Michael Kienzle (Mitte), Vorstand der Stiftung Geißstraße 7, die sich 1996, zwei Jahre nach dem Brandanschlag, gegründet hatte. In der Bildergalerie sehen Sie historische Fotos aus den 90er Jahren. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Die Stiftung Geißsstraße 7 gedenkt den Opfern des Brandanschlags im Jahr 1994. Bei einem Stzadtspaziergang besuchen die Teilnehmer auch andere Gedenkstätten in der Stadt.

Stuttgart - Die Geißstraße 7 ist seit dem Brandanschlag am 16. März 1994, bei dem sieben Menschen starben, auch ein Ort der Erinnerung in Stuttgart. Ob die Tat einen fremdenfeindlichen Hintergrund hatte, darüber wird bis heute diskutiert.

Die Stiftung Geißstraße, die nach dem Brandanschlag im Jahr 1996 gegründet wurde, und die sich auf die Fahnen geschrieben hat, „bürgerschaftlichen Engagement“ in der Stadt zu initiieren, erinnerte am Samstagvormittag an die Opfer der Katastrophe mit einer Blumenniederlegung und einem Stadtspaziergang zu Erinnerungsorten rassistischer, fremdenfeindlicher oder antisemitischer Gewalttaten. Aus den Fenstern des Wohnhauses am Hans-im-Glück-Brunnen, aus denen 1994 Menschen in Todesangst gesprungen waren, begleitete ein Bläserquartett der Stuttgarter Philharmoniker den Gedenkakt. Neben den Stiftungsmitgliedern, ehemaligen Bewohnern der Geißstraße 7 und engagierten Bürgern nahm auch Landtagspräsidentin Mutherem Aras teil.

„Gedenken ist mit großen Anstrengungen verbunden“

Stationen des Rundgangs waren der Joseph-Süß-Oppenheimer-Platz, das Figurentheater Fitz, das Hotel Silber, die Stauffenberg-Gedenkstätte sowie das Landgericht. Am Oppenheimer-Platz, der laut Stiftungsvorstand Michael Kienzle noch immer aussehe, „wie der Hinterhof eines Bordells“, berichtete Jupp Klegraf vom Verein Zeichen der Erinnerung von der Entstehung der Deportations-Gedenkstätte im Inneren Nordbahnhof. „Auch dort musste die Bürgerschaft die Erinnerung erst einfordern“, so Klegraf. Ein Muster, das fast allen Gedenkstätten gemeinsam ist: So erinnerte auch Harald Stingele von der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber an die enormen Widerstände seitens Investoren, der Politik und der Presse gegen einen Erinnerungsort in der ehemaligen Stuttgarter Gestapo-Zentrale. Der ehemalige Verwaltungsrichter Fritz Endemann berichtete vor dem Landgericht in der Urbanstraße, dass es 30 Jahre dauerte, bis die dortige Gedenkausstellung zum NS-Justiz-Terror realisiert werden konnte. „Ein Hinweis auf den Ort, an dem die Guillotine stand, fehlt noch immer“, sagte Endemann.

Der Lokalchef der Stuttgarter Zeitung, und der Stuttgarter Nachrichten, Holger Gayer, betonte, dass „Gedenken mit großen Anstrengungen verbunden ist.“ Es sei ein „Kampf gegen Institutionen und Widerstände“ und zugleich etwas „zutiefst Bürgerliches“. Das große Engagement in dieser Stadt sei ein Schatz.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: