Die Messstation am Stuttgarter Neckartor steht direkt an der Straße. Foto: dpa

Das Verkehrsministerium des Bundes plant, Standorte von Messstationen zu überprüfen. Damit könnte auch geklärt werden, ob die Station am Neckartor wirklich richtig steht.

Stuttgart - 40 Mikrogramm Stickoxide darf ein Kubikmeter Luft in der EU enthalten. Doch so exakt die Messwerte sind, so schwammig sind die Vorgaben, nach denen sie ermittelt werden. Laut EU dürfen die Messstellen bis zu zehn Meter vom Fahrbahnrand entfernt stehen. Die am Stuttgarter Neckartor wird aber nur durch einen Bürgersteig von der Straße getrennt – und steht vor einer großen Gebäudefront, weshalb sie weit mehr Schadstoffe misst als auf der gegenüberliegenden Seite festzustellen sind. Zugleich kursieren im Internet Fotos von einer Messanlage in Athen, die von der Straße durch eine großzügige Fußgängerpromenade getrennt ist.

Verbandschef will Luft durch neue Busse und Taxen verbessern

Muss Deutschland womöglich Strafen zahlen, weil seine Stationen überkorrekt aufgestellt sind? Schon im April bat die Konferenz der Landesverkehrsminister das Bundesverkehrsministerium um eine Überprüfung, ob die Messeinrichtungen nach einem einheitlichen Maßstab installiert sind. Nun hat sich das Verkehrsministerium erstmals dazu geäußert. Auf eine schriftliche Frage der Stuttgarter FDP-Bundestagsabgeordneten Judith Skudelny ließ Staatssekretär Steffen Bilger (CDU) erkennen, dass er gewillt ist, die Standorte zu überprüfen und sich mit den Ländern abzustimmen. Skudelny hält eine solche Überprüfung für überfällig: Während in anderen Ländern im Rahmen der EU-Gesetze Messstationen „teilweise unter Palmen aufgestellt werden, bemühen wir Deutsche uns, Höchstergebnisse zu messen“, erklärte Skudelny unserer Zeitung.

Der Präsident des Verbands der Automobilindustrie, Bernhard Mattes, spricht sich unterdessen für „wirkungsvolle Maßnahmenpakete“ aus, um die Luftqualität an besonders belasteten Stellen zu verbessern. „Dazu gehören etwa grüne Welle, neue Busse und Taxen, weniger Parksuchverkehr durch Digitalisierung“, sagte er unserer Zeitung.

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