringeruch vor ihrem Schaufenster. Sie fordern eine regelmäßige Reinigung der Fläche.

Stuttgart-Süd - Die Passanten wollen nur schnell vorbei an der Ecke Theodor-Heuss-/Willi-Bleicher-Straße. Grund: der scharfe Uringeruch, der ihnen am Haus der Wirtschaft in die Nase sticht. Vor dem Schaufenster an der Fassade des landeseigenen Gebäudes bleibt deshalb auch keiner stehen. In der Passage entlang der Theodor-Heuss-Straße, wo ebenfalls Schaukästen sind, ist es nicht besser. Auch dort stinkt es gewaltig.

Die Mitglieder des Bundes der Kunsthandwerker Baden-Württemberg (BdK), die das Schaufenster am „Pinkeleck“ gestalten, haben jetzt die Nase voll. Denn als Sprecherin Sabine Reichert vor Kurzem dort war, war es noch schlimmer als sonst: „Auf dem Gehweg sind eingetrocknete Ränder von Urinlachen und die Nische vor dem Schaufenster war verkotet“, sagt Reichert und ist sicher, dass das kein Hundekot war, denn sonst wäre kein Papier daneben gelegen. Die Schmuckdesignerin weist darauf hin, dass die Kunsthandwerker derzeit auf Werbung wie in dem Schaufenster angewiesen sind, da wegen der Pandemie viele Verkaufsausstellungen gestrichen worden seien. „Doch was nutzt uns die Werbung, wenn jeder macht, dass er weiter kommt?“ fragt sie und fordert eine regelmäßige Reinigung der Flächen vor dem Schaufenster und eine Absperrung des Hauseingangs, da dort auch Obdachlose übernachten. Außerdem schlägt sie vor, ein Dixie-Klo aufzustellen, da das Bedürfnis danach wohl groß sei.

Gegen Urinränder hilft nur heißer Wasserdampf

Das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau teilt mit, dass das Problem bekannt sei, man regelmäßig reinige, aber die starke Verschmutzung der gesamten Theodor-Heuss-Straße ein Problem sei. In Abstimmung mit der Landesbaubehörde wolle man zeitnah eine Lösung finden, sagt eine Sprecherin.

Bei der Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) sind nach deren eigener Auskunft bislang keine Beschwerden eingegangen. Sie ist per Vertrag mit dem Ministerium für die Reinigung der nicht überdachten Flächen, also auch für den Gehweg vor dem Fenster des BdK, zuständig, das Ministerium für den überdachten Teil des Gehweges. Zukünftig will die AWS in ihrem Zuständigkeitsbereich an Wochenenden die kritischen Stellen mit einem Wasserwagen spülen. Eine öffentliche Toilette sei jedoch nicht vorgesehen – zumal das nächste öffentliche WC auf dem Kronprinzplatz nur 250 Meter entfernt sei und in der City die meisten der 27 automatischen Toiletten mit 24-stündiger Öffnungszeit stehen, so Udo Hofmeister von der AWS. „Ob am Marienplatz, am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus vor dem Alten Schloss oder in Höfen: Die Wildpinkelei nimmt zu, besonders in der Coronazeit, wenn draußen gefeiert wird“, sagt Hofmeister. Problematisch bei der Reinigung seien die Urinränder, da sich Urin in den Stein frisst. „Da müssen wir mit Heißdampf ran“, stellt er fest.

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