Beim aktuellen Test der Stiftung Warentest schneiden 21 von 30 geprüften Kuscheltieren wegen Schadstoffen oder gerissenen Nähten mit der Note „mangelhaft“ ab – darunter auch solche von namhaften Herstellern wie Käthe Kruse, Kösen, Sigikid und Steiff. Foto: Fotolia/©st-fotograf

Sie enthalten krebserregende Schadstoffe, haben zu lockere Nähte oder können Allergien auslösen: Mehrere Plüschtiere sind von mangelhafter Qualität, warnt die Stiftung Warentest – und gibt Tipps, wie Eltern sicheres Spielzeug erkennen können.

Stuttgart - Wie sicher sind Kuscheltiere, die hierzulande verkauft werden?
Beim EU-Schnellwarnsystem für gefährliche Produkte Rapex belegten Spielsachen mit 650 Meldungen den ersten Platz. Und auch bei den Prüfungen der Stiftung Warentest schneiden Plüschtiere, aber auch Puppen, Holz- und Plastikspielzeug häufig schlecht ab, kritisiert der dortige Bereichsleiter für Untersuchungen, Holger Brackemann. Von rund 150 Spielsachen entsprach jedes zehnte Produkt nicht den rechtlichen Anforderungen und hätte gar nicht verkauft werden dürfen. Auch bei dem aktuellen Test schnitten 21 von 30 geprüften Kuscheltieren wegen Schadstoffen oder gerissenen Nähten mit der Note „mangelhaft“ ab – darunter auch solche von namhaften Herstellern wie Käthe Kruse, Kösen, Sigikid und Steiff.
Wie hoch ist die Schadstoffbelastung?
Der Stiftung Warentest ist vor allem die Belastung mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) aufgefallen. Mehr als 60 Prozent der geprüften Plüschtiere enthielten kritische Mengen an PAK. „Diese sind teilweise als krebserzeugend eingestuft“, sagt die Projektleiterin Renate Ehrns­perger – etwa der PAK namens Chrysen, der in 13 Plüschtieren gefunden wurde. Das soll zwar in Spielzeugen innerhalb der EU auf 0,5 Milligramm pro Kilogramm beschränkt werden. Doch diese Regelung tritt erst Ende 2015 in Kraft – und geht laut Stiftung Warentest nicht weit genug: „Unserer Meinung nach haben krebserzeugende Soffe in Kinderspielzeug nichts zu suchen.“ Zumal es technisch möglich sei, Spielzeug ohne krebserzeugende PAK herzustellen.
Weitere Schadstoffe, die der Stiftung Warentest aufgefallen sind, waren Phthalat-Weichmacher, die mit der Zeit ausdünsten oder sich in Fett und Flüssigkeit lösen – etwa im Drachen Kuno von Käthe Kruse und im Tedi-Teddybär. Beim Menschen lassen sich die Phthalate im Blut oder Urin nachweisen, auf Dauer gefährden sie die Fruchtbarkeit.
Was sind weitere typische Gefahren bei ­Kuscheltieren?
Neben der Schadstoffbelastung gibt es die unmittelbaren Risiken: „Mittels Belastungstest wird geschaut, ob sich kleine Teile schnell lösen, ob diese verschluckt werden können oder ob sich Nähte schnell und weit aufreißen lassen“, sagt Ehrnsperger. Tatsächlich haben drei Plüschtiere, darunter der Schlenkerhase der Firma Steiff, der Drache Kuno von Käthe Kruse und das Stofftier Kuschelwuschel von Karstadt, diese Sicherheitsprüfung nicht bestanden: Aufgrund der schlechten Naht kann die Füllwatte herausgezogen werden. Nehmen Kinder diese dann in den Mund, bestünde untre Umständen Erstickungsgefahr. Auch dürfen Kuscheltiere nicht leicht Feuer fangen.
Woher weiß man, wie viele Schadstoffe eines Spielzeugs ein Kind aufnehmen kann?
Um herauszufinden, welche Mengen von Schadstoffen aus dem Spielzeug gelöst werden könnten, sind Simulationstests im Labor nötig: So wird beispielsweise ein Stück des Spielzeugs in verdünnte Salzsäure gegeben, welche dem Säuregehalt der Magensäure entspricht. Ähnlich funktioniert die Prüfung auf Speichelechtheit. Da gibt es wässrige Salzlösungen, die den Speichel simulieren. Allerdings lässt sich schwer nachspielen, wie viele Schadstoffe bei intensivem Hautkontakt in den Körper gelangen können. „Hier wird oft nur der Gehalt des Schadstoffs überprüft“, sagt Ehrnsperger.
Viele Kuscheltiere werden hauptsächlich in China hergestellt. Ist das Teil des Problems?
Tatsächlich stellt Made in China oder Made in Germany kein Qualitätskriterium dar, heißt es bei der Stiftung Warentest. „Sowohl bei den empfehlenswerten Produkten als auch bei den mangelhaft bewerteten Stofftieren waren welche aus China als auch aus Deutschland dabei“, sagt Ehrnsperger. Die Projektleiterin vermutet, dass wohl die Qualität in den Unternehmen schwer zu kontrollieren sei. „Zumal es meist kleine Chargen an Plüschtieren sind, die verkauft werden“, sagt Ehrnsperger. Eine Vermutung lautet, dass der PAK Chrysen etwa über Verunreinigungen in Ölen oder Farbstoffmischungen in die Spielsachen gelangt. „Allerdings hatten wir auch viel Spielzeug, in denen kein Chrysen gefunden wurde.“
Kann man mangelhaftes Spielzeug auch als Laie erkennen?
Duftende Kuscheltiere, wie die parfümierten Ohren beim Teddybär der Marke ­Toys’R’Us, sind ein Alarmzeichen: Denn Spielzeug für Kleinkinder sollten laut Bundesinstitut für Risikobewertung wegen der möglichen allergenen Wirkung keine Duftstoffe enthalten. Auch alles, was unangenehm riecht, sollte nicht gekauft werden. Problematisch sind auch sprechende Kuscheltiere, weil sie oft zu laut eingestellt sind. Zudem sollten die Eltern auch die Festigkeit des Stofftiers prüfen: Alle Kleinteile, die abgelöst werden könnten, sollten größer als ein Tischtennisball sein.
Gibt es Siegel, auf die man sich beim Kauf verlassen kann?
Nein, ein einheitliches Siegel fehlt. Zwar müssen die Hersteller auf ihre Produkte ein sogenanntes CE-Zeichen anbringen, das die Einhaltung europäischer Standards garantiert. So stehen die Initialen CE für Communauté Européenne. Doch das Zeichen ist eine reine Herstellerangabe. Renate Ehrnsperger von der Stiftung Warentest empfiehlt daher, auf Prüfzeichen einer unabhängigen Kon­trollstelle zu achten: etwa das GS-Zeichen, was für „Geprüfte Sicherheit“ steht. „Allerdings trug kein getestetes Kuscheltier dieses zeichen“, sagt Ehrnsperger.
Was tun, wenn ein Spielzeug Mängel zeigt?
Wer sich unsicher ist, ob ein Spielzeug unbedenklich ist, kann es im Landratsamt des jeweiligen Landkreises abgeben. Von dort wird es an die zuständigen Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter zur Prüfung geschickt. Grundsätzlich sind aufgrund solcher Verdachtsmomente Reklamationen schwierig. Nur bei offensichtlichem Mangel gibt es vom Hersteller Geld zurück.

Kuscheltiere im Test

Der aktuelle Plüschtiertest ist in der Zeitschrift „Test“ (12/2015) der Stiftung Warentest veröffentlicht. Es gibt ihn auch kostenlos im Internet: www.test.de/kuscheltiere